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Hilfe von oben – Folge 5: Richtung Ärger wie Jack Nicklaus

Tipps von der Tour, ausprobiert vom Amateur – die wöchentliche Kolumne von Stefan Maiwald 


Es gibt nur drei Fragen von existenzieller Bedeutung: Was ist der Sinn des Lebens? Was passiert mit uns nach dem Tod? Und sollte man in Richtung Ärger zielen und den Ball davon wegkurven lassen, oder weit vom Ärger anhalten und den Ball darauf zukurven lassen? 

Ärger, Sie ahnen es, sind Ausgrenzen, Topfbunker, Seen, Bäche und Biotope. Ist also ein See links vom Fairway, sollte man dann links aufteen und einen Fade schlagen, der Richtung See startet, aber dann auf dem Fairway landet, oder rechts aufteen und einen Draw hauen, der weit weg vom See startet und sich dann in die Mitte des Fairways entwickelt?

Die ersten beiden Fragen sind wohl etwas für Gott (jedenfalls haben mich die Philosophen der letzten 2500 Jahre noch nicht überzeugt – Sie etwa?), während die dritte Frage etwas für Jack Nicklaus ist, der ja für uns Golfer auch eine Art Gott ist.

Nicklaus’ Taktik, die er in seinem wunderbaren Buch »Golf My Way« beschreibt: Er teet so nah wie möglich auf der Ärger-Seite auf und lässt den Ball dann Richtung Fairway oder Fahne zurückkommen.

Auf meinem Platz habe ich eine ziemliche Horrorbahn. Ein eigentlich leichtes Par 5, aber unmittelbar links vom Fairway lauert viel Wasser, und wenn ich meine eigentlich verlässliche Rechts-Links-Standardkurve anwerfe, dann überdrehe ich gern einmal und schlenze den Ball mit einem lasziven Hook mitten in den Teich. Was, wenn ich dem Nicklaus-Ansatz folgen und einen Fade versuchen würde? Ich begegnete dem Loch in der letzten Woche zwei Mal. Beim ersten Mal landete der Ball tatsächlich wie gemalt mit einem Mini-Fade im Fairway. Beim zweiten Mal aber die Demütigung: Aus dem geplanten Fade wurde ein aalglatter, gerader Ball ohne jede Kurve, der mit einem höhnischen Grinsen in den Teich platschte.

Die Sache mit den Kurven, fiel mir auf, ist auch deswegen problematisch, weil man sich sehr intensiv mit den Hindernissen beschäftigen muss, was schwachen Gemütern wie mir gehörigen Schrecken einjagt. Da bin ich doch lieber für die gute, alte Verdrängung.

Vielleicht hat ja doch Paul Casey recht, der Kurven im Golf für »überschätzt« und für eine Sache der Vergangenheit hält. »Ich suche einfach einen Punkt in der Ferne und schlage gerade darauf zu.«

Paul Casey widerspricht Jack Nicklaus: Das ist nun wirklich beinahe Gotteslästerung.

Stefan Maiwald
The fine art of hanging out

ist als Autor vielzähliger Romane und Sachbücher seit Jahren begeisterter Golfer und findet seine wahre Bestimmung auf Golfplätzen, um dort seine wertvolle Lebenszeit zu verschwenden.
www.stefanmaiwald.com

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