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Hintergrund

Zoff im Nobel Club

Millionäre gegen Milliardäre: Ein bizarrer Streit wird in Wentworth ausgetragen, Schauplatz der BMW PGA Championship

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Es ist derzeit eine Menge los in Wentworth, dem 54-Löcher-Privatclub südwestlich von London. 1926 gegründet, legt man hier seit jeher Wert auf Distinguiertheit. Man bleibt gern unter sich und redet im Flüsterton. Eine Villa mit fünf Schlafzimmern und separater Wohnung für das Dienstpersonal kostet elf Millionen Pfund, wer es etwas kleiner will, bekommt schon für knapp vier Millionen Pfund ein Häuschen. An der Rezeption im Clubhaus hängt ein Porträt von Winston Churchill, oben flattert der Union Jack im Wind. Und ein Mal im Jahr ist die European Tour mit ihrem wichtigsten Turnier zu Gast, der BMW PGA Championship. Hier ist die Welt noch in Ordnung, so scheint es.

Doch nun das: Streit, Mitgliederinitiativen, Unterschriftensammlungen, Klageandrohungen. Sogar von zivilem Ungehorsam ist die Rede. Der Zank in Wentworth wird ganz und gar nicht auf die feine englische Art ausgefochten. Von einer »Revolte« spricht gar die Tageszeitung The Independent. Was genau ist da los?

Das Problem, jedenfalls für die Mitglieder, heißt Dr. Chanchai Ruayrungruang.

Der chinesische Milliardär ist mit seiner Reignwood Group seit 2014 Besitzer von Wentworth, das mit seinen 1.100 Anwesen etwa 5,5 Milliarden Pfund wert sein dürfte. Und Dr. Ruayrungruang hat sich vorgenommen, den exklusiven Club jetzt noch einmal deutlich exklusiver zu machen. Von April 2017 an sollen alle Mitglieder, ausgenommen jene über 75, eine Einlage von 100.000 Pfund leisten, wenn sie weiterhin spielberechtigt bleiben wollen. Jährlich zu zahlende Beiträge (die, wie die Einlage, immerhin für die ganze Familie gelten) verdoppeln sich von 8.000 auf 16.000 Pfund, doch es werden nur 900 Einlagen akzeptiert, so dass die Zahl der Mitglieder von derzeit rund 4.000 auf 2.000 sinken dürfte.

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Dagegen formiert sich der Widerstand der Mitglieder, die Wentworth als »kulturelles Erbe Englands« bezeichnen und um einen »Ausverkauf der nationalen Interessen« fürchten. »Dieser Club ist unser Herz«, zitiert der Independent ein Mitglied. »Er ist unsere Kirche, unsere Kneipe, unsere Kantine.« Man fürchtet Russen, Asiaten, Araber. Neureiche ohne Kultur. Die Mitglieder, die sich gegen den neuen Investor formieren, hatten spektakuläre Aktionen geplant: So drohten sie mit einer Sitzblockade auf den Zufahrtswegen und Parkplätzen, um die BMW PGA Championship lahmzulegen. Dazu hätten sie sogar das Recht, denn aufgrund eines skurrilen Gesetzes von 1964 gehören den Bewohnern von Wentworth auch die Straßen. Sie drohten zudem damit, alle Sponsorentafeln zu verbieten, was sie ebenfalls legal tun könnten; damit wäre weder BMW noch irgendein anderer Geldgeber glücklich. 

Nach harten Verhandlungen ist nun vorerst ein Kompromiss ausgehandelt, wie ein Sprecher von Reignwood vor kurzem verkündete. So sollen einige Mitgliedschaften ohne die Einlage von 100.000 Pfund möglich sein, zudem soll es Rabatte für langjährige Mitglieder sowohl bei der Einlage als auch bei den Jahresbeiträgen geben. Auch ein Bestandschutz wird nun offeriert: Aktuelle Members können in jedem Fall weiterhin im Club bleiben (wenngleich unter geänderten Bedingungen). Ein Sprecher der Clubmitglieder spricht, wenig enthusiastisch, dennoch nur von »hoffnungsvollen Signalen«. Es scheint, als wolle man zunächst die BMW PGA Championship geräuschlos über die Bühne bringen, bevor man die heiklen Deals mit den verstimmten Mitgliedern angeht.

In jedem Fall gibt Dr. Chanchai Ruayrungruang allein in den nächsten zwei Jahren 20 Millionen Pfund aus, um den Platz, das Clubhaus und den Tennis & Health Club auf den neuesten Stand zu bringen. Konflikte scheut er dabei nicht. Denn: Die Golfumbauten legt er in die Hände von Ernie Els, der sich schon mit dem Umbau des West Course und dem Wassergraben vor dem Grün des 18. Lochs wenig Freunde bei Pros und Mitgliedern machte. Els selbst besitzt seit vielen Jahren ein Haus in Wentworth, wenngleich er inzwischen häufiger in Florida als in England lebt. Seine künftige Mitgliedschaft im Nobelclub dürfte jedenfalls nicht in Gefahr sein.

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