Tour-News-18. Februar 2019Tour-News-28. Januar 2019
Meinung

Ist so, leider!

Die European Tour gastiert erstmals in Saudi-Arabien und das Missfallen darüber ist groß. Absolut berechtigt – aber wenn man schon kritisiert, dann schon bitte nicht nur ein Austragungsland

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Zum ersten Mal in der 47- jährigen Geschichte der European Tour wird in diesen Tagen ein Turnier in Saudi-Arabien ausgetragen.

Ein mit Stars gespicktes Feld ist am Start, freut sich die Tour – und hat ganz und gar recht damit. Justin Rose, Dustin Johnson, Brooks Koepka, Sergio Garcia und auch Bryson DeChambeau schlagen u.a. auf dem erst kürzlich eröffneten Platz des Royal Green G&CC ab. Vier der fünf besten Profis der aktuellen Weltrangliste – man braucht nicht viel Phantasie, um festzustellen, dass ein Feld dieser Güte auf einer Veranstaltung der European Tour in diesem Jahr nicht mehr am Start ist, sieht man mal von der British Open in Royal Portrush ab. Das alles ist selbstverständlich kein Zufall, denn natürlich ist das liebe Geld der Grund dafür. Die Scheichs haben angeblich um die sechs Millionen Dollar Antritts-Gage für die Top-Spieler bezahlt – und nur wenige (u.a. Tiger Woods) wollten sich den dicken Scheck entgehen lassen.

Zuvorderst der Weltranglistenerste Justin Rose. Eben noch in Kalifornien aktiv, nahm er einen Zeitunterschied von elf Stunden in Kauf, um auf die Arabische Halbinsel zu fliegen. Noch vor gut acht Wochen sagte Rose beim Finale der European Tour wegen »Überlastung« ab. Eine Absage, die damals als Brüskierung der Tour empfunden wurde, Beschwerden gab es jedoch nicht, sondern wohl eher einen Kuh-Handel im Hintergrund. Die Tour akzeptierte die Entscheidung von Rose am Saisonende offenbar unter der Bedingung, dass er dann nach Saudi-Arabien zu kommen habe. Wie sonst soll sich diese grotesk anmutende Reise erklären lassen? Wohl kaum mit den Floskeln des Engländers, die von »starkem Feld, vielen Weltranglistenpunkten und tollem Golfplatz« handeln – geschenkt. Rose ist wie alle anderen Spitzenkräfte wegen des Geldes da, und das kann man kritisieren oder nicht. Wenn Lee Westwood auf einem seiner sozialen Kanäle mitteilt, dass es schön sei, neue Länder zu besuchen – stellt man sich schon die Frage, ob das britischer Humor ist oder Lee sich eine gedankliche Auszeit genommen hat. Folgerichtig hagelt es Kritik.

Interessanterweise ist aber im Fall des ersten Turniers im Königreich die (vermeintliche) Empörung aber besonders hoch. Eine Regierung, die es mit den Menschenrechten nicht hält, die Frauen massiv benachteiligt und unliebsame Personen aus dem Weg räumt – in so einem Land darf man doch nicht antreten – hau die Saudi! Ja, das stimmt, alles richtig.

Aber da ist Saudi-Arabien leider nicht alleine. Seit Jahren spielt die Tour in China und noch nie hat sich darüber jemand empört, dass in dieser Diktatur die Menschenrechte ebenfalls als überflüssig angesehen werden. Auch in Katar gastiert die Tour schon länger, doch auch hierüber beklagt sich keiner. Weiteres Beispiel gefällig: die Türkei! Also, um das klarzustellen: Ein Turnier in Saudi-Arabien kann man machen – muss man aber nicht. Aber dann sollte man auch in den anderen Nationen mit zweifelhaften Regierungen und undemokratischen Systemen besser nicht gastieren. Das wäre dann wirklich politisch korrekt und hätte zweifellos höchsten Respekt verdient. 

Doch man darf sich nichts vormachen: Die European Tour, die eigentlich schon Global Tour heißen sollte, braucht Saudi-Arabien, braucht Katar oder China. Der Grund: der schnöde Mammon. Im guten alten Europa ist Golf aus der Mode gekommen und Sponsoren lassen sich immer schwerer generieren. Keine neue Erkenntnis, schließlich expandiert die Tour schon seit vielen Jahren vor allem Richtung Arabien und Asien. Dort gibt es noch Geldgeber und auch noch wachsende Golfmärkte und damit wird ein Schuh draus. Letztlich gilt der Spruch aus Brechts Dreigroschen-Oper: »Erst kommt das Fressen und dann die Moral.« Und das gilt für Golf wie auch für andere Sportarten, denn es folgen ja auch bald eine Fußball-WM in Katar oder die Olympischen Winter(!)-Spiele in Peking.

So bitter das also ist, und – nochmals geschrieben – so beklagenswert das ist, dass auch der professionelle Golfsport auf moralisch einwandfreie Einwände nicht reagiert und ein Land wie Saudi-Arabien in den Turnierkalender nimmt: Man wird den Lauf der Dinge wahrscheinlich wegen der vorhandenen übergroßen Menge an Geld nicht ändern – und schon gar nicht mit geheuchelter Empörung. Die wandert nämlich in Kürze weiter!

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