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Hilfe von oben – Folge 14: Langsam wie Tom Watson

Tipps von der Tour, ausprobiert vom Amateur – die wöchentliche Kolumne von Stefan Maiwald 


Bunker machen mich fertig. Das war schon immer so. Manchmal habe ich sogar aus ihnen geputtet, wenn die niedrige Kante das zuließ. Das sollte sich ändern.

Also begann ich im Frühjahr mit meiner Mission, ein besserer Bunkerspieler zu werden. Das hätte ich mal lieber blieben lassen sollen.

Denn bis zum Juli war mein Schwung so verkorkst, dass ich Triple-Bogeys kassierte. Wo ich früher wenigstens aufs Grün kam, toppte ich nun den Ball 50 Meter darüber, zumeist in einen anderen Bunker, ins Wasser oder ins Aus. Man muss kein Genie sein, um zu erkennen: Anständige Scores kommen auf diese Weise nicht zusammen.

Über die Bunkertechnik finden sich fast so viele verwirrende Ratschläge wie übers Putten. Und in den letzten Wochen habe ich wirklich alles dazu gelesen bzw. auf Youtube geschaut. Leicht offener, stark offener oder gar leicht geschlossener Stand? Schläger leicht offen, stark offen oder einfach square? Kürzer greifen oder nicht? Breitbeinig stehen oder wie bei einem normalen Pitch? Unterkörper still lassen oder ums linke Knie drehen? Im Treffmoment Hände vor dem Ball haben (sagt Seve) oder ordentlich löffeln (sagen die anderen)? Die Schultern drehen oder aus den Handgelenken schlagen? Auf den Ball oder auf den Sand gucken? Paralyse durch Analyse – ich war am Ende. 

Aber immerhin habe ich den Meister selbst sprechen hören, Severiano Ballesteros zum Thema Bunker: 

https://www.youtube.com/watch?v=uIXjPMYjLPk

Vielleicht fehlt mir der coole spanische Akzent, denn ich bekam regelrechte Panik, wenn mein Ball im Bunker lag. Doch da fiel mir ein Ratschlag Tom Watsons ein, der einmal ein Rezept für Panikattacken oder Schwungzweifel auf dem Platz lieferte. Um wieder auf die Spur zu kommen, solle man folgendes tun: »Geh langsam, sprich langsam, tue alles ganz langsam.« Tief durchatmen, Puls beruhigen. Langsam. Bedächtig. Cool. Sagt Watson, der gerade bei der Senior Open Championship mit 67 Jahren eine unfassbar gute 67 spielte.

Also schreite ich langsam und breitbeinig in den Bunker, wie ein kleines Kind mit vollen Hosen. Ich nehme die Ansprechhaltung ein, verenge meine Augen zu engen Schlitzen, sehe die ganze Welt wie hinter einem Schleier und haue wie in Zeitlupe zu.

Es ist ein bisschen besser geworden. Aber nur ein bisschen. Weil ich so böse gucke und meine Langsamkeit eine gewisse Gefährlichkeit auszustrahlen scheint, lacht immerhin niemand mehr über meine getoppten Bälle.

 

Stefan Maiwald
The fine art of hanging out

ist als Autor vielzähliger Romane und Sachbücher seit Jahren begeisterter Golfer und findet seine wahre Bestimmung auf Golfplätzen, um dort seine wertvolle Lebenszeit zu verschwenden.
www.stefanmaiwald.com

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