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Hilfe von oben – Folge 6: Steif wie Stricker

Tipps von der Tour, ausprobiert vom Amateur – die wöchentliche Kolumne von Stefan Maiwald 


Es muss 1997 gewesen sein: In einer der ersten amerikanischen Golfzeitschriften, die ich in die Finger bekam, las ich eine große Geschichte über Steve Stricker, der als großer Gegenspieler von Tiger Woods ausgerufen wurde – jenem Tiger Woods, der ein paar Monate zuvor in atemberaubender Manier mit zweitausend Schlägen Vorsprung das US Masters gewonnen hatte.

Aus irgendeinem Grund ist mir die Geschichte in Erinnerung geblieben. Ich vergesse generell eher selten Golfgeschichten, dafür purzeln Hochzeits- und Geburtstage aus dem Gedächtnis; man muss eben Prioritäten setzen. 

Aus dem »großen Gegenspieler« ist zwar nichts geworden, aber mit 43 Millionen Dollar Preisgeld in seiner Karriere (Platz zehn aller Profigolfer) muss man sich den Mann aus Wisconsin, der zudem noch ein dufter Kumpel sein soll, dennoch als glücklichen Menschen vorstellen. 
Stricker selbst übrigens war zwischenzeitlich in einem tiefen Loch verschwunden und kam mit Ende 30 auf beeindruckende Weise zurück – ein Comeback, das man nun Tiger Woods nur wünschen kann.

Jedenfalls gilt Stricker neben Phil Mickelson als bester Chipper und Pitcher der Tour. Dabei macht er etwas, was ihn von allen anderen Spielern – und insbesondere von Phil – deutlich unterscheidet: Er lässt die Arme fast steif und spielt mit sehr wenig Handgelenkseinsatz.

In diesem Video macht er es vor:

Da ich in letzter Zeit beim Pitchen warten muss, bis hinten auf der Hauptstraße kein Auto fährt (Voll-Tops), war mir das einen Versuch wert. Doch die Autofahrer blieben gefährdet. Dann filmte mich ein Pro. Mein Schläger geht so stark nach innen, dass er im Rückschwung nicht meine Schulter schneidet, sondern meine Hüfte. Mit der Ebene, sagte er, würde nicht mal Stricker den Ball sauber treffen.

Ich habe mich lange gesträubt. Aber jetzt heißt es: ran an die Schwungebene. Hat mir Oliver Heuler schon vor 15 Jahren gesagt, aber ich wollte ja nicht hören. Nun werden ich ein paar Monate lang Bälle zu treffen wie ein Platzreifespieler.
Und der Pro denkt darüber nach, hinter dem Pitching-Grün ein Netz aufzuspannen.

Stefan Maiwald
The fine art of hanging out

ist als Autor vielzähliger Romane und Sachbücher seit Jahren begeisterter Golfer und findet seine wahre Bestimmung auf Golfplätzen, um dort seine wertvolle Lebenszeit zu verschwenden.
www.stefanmaiwald.com

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