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Hilfe von oben – Folge 49: Schulterzuckend wie Tom Lehman

Tipps von der Tour, ausprobiert vom Amateur – die wöchentliche Kolumne von Stefan Maiwald 


Also, ich habe da eine Theorie entwickelt. Vielleicht ist sie Unsinn, vielleicht aber auch nicht. Die Theorie geht so: Wenn du ein guter Golfer werden willst – sagen wir: Single-Handicapper –, dann brauchst du einen Draw. Wegen der Länge.

Aber wenn es dann noch ein bisschen tiefer gehen soll, dann brauchst du den geraden Ball oder gar einen kleinen Fade. Denn dann muss es darum gehen, Fahnen anzugreifen

Mit einem Draw ist das Anspielen sehr vieler Fahnen unmöglich, weil der Ball in einer enormen Kurve ins Grün schießt und es dann Glückssache ist, wohin er ausrollt. 

Also versuchte ich in den letzten Monaten den Fade. Eine Zeitlang klappte er sogar ganz gut. Doch dann wurden meine Bälle plötzlich kürzer. Drives landeten in Bunkern, die ich bislang immer sicher aus dem Spiel nehmen konnte, und ich brauchte immer ein bis zwei Eisen mehr ins Grün als noch im letzten Jahr.

Selbst, als ich vor Schreck wieder meinem Draw hervorholte, kam die alte Länge nicht wieder zurück. Panisch wandte ich mich an meinen Pro. 

Er hatte nach zwei Schwüngen schon die Diagnose parat: »Du hast die Schulterdrehung vergessen.« 

Und damit hatte er recht. In meinem Bemühen um eine steilere Schwungbahn (Fade!) hatte ich irgendwann nur noch lasch die Arme gehoben, statt ordentlich aufzudrehen. 

Er gab mir zwei Schwunggedanken: Entweder solle ich im Rückschwung die linke Schulter hinter den Ball drehen, oder ich solle das Gefühl haben, die rechte Schulter würde weit nach hinten wandern. Und um mich daran zu erinnern, soll ich kurz vor dem Schwung meine Schultern lockern und kreiseln lassen. 

Was hat nun Tom Lehman mit alldem zu tun? Erstens ist er ein großer Widerleger meiner Theorie, denn er spielt fast ausschließlich Draws. Das reichte unter anderem für die British Open 1996. 

Zum anderen aber hat er eine Pre-Shot-Routine, die ich mir auch aneignen musste. Er zuckt mit den Schultern, rollt sie heftig, berührt mal mit der linken Hand die rechte Schulter, mal mit rechts die linke Schulter – als würde sein Polo-Shirt Ausschlag verursachen. 

Wenn man bei Lehman einmal bewusst darauf achtet, wird man geradezu in den Wahnsinn getrieben. Vielleicht hilft das Zucken und Zupfen ja auch beim nächsten Matchplay.

Stefan Maiwald
The fine art of hanging out

ist als Autor vielzähliger Romane und Sachbücher seit Jahren begeisterter Golfer und findet seine wahre Bestimmung auf Golfplätzen, um dort seine wertvolle Lebenszeit zu verschwenden.
www.stefanmaiwald.com

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