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Regeländerungen ab 2019

Revolution auf Raten

Die Suchdauer wird beschränkt: Statt 5 Minuten sind bald nur noch 3 erlaubt

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Die beiden obersten Instanzen im Golfsport, der R&A und die USGA, planen weitreichende Veränderungen des aktuellen Regelwerks. Sie sollen ab 2019 das Golfspiel leichter verständlich, fairer und zukunftsfähiger machen

Die Regelhüter haben sich auf eine Modernisierung der Golfregeln geeinigt. Das Kernstück dabei: Aus gegenwärtig 34 Regeln werden 24. Auffallend: Gleich mehrere der geplanten Anpassungen befassen sich insbesondere mit der Spielgeschwindigkeit. So soll etwa die Suchzeit für einen Ball von fünf auf drei Minuten verkürzt werden (siehe Pro & Contra). Ferner wird die Empfehlung ausgesprochen, dass ein Schlag nicht mehr länger als 40 Sekunden dauern und üblicherweise noch schneller ausgeführt werden soll.

Zudem soll – Stichwort »Ready Golf« – das Schlagen außerhalb der Reihenfolge im Zählspiel ermöglicht werden. Und: Ab 2019 müsste dann auch die Fahne bei einem Schlag auf dem Grün nicht mehr bedient werden; es könnten also schon mal zügig lange Putts gespielt werden, ohne darauf warten zu müssen, dass jemand endlich den Stock rausnimmt.


Darüber hinaus soll ab 2019 eine alternative Form des Zählspiels angeboten werden, bei der durch die Spielleitung eine maximale Begrenzung für ein zu notierendes Ergebnis je Loch festgelegt werden kann. Auch muss man den Ball nicht mehr aus Schulterhöhe fallen lassen, der Drop kann aus beliebiger Höhe erfolgen. Ferner wird für Spielleitungen die Möglichkeit geschaffen, frei wählbare Flächen als Hindernisse mit roten Pfählen zu kennzeichnen.

Anregungen erwünscht

Durch die geplanten Änderungen werden auch einige Strafen abgeschafft. Eine Reihe von Verhaltensweisen, die dem Charakter des Spiels nicht widersprechen, sollen künftig straflos sein, so z. B. das versehentliche Bewegen des Balls durch den Spieler bei der Suche, das versehentliche Treffen des Spielers, seiner Ausrüstung oder seines Caddies mit dem Ball – oder auch das Bewegen oder Berühren von Gegenständen wie Blättern, Steinen und Stöcken im Hindernis mit der Hand oder dem Schläger.

Und: Entfernungsmessgeräte sind ab 2019 grundsätzlich erlaubt, es sei denn, sie werden durch eine Platzregel verboten (also eine Umkehrung der aktuellen Regelung). Interessant: Schon im bisherigen, fünfjährigen Beratungsprozess haben die beiden obersten Regelhüter weltweit viele Beteiligte mit einbezogen. Und dieser Prozess wird sich fortsetzen: Bis Ende August 2017 kann jedermann seine Anregungen an R&A und USGA richten. Bis Anfang 2018 werden die zuständigen Gremien dann endgültige Texte verabschieden.

Der weitere Verlauf des Jahres wird für den Druck der Regelbücher, die Programmierung der betroffenen Softwarebereiche und die Information der Golfspieler und Offiziellen auf allen Ebenen des Spiels benötigt, bevor mit Wirkung zum 1. Januar 2019 dann die Einführung der neuen Golfregeln erfolgen soll.

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Das sagen GJ-Redakteure

Pro – Günter O. Reiter

Kürzer suchen, schneller spielen – endlich wieder (Turnier-)Runden unter fünf Stunden! Ja, ich finde es definitiv gut, die Zeit für die Suche nach im Rough oder Wald gelandeten Bällen auf drei Minuten zu verkürzen. Denn in der Praxis ist es bislang doch so: Nur ein Teil der Golfer schaut auf die Uhr und gibt nach fünf Minuten seinen Ball verloren.

Die anderen – und das sind leider gar nicht so wenige – suchen selbst dann noch unverdrossen weiter, wenn Mitspieler oder gar der Flight hinter ihnen sie höflich aber bestimmt auf die längst abgelaufene Zeit hinweisen. (Nebenbei bemerkt: Die besonders gründlichen »Geländeerkunder« sind häufig identisch mit jenen Golfern, die im Stableford-Turnier auch noch den elften Schlag aus sieben Metern putten wollen.)

Ob unser Sport durch diese Maßnahme attraktiver wird und wieder mehr Fans gewinnt? Vielleicht. Denn Fakt ist, dass seit Jahren in fast allen Umfragen – unter Golfern und Nicht-Golfern – der hohe Zeitbedarf als größtes Hindernis genannt wird. Und, mal ehrlich, wer von uns hat nicht schon das ein oder andere Turnier sausen lassen, weil ihm bereits vorher klar war, dass die Runde sechs oder sogar sieben Stunden dauern wird?

Contra – Alexander Huchel

Es ist natürlich schön und gut, wenn sich die offiziellen Regelhüter Gedanken machen, wie Golf attraktiver gestaltet werden kann. Doch ich habe Bedenken, dass ausgerechnet Regeländerungen dazu beitragen. Klar, neue Ideen, die Zeit sparen, sind zu begrüßen. Aber gerade die Suchzeit für Bälle einzuschränken, ist meiner Meinung nach der falsche Weg.

Wer ab und zu fünf Minuten seinen Ball sucht, macht das Spiel sicherlich nicht so langsam wie jemand, der permanent sein Bag zehn Meter vor dem Grün stehen lässt oder fortwährend seine Scorekarte am Grün des gerade gespielten Lochs ausfüllt. Auch die Vorbereitung auf den eigenen Schlag (z.B. Schlägerwahl, Grünlesen) – noch während der Mitspieler seinen Schlag durchführt! – spart immens Zeit.

Und überhaupt nicht verstehen kann ich das Argument, Golf durch Regeländerungen zukunftsfähiger und womöglich attraktiver zu machen. Es kann doch bitte keiner ernsthaft davon ausgehen, dass jemand diesen Sport anfängt, weil man das Regelwerk etwas ausgedünnt hat. Regeländerungen machen das Spiel unterm Strich bestenfalls ein wenig unkomplizierter, aber attraktiver und schneller wird es dadurch keinesfalls.


An dieser Stelle debattieren GJ-Redakteure künftig immer wieder über Themen, die aktuell die Golfszene bewegen. Wenn auch Sie mitdiskutieren wollen, schicken Sie einfach eine E-Mail an redaktion@golfjournal.de

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