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Hilfe von oben – Folge 4: Das ABC wie Lee Trevino

Tipps von der Tour, ausprobiert vom Amateur – die wöchentliche Kolumne von Stefan Maiwald 


Lee Trevino, der texanische Anekdotenautomat, wurde einmal nach seinem Erfolgsgeheimnis befragt. Er antwortete etwas rätselhaft: »Ich spiele mit drei Kumpels, meine Konkurrenten nur mit einem.« Was meinte er damit? Er hat einen A-Kumpel in sich, wenn er gut drauf ist. Dann riskiert er viel und gibt ordentlich Gas. Wenn der Tag nicht ganz so rund ist, dann holt er den B-Kumpel hervor und spielt etwas sicherer. Wenn es ganz übel läuft, dann gibt es immer noch den C-Kumpel, der den Ball einfach nur die Bahn runterschubst und größere Desaster vermeidet. 

Florian Fritsch spielt diese Saison auf der European Tour und ist damit der beste Golfer, dessen Handynummer ich habe (und ich bin verdammt stolz drauf!). Auch mit ihm unterhielt ich mich über Sicherheits- und Risikoschläge. Er hat gleich sieben (!) Drive-Varianten, die sich durch die Tee-Höhe, die Ballposition und den Dampf, den er den Schlägen mitgibt, unterscheiden. Variante Nummer eins beispielsweise ist der Driver-Schlag vom Boden, der als flacher Fade verlässlich das Fairway findet. Und Nummer sieben ist die Monster-Drive-Variante mit extrem hohem Tee, Ballposition weit links und einem positiven Eintreffwinkel in den Ball, der meist zu einem Draw wird. »So stehe ich nie ratlos an einem Abschlag«, erklärt er. 

Florians Drive-Varianten:

Nummer 1 – Einwurf
Nummer 2 – Aggressiver Einwurf
Nummer 3 – Roysten Memorial
Nummer 4 – Gegenwindstecher
Nummer 5 – Kontrollierte Offensive
Nummer 6 – Offensive
Nummer 7 – Slammerhammer!

Trevinos ABC oder Florians Drives sind für mein Talent etwas zu anspruchsvoll, aber ich spiele nun schon seit einigen Wochen mit einem Drive, bei dem ich den Ball nur minimal auftee, so dass er kaum über die Schlagfläche ragt. Jeder Trackman-Guru würde einen Anfall bekommen, weiß man doch inzwischen, dass man den Ball möglichst hoch aufteen und mit einem leicht aufsteigenden Schlägerkopf treffen sollte.

Und doch verliere ich keinen Meter, weil ich die Bälle viel sauberer treffe als zuvor, und die letzten drei 9-Löcher-Runden verliefen ganz ohne Strafschlag.

Ich glaube, es liegt daran: Ein niedrig aufgeteeter Ball zwingt einen dazu, harmonischer und ruhiger zu schwingen. Mit einem Ball zehn Zentimeter über der Grasnarbe haue ich so hart drauf, dass ich am Ende des Schwungs neben meinen Golfschuhen stehe.

Stefan Maiwald
The fine art of hanging out

ist als Autor vielzähliger Romane und Sachbücher seit Jahren begeisterter Golfer und findet seine wahre Bestimmung auf Golfplätzen, um dort seine wertvolle Lebenszeit zu verschwenden.
www.stefanmaiwald.com

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