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Hilfe von oben – Folge 13: Schlicht wie Moe Norman

Tipps von der Tour, ausprobiert vom Amateur – die wöchentliche Kolumne von Stefan Maiwald 


Moe Norman hatte den ungewöhnlichsten und zugleich wohl effektivsten Golfschwung überhaupt. Er hätte der beste Golfer der Sechziger- und Siebzigerjahre werden können.

Leider litt er unter schwerwiegenden mentalen Problemen, möglicherweise unter einer Form von Autismus. Er kam aus bettelarmen Verhältnissen, zog sich schäbig an und soll Turniere absichtlich verloren haben, um nicht die Siegerrede halten zu müssen. Bis zu seinem Tod hatte er weder ein Telefon noch ein Bankkonto, geschweige denn eine Lebenspartnerin. »Ich hatte zwei Mal in meinem Leben ein Date«, sagte er. »Und beide Male mochte ich die Situation nicht.«

Der Schwung des 2004 verstorbenen Kanadiers sorgt noch heute für Diskussionen, denn lehrbuchmäßig sieht anders aus: Er hielt den Schläger in der Handfläche statt in den Fingern; er stand breitbeinig statt schulterbreit am Ball; beim Ansprechen ruhte sein Schlägerkopf nicht direkt hinter dem Ball, sondern gegenüber vom rechten Fuß. Und vor allem: Die Arme waren weit von ihm weggestreckt. Hier sind ein paar Schwünge von ihm zusammengestellt:

www.youtube.com/watch

Dennoch konnte er den Ball gerade schlagen wie niemand sonst. Einmal wettete er mit Puttguru Dave Pelz, er würde eher mit dem Driver einen Pfosten in 250 Yards Entfernung auf der Range treffen als jener mit dem Putter einen Pfosten in 25 Yards Entfernung auf dem Übungsgrün. Pelz lehnte die Wette ab.

Hier erklärt er auf seine einmalige Art, warum er so schwingt, wie er schwingt:

www.youtube.com/watch

Ein legendärer Spruch Moe Normans über das Geheimnis guten Golfs, in verschiedenen Versionen überliefert, lautet: »Putt this stupid thing onto that stupid thing and that stupid thing into that stupid thing.« Also etwa: »Bring dieses dumme Ding« – dabei zeigte er auf den Schlägerkopf – »an das dumme Ding« – er zeigte auf den Ball – »und das dumme Ding« – wieder war der Ball gemeint – »in das dumme Ding« – er zeigte aufs Loch.

Das war ein Ratschlag, den ich gut gebrauchen konnte. Denn in den letzten Wochen traf ich keinen Ball mehr vernünftig, analysierte mir Verknotungen ins Hirn, schlug mehr und mehr Bälle auf der Range, ohne mich zu verbessern.

Also ging ich einfach mal raus und spielte Golf. So wie Moe Norman. Das dumme Ding an das dumme Ding und in das dumme Ding. Und ich spielte die beste und vor allem auch entspannteste Golfrunde des Jahres.

Klar, dass es so entspannt nicht weitergehen kann. Golf ohne Leid, Gejammer und Verzweiflung ist ja völlig sinnlos.

Stefan Maiwald
The fine art of hanging out

ist als Autor vielzähliger Romane und Sachbücher seit Jahren begeisterter Golfer und findet seine wahre Bestimmung auf Golfplätzen, um dort seine wertvolle Lebenszeit zu verschwenden.
www.stefanmaiwald.com

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