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Hilfe von oben – Folge 2: Ball gegen Ball wie Ken Venturi

Tipps von der Tour, ausprobiert vom Amateur –die wöchentliche Kolumne von Stefan Maiwald 


Der schmale Ken war hart im Nehmen. Bei der US Open 1964 herrschten Temperaturen von 38 Grad im Schatten – und Golfer stehen selten im Schatten.

Venturi war kurz vorm Kollabieren. Vor Aufregung hatte er am Schlusstag vergessen zu trinken, und so lief er völlig dehydriert über den Platz, zumal damals 36 Löcher gespielt wurden. Ein besorgter Arzt, der ihn vor einem Hitzschlag warnte, verabreichte ihm Salztabletten; nach heutigem medizinischen Wissen hätte er ihn auch gleich Zyankali schlucken lassen können. Wie durch ein Wunder überlebte Venturi die Rosskur und siegte, auch wenn er hinterher fast zu schwach war, den Pokal hochzustemmen.

Hier gibt es ein paar Einblicke dieser bemerkenswerten Schlussrunde und Augenzeugenberichte über die mörderische Hitze:


Venturis bester Tipp

Venturi verriet später seinen besten Tipp. Er spielte Übungsrunden stets mit zwei Bällen im Matchplay, Ball gegen Ball. Ein Ball musste bis zum Grün immer mit dem Draw gespielt werden, ein Ball immer mit dem Fade. »Wenn ich das Match offenhalten konnte, wusste ich, dass ich in Form war.«

Auch ich spiele öfter mit zwei Bällen. Aber meistens nur, um den miesen ersten Schlag aus dem Gedächtnis zu streichen, zur inneren Hygiene. Und man muss ja möglichst viel Golf in den Vormittag pressen, bis das süße Leben vorbei ist und jene verabscheuungswürdige Daseinsform beginnt, die uns alle davon abhält, großartige Golfer zu werden, Turnier um Turnier zu gewinnen und ein Instagram-Model zu daten: Die Daseinsform namens »Arbeit«.

Und bei allen Schwächen: Kurven kann ich ganz gut. Jedenfalls auf der Driving-Range. Mit einem mittleren Eisen.

Doch wir wissen es alle: Der Platz verhält sich zur Driving-Range wie die Savanne zum Streichelzoo. Als ich nach vier Löchern meinen fünften Ball aus dem Bag kramen musste, ließ ich Ken Ken sein und spielte den Rest der Runde mit meinem hässlichen, aber verlässlichen Pull-Hook zu Ende. 

»Hässlich, aber verlässlich« – das wäre, dachte ich mir später auf dem Parkplatz des Clubhauses, eigentlich auch ein guter Slogan für so manche Autofirmen.

 

Stefan Maiwald
The fine art of hanging out

ist als Autor vielzähliger Romane und Sachbücher seit Jahren begeisterter Golfer und findet seine wahre Bestimmung auf Golfplätzen, um dort seine wertvolle Lebenszeit zu verschwenden.
www.stefanmaiwald.com

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