Gewinnspiel Sylter Pro-Am 2018Ryder Cup 2018 – Startschuss
Ryder Cup

Björns Pick-Strategie: Routine ist alles

Das europäische Team ist komplett! Kapitän Thomas Björn hat
Neulingen bei seinen Picks eine Abfuhr erteilt. Der Däne setzt
in Paris auf Garcia, Stenson, Poulter und Casey.

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David empfängt Goliath

Die Favoritenrollen beim diesjährigen Ryder Cup sind so klar verteilt wie seit Jahren nicht mehr. Team USA war schon oft auf dem Papier stärker. Doch dieses Mal käme der Sieg der Europäer beinahe einer Sensation gleich.

Auch die Buchmacher sehen die USA trotz des Auswärtsspiels vorn – daran ändern auch die Wildcards nicht, die diese Woche von den Team-Captains verteilt wurden.

Was spricht für Team USA? Jede Menge: Drei der vier Majors 2018 und acht der letzten zwölf großen Titel gingen an US-Spieler. Von den vier Europäern, die bei den Majors diese Vormachtstellung durchbrechen konnten, steckt Danny Willett in einer tiefen Krise und hat mit dem Ryder Cup nichts zu tun, Henrik Stenson war lange verletzt, Sergio Garcia ist völlig außer Form; Francesco Molinari pausierte lange und konnte sich seine überragende Form des Sommers hoffentlich bewahren.

Die ersten drei Positionen auf der Weltrangliste sind von US-Amerikanern besetzt. Wenn man den Weltstars und Major-Siegern Dustin Johnson, Brooks Koepka und Justin Thomas die Cup-Neulinge Tyrrell Hatton, Thorbjörn Olesen, Alex Noren oder Tommy Fleetwood gegenüberstellt, dann muss einem schon ein wenig bange werden.
 
Team USA schickt das deutlich erfahrenere Team nach Paris und hat mit Bryson DeChambeau den derzeit formstärksten Spieler der Welt in den Reihen. Möglich, dass die Amerikaner auch von der neugewonnenen Teamfähigkeit Tiger Woods’ profitieren, der seinen Ego-Trip abgelegt hat. Sogar Phil Mickelson, die überraschendste der drei bislang ausgesprochenen Wildcards von Jim Furyk, bringt neben seiner Erfahrung auch eine ansteigende Form mit (am Sonntag der Dell Technologies Championship spielte er eine überragende 63) – und eine neue Freundschaft mit dem langjährigen Erzfeind Tiger Woods dürfte im Team Room ebenfalls helfen. Ach ja: Titelverteidiger sind die USA auch noch.

Was spricht für Europa? Vor allem die Tradition, dass die Europäer in Teamwettbewerben fast immer über sich hinauswachsen und auch formschwächere Spieler von der Euphorie mitgerissen werden. Ein Blick auf die Weltrangliste tröstet ebenfalls ein wenig: Zwar nehmen die USA die ersten drei Plätze ein, aber dafür folgen auf den Plätzen vier bis sechs schon die Europäer Justin Rose, Jon Rahm und Francesco Molinari. Dazu haben die Europäer den Heimvorteil und die Gewissheit, dass sie in vielen der letzten Cups auch nominell schwächer und dennoch gewonnen haben.

Zwei der vier Europa-Wildcards, die Thomas Björn bekannt gab, sind allerdings mehr als heikel: Henrik Stenson war über Monate hinweg am Ellbogen verletzt, und Sergio Garcia hatte ein echtes Seuchenjahr. In allen vier Majors verpasste er den Cut, und er konnte sich nicht einmal für die FedEx Cup-Serie qualifizieren. Seine Vergangenheit als Teamplayer und verlässlicher Punktesammler zählte in Björns strategischen Überlegungen allerdings viel, denn mit fünf Rookies, so dürfte Björn gedacht haben, hat Europa schon genug im Team.

Bitter dürften die Captain’s Picks vor allem für Matt Wallace gewesen sein, schließlich siegte der Engländer in diesem Jahr gleich drei Mal auf der European Tour, dennoch bleibt er außen vor. Auch Rafa Cabrera-Bello hätten viele gern im Team gesehen. Thomas Pieters bildete 2016 in Medinah mit Rory McIlroy ein unschlagbares Team und holte vier Punkte – Rekord für einen europäischen Rookie. Dennoch muss auch er daheim bleiben.

Ian Poulter und Paul Casey dagegen sind logische Wildcards. Sie bringen sowohl viel Cup-Erfahrung als auch gute Form mit. Sie müssen allerdings, wie auch die anderen zehn Spieler, kräftig gegen die starken US-Amerikaner liefern und über sich hinauswachsen. Die Taktik dürfte klar sein: Am Freitag und am Samstag müssen die Europäer ihre bekannten Stärken ausspielen. Denn sollten sie bereits mit einem Rückstand in die Sonntags-Einzel gehen, dürfte der Cup den USA kaum noch zu nehmen sein. Die Amerikaner haben in ihren Augen lange genug in Europa auf die Mütze bekommen – so ein Sieg in Paris wäre eine ganz feine Sache.

Paris – Golf National
28. – 30.09.2018

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