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Hilfe von oben – Folge 16: Greifen wie Paul Runyan

Tipps von der Tour, ausprobiert vom Amateur – die wöchentliche Kolumne von Stefan Maiwald 


Du denkst, du hast alles gesehen. Aber dann gibt es doch immer etwas, was dich überraschen kann.

Wer hat zum Beispiel schon einmal vom »Runyan-Chip« gehört? Paul Runyan war ein schmächtiger Winzling, 1,67 Meter klein, 59 Kilo leicht. Im Finale der US PGA Championship 1938, damals noch im Matchplay ausgetragen, schlug Sam Snead seine Drives regelmäßig 50 Meter an ihm vorbei. Doch am Ende der 36 Löcher gewann Runyan – mit 8&7.

Der Floh, Spitzname, »Little Poison«, gewann 38-mal auf der PGA Tour, dabei konnte er den Ball keine 200 Meter weit driven, und auch seine Eisen waren entsetzlich krumm. Aber, bei Gott, er gilt bis heute als vermutlich bester Putter und ganz sicher als bester Chipper der Golfhistorie. Es war nicht die Frage, ob er das Up&down schaffte, sondern ob er von außen einlochte oder nicht.

Der Giftzwerg chippte auf eine Weise, die heute fast keiner mehr kennt. Man greift den Schläger in etwa so wie ein blutiger Anfänger, der zum allerersten Mal auf dem Golfplatz steht, die Hände sind nach außen gedreht und überlappen sich nicht – alle zehn Finger liegen am Griff. Die Ellbogen stechen hervor wie bei einer flügellahmen Taube. Das sieht ausgesprochen dämlich aus, sorgt aber für ruhige Handgelenke.

Der Schläger steht zudem steiler, so dass man den Ball eher mit der Spitze trifft und ihn nicht in den Boden rammen kann, und auch die Chipping-Yips haben keine Chance. Wie gesagt, es sieht nicht besonders elegant aus, aber jeder Ball liegt am Loch.

Vor einigen Monaten habe ich schon einmal über Paul Runyan und seine Chipping-Methode im gedruckten GOLF JOURNAL berichtet, aber hier kann man jetzt endlich auch einmal auf eines der – wenigen – Videos verweisen, die es von Runyan selbst gibt, mit großartigem Filmmaterial und Kommentaren von Sam Snead:

www.youtube.com/watch

Noch ein Tipp: Da man dem Ball aus dieser Haltung nicht viel Druck mitgeben kann, muss man für längere Runyan-Chips bis zum Eisen 6 oder 5 greifen. Michael Wirth (michaelwirthgolf.de) ist meines Wissens der einzige deutsche Pro, der den Runyan-Chip lehrt; sollte es andere geben, bitte gern diesen Beitrag kommentieren! Ich verabschiede mich derweil aufs Chipping-Grün. Falls Sie jemanden mit einer Armhaltung sehen, als hätte er Ausschlag unter den Achseln – das bin vermutlich ich.

 

Stefan Maiwald
The fine art of hanging out

ist als Autor vielzähliger Romane und Sachbücher seit Jahren begeisterter Golfer und findet seine wahre Bestimmung auf Golfplätzen, um dort seine wertvolle Lebenszeit zu verschwenden.
www.stefanmaiwald.com

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