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Hilfe von oben – Folge 53: Stur wie Rory McIlroy

Tipps von der Tour, ausprobiert vom Amateur – die wöchentliche Kolumne von Stefan Maiwald 


Es hängt alles von ihm ab. Wenn er wieder in Form kommt, haben wir im Ryder Cup eine Chance. Wenn nicht: gute Nacht. 

Aber meine Vorhersagen sind legendär schlecht, so dass mit großer Wahrscheinlichkeit das genaue Gegenteil eintrifft und Team Europa Team USA ordentlich vermöbelt.

Jedenfalls: Haben Sie schon mal vom »Differenziellen Lernen« gehört? Das ist der neueste ganz heiße Trainingstrend. Sagen jedenfalls die Trainer. Ständig neue Lagen und Kurven trainieren, nie zwei Mal den gleichen Schlag hintereinander machen, Schläger möglichst nach jedem Schlag wechseln, auf dem Putting-Grün nur mit einem einzigen Ball trainieren – ganz allgemein: stupides Wiederholen vermeiden, weil wir mehr lernen, wenn wir uns immer wieder neu stimulieren. 

Klingt logisch und gut. Komisch nur, dass ich noch nie einen Spitzengolfer gesehen habe, der so trainiert. Nein, sowohl im Training als auch beim Aufwärmen vor einer Runde ähneln die Pros uns Normalsterblichen: Sie schlagen jede Menge mittlere Eisen (immer das gleiche Eisen wohlgemerkt, ohne groß zu wechseln) und jede Menge Drives. Auf dem Putting-Grün stehen sie mit allerlei Hilfsmitteln und putten Ball um Ball aus derselben Position Richtung Loch. Oft legen sie sich sogar ein Handtuch unter die Schuhe, um das Grün vom langen Verharren auf einem Fleck nicht zu beschädigen. 

Und Rory hält erst recht nichts vom Differenziellen Lernen. Er sagte in einem Interview, dass er früher wie heute stundenlang mit seinem Eisen 6 trainiert. Er hält es für eine wichtige Waffe. 

Und Rory hat recht, wie Richie Hunt herausfand. Der Statistik-Experte, der seit vielen Jahren die Runden auf der US PGA Tour analysiert, hat herausgefunden, dass die Qualität der Schläge von 150 bis 200 Metern den entscheidenden Unterschied zwischen Tourspielern ausmacht. 

Wer seine längeren Eisen sicher spielt – etwa, um ein langes Par 4 souverän zu erreichen oder an einem Par 5 mit dem zweiten Schlag aufs Grün zu kommen, hat einen gewaltigen Vorteil. Hunt behauptet sogar, das Wedge-Spiel sei überschätzt, und es sei besser, seine langen Eisen und Hybride zu schärfen. 

Ich habe keine Ahnung, ob das alles auch für uns Amateure zutrifft. Ich weiß nur, dass wir nicht dauernd dem letzten heißen Trainingstrend hinterherhecheln sollten. 

Das sage ich natürlich nur so lange, bis das nächste Buch eine neue, revolutionäre Trainingsmethode verspricht, die uns alle 25 Meter länger macht.

Stefan Maiwald
The fine art of hanging out

ist als Autor vielzähliger Romane und Sachbücher seit Jahren begeisterter Golfer und findet seine wahre Bestimmung auf Golfplätzen, um dort seine wertvolle Lebenszeit zu verschwenden.
www.stefanmaiwald.com

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