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Hilfe von oben – Folge 44: Federn wie Sam Snead

Tipps von der Tour, ausprobiert vom Amateur – die wöchentliche Kolumne von Stefan Maiwald 


Er hatte sein Leben lang keine Golfstunde und lernte das Spiel, indem er seinen älteren Bruder Homer imitierte. (Ob es heute noch Eltern gibt, die ihr Kind »Homer« nennen?)

Er hatte den schönsten Schwung aller Zeiten, und darüber gibt es nichts zu diskutieren. Hier ist eine kleine Zusammenfassung:

https://www.youtube.com/watch?v=WDn_2_kvmBE

Sam Snead hält bis heute den Rekord für die meisten Siege auf der US PGA Tour (82). Hätte er nicht die Yips entwickelt, hätte er vielleicht noch ein paar mehr Turniere gewonnen. Vor allem seine knappen Niederlagen bei der US Open haben Zeit seines Lebens schwer an ihm genagt.

Um die Yips zu besiegen, hatte der Mann aus Virginia einen ganz besonderen Puttstil entwickelt, aber das ist etwas für eine der kommenden Kolumnen. Hier soll es um seinen Schwung gehen.

Der große Golflehrer Harvey Penick erzählte einmal, wie ein Schüler zu ihm kam und ihm erklärte, er wolle so schwingen wie Sam Snead, elegant und kraftvoll zugleich (Snead war ein Längenmonster und schlug trotz Persimmon-Driver den Ball nah an die 300 Meter.)

»Gut, gehen wir aufs Putting-Grün«, antwortete Penick.

»Nein, nein, ich will so schwingen wie er«, beharrte der Schüler.

»Auf dem Putting-Grün sind wir genau richtig«, sagte Penick und ließ einen Ball ins Loch kullern. »Wenn du es schaffst, den Ball mit durchgedrückten Beinen aus dem Loch zu holen, dann zeige ich dir, wie man so schwingt wie er.«

Wie konnte Sneads Schwung so gut aussehen? Ganz einfach: Weil er im Gegensatz zu uns Normalsterblichen ein hochbegabter Spitzenathlet war, der noch im hohen Alter einen Spagat schaffte, mit 61 Jahren den Cut bei der US Open überstand und ein Jahr später eine 68 bei der PGA Championship spielte, die er auf dem dritten Platz beendete.

In seinem Buch »Natural Golf« gibt er einen interessanten Tipp: Er rät zu einem ganz speziellen Waggle. »In den Händen und Knien spürt man die Anspannung am stärksten«, schreibt er. Man möge also nicht nur mit den Händen wackeln, sondern unmittelbar vor dem Schwung auch mit den Knien ein wenig auf und ab federn.

Er rät auch dazu, mit den Zuschauern zu scherzen, um den Druck aus der Situation zu nehmen. Einmal habe er ein Turnier gegen Ben Hogan gewonnen, weil kurz vor dem entscheidenden Putt ein Zuschauer aus einem Baum fiel, woraufhin alle in Gelächter ausbrachen – Snead versenkte anschließend den Ball aus fünf Metern im Loch.

Gut, die paar Möwen und Gänse, denen ich auf der Runde begegne, sind für meine launigen Sprüche eher wenig empfänglich. Dafür schauen sie aber auch nicht pikiert, wenn ich vor jedem Schlag auf und ab wippe.

Stefan Maiwald
The fine art of hanging out

ist als Autor seit Jahren begeisterter Golfer und findet sein Glück auf Golfplätzen, um dort seine wertvolle Lebenszeit zu verschwenden. 
www.postausitalien.com

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