Mit Bowmore zu den BMW International Open 2017Ryder Cup Vorschau 2016
Ryder Cup USA-Europa

Das Imperium schlägt zurück

Die USA haben mit einem beeindruckenden
17:11-Erfolg den Ryder Cup zurück erobert.
Fünf Erkenntnisse aus dem Turnier

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Autor

Stefan Engert

hat als Chefredakteur schon einige Sport- und Lifestyle-Zeitschriften verantwortet. Aber keine hat ihm so viel Spaß bereitet wie das Golf Journal

1. Der Sieg der USA ist ein Segen für den Ryder Cup

Die USA haben die 41. Austragung in beeindruckender Manier und auch in der Höhe verdient gewonnen. Das Team in Rot-Weiß-Blau war spielerisch und taktisch besser, vor allem aber auch motivierter als Team Europa. Der Stachel der wiederholten Niederlagen gegen die auf dem Papier stets schwächer besetzten Europäer saß zu tief, das Auswahlteam der größten Golfnation der Welt war an der Ehre gepackt. Und das ist das Beste, was dem Ryder Cup passieren konnte.

Denn Seriensiege sind in jedem Sport schlecht für Geschäft, sie sorgen für Langeweile bei den Fans und Demotivierung beim Unterlegenen.

Und auch Golfamerika war nach nur zwei Siegen in den letzten 20 Jahren drauf und dran, das Interesse am Ryder Cup zu verlieren. Als Unterlegener vom Platz zu gehen, gehört schließlich nicht zum Selbstverständnis der »Proud Nation«. In den 70er-Jahren des vorigen Jahrhunderts, der goldenen Ära des US-Golfs, war der Ryder Cup schon einmal in Gefahr. Nicklaus, Floyd, Trevino und Co. hatten das damals nur aus Briten bestehende Europa-Team reihenweise so vom Platz geschossen, dass der Kontinentvergleich zur sportlichen Farce wurde. Die Verstärkung durch Spieler vom Kontinent, angeführt von Seve Ballesteros, rettete den Cup, da der sportliche Ausgang wieder unvorhersehbar wurde. Daher war dieser Sieg der US-Amerikaner so wichtig, er hat den Ryder Cup wieder spannend gemacht.

2. Die USA haben aus ihren Fehlern gelernt

Spätestens seit Bernhard Langers mit deutscher Gründlichkeit durchgeplanten Captaincy weiß man, welche Rolle die professionelle Vorbereitung auf das Turnier spielt. Die Entscheidung fällt auf dem Platz, aber die Weichen für den Erfolg werden auch »off-course« in Teamarbeit in den 24 Monaten zwischen dem jeweiligen Aufeinandertreffen gestellt. Die USA hatten diese Neudefinition der Kapitänsarbeit, die mit Langer begann und mit Statistik-Freak Paul McGinley 2014 ein neue Perfektion erreicht haben soll, lange nicht ernst genommen. Was unter anderem zur Berufung von Nostalgiefiguren wie Hal Sutton oder Tom Watson führte, für die Teambuilding oder Datenunterstützung Fremdworte waren und die sich an Peinlichkeit überboten.

Die von Phil Mickelson angezettelte Revolte, der unmittelbar nach der Niederlage 2014 seinem Teamkapitän Watson in dessen Gegenwart die Qualifikation für das Führungsamt abgesprochen hatte, war der Startschuss für das Umdenken. Team USA berief einen Spielerrat ein, an dessen Spitze sich Phil Mickelson stellte, gab den Spielern Mitspracherechte und leitete wichtige Reformen ein, wie die Änderung der Qualikationskriterien für die Mannschaft.

Auch die Auswertung statistischer Daten wurde nun ernst genommen und für das Course-Set-up berücksichtigt.

So hatten beispielsweise die US-Amerikaner in Hazeltine durch die gezielte Kombination von Tee-Box und Fahnenposition beim Schlag zum Grün oft jene »Yardages« zwischen 100 und 120 Metern, bei denen sie statistisch besonders gut abschneiden. Auch für die Zusammenstellung der Teams wurden Daten mit berücksichtigt. Mit diesem Sieg ist die USA in der Ryder Cup-Moderne angekommen. Und will auch künftig nicht locker lassen: »Wir müssen auf diesem Erfolg aufbauen. Sonst war er völlig umsonst«, sagte Phil Mickelson.

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3. Die European Tour muss die Qualifikationskriterien für den Ryder Cup ändern

Unterm Strich hätten die US-Spieler einfach mehr Putts gelocht, so wie Europa bei den Begegnungen zuletzt. Mehr gebe es in den Sieg der USA nicht hinein zu interpretieren, sagte Darren Clarke. Wirklich? Wer auf europäischer Seite nach potentiellen Gründen für die Niederlage sucht, landet unweigerlich bei der Teambesetzung. Auch wenn sich die Neulinge Cabrera-Bello mit 2,5 und Pieters mit 4 Punkten glorreich schlugen (und vermeintliche Stützen wie Westwood und Kaymer eher Ausfälle waren) – dass Europa sechs »Rookies« in das schwere, weil emotionsgeladene Auswärtsspiel schicken musste, war ein Handicap. Und ein hausgemachtes dazu, das Captain Clarke vor vollendete Tatsachen stellte.

Denn die automatische Qualifikation von Sullivan, Fitzpatrick und Wood, im internationalen Maßstab eher 1B-Spieler, ist die direkte Konsequenz der Politik der PGA European Tour, »ihre« Turnierergebnisse so stark wie möglich zu gewichten. Zum besseren Verständnis: Im Zuge der verstärkten Abwanderung von Europa-Stars auf die wesentlich höher dotierte und mit mehr Weltranglistenpunkten ausgestattete PGA Tour hatten die Tourbosse in England vor einigen Jahren die Qualifikationskriterien für den Ryder Cup angepasst, quasi als Druckmittel für ihre »Global Player«, auch außerhalb der Majors bei normalen Turnieren in Europa aufzuteen.

Diese Gemengelage führte 2016 dazu, dass mit Paul Casey der 12. und mit Russell Knox der 19. der Weltrangliste außen vor blieben.

Dazu kommt die – im Vergleich zu den USA – frühe terminliche Festlegung auf die Wild Cards, die Turnierergebnisse im unmittelbaren Vorfeld des Ryder Cups nicht berücksichtigen kann.

Unterm Strich haben die USA aktuell das flexiblere System zur Teambestellung, auch aufgrund der vier Wild Cards, die ein US-Captain vergeben kann. Oder war es reiner Zufall, dass mit Ryan Moore, dem Zweiten der Tour Championship der Vorwoche, ausgerechnet Loves letzter aktueller »Pick« den Siegpunkt holte? Die PGA European Tour ist gut beraten, ihr System zu überdenken – nach dem Spiel ist vor dem Spiel. 

4.  Die USA haben nicht trotz, sondern auch wegen des Ausfalls von Tiger Woods gewonnen

Zugegeben: keine Erkenntnis, sondern nur eine These. Aber eine, für die sich Indizien finden lassen. TW als vielleicht bester Spieler aller Zweiten hat sich nie mit dem Ryder Cup anfreunden können, wie er selbst bestätigt hat.  Auch zu seinen besten Zeiten war Woods nicht Motivator, Inspiration und treibende Kraft im Teamroom, sondern lag als Überfigur eher wie ein Mühlstein auf den Schultern seiner Mitspieler. Der Egomane und das Teamwettspiel waren von Anfang an ein Missverständnis, was wohl auch dazu führte, dass Woods sein Potential im Ryder Cup so gut wie nie abrufen konnte. Meistens spielte er für seine Verhältnisse grottenschlecht und zog mit dem Hadern über seine eigene Leistung ungewollt auch sein Team nach unten. Wie man als »Inspirational Leader« ein Team zusammenschweißt und zu Höchstleistungen motiviert, zeigte 2016 ausgerechnet Phil Mickelson, der in der Vergangenheit mit Woods immer um den Rang des Platzhirschen im Team ringen musste. Mickelson nahm mit seiner Revolte das Szepter in die Hand und marschierte voran, außerhalb des Platzes und glücklicherweise für ihn auch auf dem Golfplatz, wo er sich am Schlusstag mit Garcia eines der besten Matches der Ryder Cup-Historie lieferte und dabei zehn Birdies spielte. »Phil kann man gar nicht genug danken. Er wusste, dass der Ausgang dieser Woche zu 100 Prozent auf ihn zurück fällt. Er hat diese Last auf seine Schultern genommen, aber wir wollten nicht, dass er sie alleine tragen muss. Wir wollten ihn nicht hängen lassen«, sagte ein gerührter Brant Snedeker, der alle seine drei Matches gewann. 

5. Matchplay ist die beste Wettspielform

Auch wenn Team USA uns Europäern diesmal ziemlich den Hintern versohlt hat – gibt es für den Golffan vor Ort oder am TV etwas Besseres als den Finaltag beim Ryder Cup? Wohl kaum. Der Ryder Cup 2016 war mit seiner Fülle an Traumschlägen, gelochten Pitches, Chips und Putts im Minutentakt vor allem wieder ein Plädoyer für die Spielform Matchplay. Sie liefert die beste Unterhaltung und transportiert die Faszination dieses Sports so viel besser als ein Zählspiel – so schwierig es sein mag, Leistung über 72 Löcher zu erbringen.

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