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Masters 2017

Die 12 Top-Themen

Es ist das erste Major des Jahres und für viele Golf-Profis auch das wichtigste – das Masters. Wer sich in Georgia das begehrte Green Jacket schnappt, gehört einem erlesenen Kreis an.

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hat für große Tageszeitungen gearbeitet, bevor er als stv. GJ-Chefredakteur Hobby und Beruf verbinden konnte. 

Gewinnt das Masters auch noch ein Amerikaner, steht die Golfnation USA Kopf. Die wenigen Spieler, die im Augusta National Golf Club zwei Mal oder sogar noch häufiger siegten, erhalten automatisch Legendenstatus. Aber wie sind die Vorzeichen für die magische Woche vom 6.-9. April 2017?

GJ beantwortet die zwölf wichtigsten Fragen.

1. War Danny Willett ein Zufallssieger?

One-Hit-Wonder oder dauerhaft in der Weltspitze? Hatte er nur ein starkes Wochenende, oder kann er beständig ganz vorn mitspielen? Nach dem überraschenden Sieg des Engländers im Jahr 2016 haben bislang beide Seiten recht. In den folgenden Majors kam der 29-Jährige zwar über einen 37. Platz nicht hinaus, und sein Ryder-Cup-Debüt war ebenfalls zum Vergessen (er selbst kommentierte sein Spiel mit »Shit«), aber seit dem Masters-Sieg erzielte er immerhin sechs Platzierungen unter den ersten Zwölf.

Die Frage nach der Form ist aber nur ein Aspekt, der seine Titelverteidigung beim Masters spannend macht: Dank seines vorlauten Bruders Pete, der sich in einer launigen Kolumne über die US-Amerikaner, deren Aussehen, deren Etikette und deren Kleidungsstil lustig gemacht hatte, hat der tätowierte Danny in den USA nicht viele Freunde, und sein erster Auftritt vor ganz großem Publikum dürfte interessant werden – auch wenn von den traditionell wohlerzogenen »Patrons« in Augusta keine Buhrufe zu erwarten sein dürften.

Was sagt er selbst? Er zeigte sich »schockiert« über seine Ergebnisse zu Jahresbeginn, darunter ein 121. Platz unter 126 Spielern in Abu Dhabi. Zwei Wochen später reichte es immerhin zum fünften Platz in Malaysia. Beim WGC in Mexiko gab es mit Rang 69 erneut einen herben Dämpfer. Dass er seine Kritiker ausgerechnet in Augusta überrascht, ist zu bezweifeln. Bei allem Respekt: Willett hat das Masters 2016 weniger gewonnen als Jordan Spieth es verloren hat.

2. Wie verdaut Jordan Spieth seinen Kollaps?

Muss man sich um den 23-Jährigen Sorgen machen? Die Art, wie Spieth das US Masters 2016 verlor, muss zumindest eine kleine Narbe hinterlassen haben. Er ging als Führender in die Schlussrunde und lag zwischenzeitlich gar mit fünf Schlägen vorne, bevor er die Löcher 10 und 11 mit Bogey spielte, dann an der 12 zwei Bälle ins Wasser schlug und sich an dem Par 3 eine 7 aufschreiben musste. »Natürlich tat es weh, aber inzwischen lachen wir daheim drüber, wirklich«, erzählt er freimütig, und es macht nicht den Anschein, als würde er uns eine Lüge auftischen.

Spieths phänomenaler Aufstieg ging jedenfalls weiter: Mit dem Sieg beim AT&T Pebble Beach Pro Am im Februar 2017 wurde er der erst zweite Spieler nach Tiger Woods, der im modernen Golf neun Tour-Siege vor seinem 24. Lebensjahr einfahren konnte. Kein Zweifel, dass er auch in diesem Jahr ein großer Favorit auf das grüne Sakko ist. Zwei zweite Plätze und ein Sieg – diese Ergebnisse sprechen für sich.

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3. Ist Dustin Johnson der heißeste Favorit?

Das Masters ist für Longhitter wie gemacht. Die Par-5-Bahnen 2, 13 und 15 spielen sich für jemanden wie Dustin Johnson (32) wie anspruchsvolle Par 4. Die Regelmäßigkeit und Souveränität, mit der DJ inzwischen seine 300-Meter-Drives schnurgerade auf die Bahn haut, machen ihn zu einem Favoriten bei jedem Turnier. Er ist aber vor allem deswegen die Nummer eins der Welt geworden, weil nun auch sein kurzes Spiel Weltklasse geworden ist. Zudem ist sein erster Major-Titel unter Dach und Fach (US Open 2016), und damit hat er die Bürde des »besten Spielers ohne großen Titel« abgelegt. Ein Dustin Johnson, der in Form ist und mit seiner üblichen Unbekümmertheit aufspielt, kann den Augusta National auseinandernehmen. Mit zwei Siegen in 2017 gehört er zu den heißesten Titelanwärtern, und zudem spricht seine Augusta-Formkurve mit Platz 6 (2015) und Platz 4 (2016) für ihn.

4. Wie schlägt sich Martin Kaymer?

Es ist nicht sein Lieblingsplatz – was der 32-Jährige selbst am meisten bedauert. Bei den ersten vier Teilnahmen verpasste Kaymer den Cut, dann wurde es ein 44., 35. und ein 31. Platz. 2015 überstand er den Cut erneut nicht, 2016 reichte es für Rang 49. Dennoch drücken wir die Daumen, dass es dieses Mal besser wird. Angesichts der bisherigen Leistungen in Augusta wäre ein Top-10-Ergebnis für den Deutschen allerdings eine Sensation.

5. Tritt Tiger Woods an? Nein

Ist es der Rücken, sind es die Knie – wo zwickt’s nun schon wieder? Der Körper ist geschunden nach den jahrzehntelangen Belastungen, und dementsprechend stellen sich die immer gleichen Fragen: Spielt er, spielt er nicht, und wenn er spielt ist, wie lange? Die Strahlkraft des mittlerweile 42-Jährigen ist erloschen – und das ist schade.  Vier Mal durfte er sich das Green Jacket überstreifen, und er avancierte auch in Augusta zu einem Publikumsliebling.

Es ist im Moment zwar kaum vorstellbar, dass er nochmals ernsthaft um das Sakko mitspielt. Als einer, der in der Weltrangliste jenseits der 700 liegt, als einer, der in den letzten Jahren mehr Tage bei Ärzten und in der Reha verbachte als auf dem Golfplatz! Der Augusta National würde ihn wahrscheinlich abwerfen, und so eine Demütigung hätte Woods einfach nicht verdient. Kurz vor Turnierbeginn kam der Rückzieher.


6. Wird Hideki Matsuyama der erste asiatische Champion?

Die Chancen stehen jedenfalls nicht schlecht, denn der Japaner mit der eigenwilligen Pause im Schwung zeigte sich in den letzten Monaten in beeindruckender Form. Ende 2016 gewann er zwei Turniere und wurde zwei Mal Zweiter. Auch 2017 begann mit einem Sieg bei der Sony Open auf Hawaii und einem weiteren Triumph bei der Waste Management Phoenix Open in Arizona. In der Weltrangliste wird er mittlerweile auf Platz 4 geführt; so weit oben stand er noch nie.

Zuletzt allerdings scheiterte mit einer bitteren 80 bei der Genesis Open am Cut – nur ein unbedeutender Ausrutscher auf dem Weg zu höheren Weihen? Dass es der 25-Jährige auf der »heiligen Wiese« kann, demonstrierte er die vergangenen beiden Jahre mit einem siebten und fünften Platz. In seiner Heimat ist er längst ein Star, würde er als erster Japaner das Masters gewinnen, werden sie ihm sicherlich ein Denkmal bauen.

7. Was machen die Daueraspiranten?

Der Wenigspieler Adam Scott aus Australien formulierte seine Ambitionen einst ganz offen. Sein Fokus liegt rein auf den Majors! In Augusta konnte der 36-Jährige ein Mal reüssieren – Ende seiner Erfolgsgeschichte bei den großen Events. Vielleicht ist er einfach zu besessen von Major-Titeln. Bubba Watson (38) muss man immer auf der Rechnung haben. Allerdings kriselt’s bei ihm seit mehreren Monaten, einen Platz unter den Top 10 kann er momentan als Erfolg notieren.

Henrik Stenson ist dagegen ein Paradebeispiel an Konstanz. Wenn er kommt, liefert er – sofern die Gesundheit mitspielt – Top-Leistungen ab. Mit 40 Jahren hat er sich 2016 seinen großen Traum erfüllt: Als erster Schwede konnte er ein Major (British Open) gewinnen. Das war das i-Tüpfelchen in seiner vorbildlichen Karriere. Ein Green Jacket würde der Skandinavier sicherlich gerne mitnehmen, nur hat er ein Problem: In zehn Versuchen konnte er keine Freundschaft mit dem Platz schließen.

Die Beziehung von Rory McIlroy und Augusta kann dagegen durchaus als harmonisch bezeichnet werden. 2011 war er auf einem guten Weg gewesen, den Sieg einzufahren, jedoch verunglückte ihm auf der 10 der Abschlag. Er haderte im Anschluss und wurde durchgereicht. Der 27-jährige Nordire hat eigentlich alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt – bis auf das Masters. Logisch, dass er dieses Manko beheben möchte. Bleibt noch Phil Mickelson. »Lefty« ist der Liebling der Massen – und ihm ist auch mit 46 Jahren nach drei Erfolgen ein weiterer Masters-Coup zuzutrauen.

8. Greift die alte Garde nochmal ein?

Vor dem einen haben sie einen riesigen Respekt, und der andere ist ein klassischer Entertainer. Der zweifache Sieger Bernhard Langer (59) wird nicht müde, sich zu seiner großen Liebe Augusta zu bekennen. Für eine Überraschung ist der Dominator der Champions Tour immer gut, auch für ganz oben? Warum nicht.

Zu den ganz Großen seiner Zunft zählt Fred Couples (57) zwar nicht, aber ihn lieben irgendwie alle. Er ist ein lockerer Typ, stets gut gelaunt, mit seinem Aussehen würde er wohl jederzeit in Hollywood Rollen bekommen, und sein Golfspiel ist spektakulär. Sollte es seine Gesundheit zulassen und er schmerzfrei an den Abschlag gehen, dann ist mit ihm zu rechnen.

9. Ist Überflieger Justin Thomas reif?

Der junge Amerikaner befindet sich auf der Überholspur: Ende 2013 noch jenseits der 1.000 in der Welt gelistet, ist der 23-Jährige jetzt auf Position sieben. Drei Siege auf der PGA Tour seit Oktober 2016 – besser geht es kaum. Seine Performance der letzten Monate macht ihn dadurch schon zum Mitfavoriten beim ersten Major des Jahres. Nun stellt sich nur die Frage: Wie kommt er mit dieser Rolle klar?

10. Wie fit ist Jason Day?

Mit extrem starken Auftritten hatte sich der Australier zur Nummer eins gekürt. Verteidigen konnte er die Position nicht wirklich, im Gegenteil, er musste sie fast kampflos abgeben. Der 29-Jährige hat Rückenprobleme – immer wieder. Eine mehrmonatige Pause ab September 2016 und wenige Starts 2017 sprechen gegen ihn als Anwärter auf das Green Jacket. Ein weiteres Problem ist die Gesundheit seiner Mutter. Bei Adenil wurde im Februar Lungenkrebs mit einer Lebenserwartung von nur noch einem Jahr diagnostiziert. Day ist nervlich am Ende und reiste vorzeitig vom WGC Matchplay in Austin ab.

11. Gibt es einen neuen Honorary Starter?

Es ist ein Bild, das man als Golf-liebhaber nie vergessen wird. Donnerstag früh am Abschlag 1 des Augusta National GC. Gary Player, Jack Nicklaus und Arnold Palmer machen sich bereit, um das Masters als Honorary Starter zu eröffnen. Das Trio hatte es gemeinsam auf 13 Green Jackets gebracht. Von 2012 bis 2015 beeindruckten die Legenden Tausende von Fans mit sehr veritablen Drives.

Diese einmalige Show wollten selbst Stars wie Bubba Watson und Phil Mickelson nicht missen. Palmer musste vergangenes Jahr aus gesundheitlichen Gründen bereits passen und wohnte dem Schauspiel nur noch als Zuschauer bei. Im September verstarb der vierfache Masters-Champion. Nun fragt man sich: Wird »Arnie« ersetzt, und wenn ja, von wem? Augusta-Präsident Billy Payne ließ bislang nichts durchblicken. Es wäre denkbar, dass Tom Watson Palmers Platz einnimmt. Der Amerikaner gewann zwei Mal (1977, 1981) in Georgia und holte in seiner Karriere acht Majors. Vergangenes Jahr verabschiedete er sich offiziell nach 43 Teilnahmen (!) vom aktiven Turniergeschehen.

12. Was ist das Menü beim Champions Dinner?

Das Champions Dinner sorgt im Vorfeld immer für viel Aufregung. Am Dienstag der Turnierwoche hat der Titelverteidiger die Ehre, die ehemaligen Masters-Sieger zu verköstigen – mit einem Menü seiner Wahl. Danny Willett ließ schon durchblicken, dass er einen Bezug zu seiner britischen Heimat herstellen möchte, »gut möglich, dass es auf Cottage Pie mit Henderson’s Relish und Toad (Bratwürste) hinausläuft. Das genießen wir dann bei der ein oder anderen guten Flasche Rotwein.«

Bernhard Langer hatte nach seinem ersten Sieg das Wiener Schnitzel in Augusta salonfähig gemacht. Das wohl gewagteste Gericht ließ Sandy Lyle 1989 mit der schottischen Nationalspeise Haggis auffahren. Und Tiger Woods? Als junger Mann entschied er sich 1998 für die Kost, die junge Amerikaner heiß und innig lieben: Cheeseburger, Pommes und Milch-Shake. Mike Weir hat eine Vorliebe für Wild, der Kanadier fuhr 2004 Elch und Wildschwein auf. Phil Mickelson entschied sich bei seinen drei Abenden jeweils für Seafood. Und Angel Cabrera? Der argentinische Gaucho zeigte bei seinem Asado so gar kein Mitgefühl für Vegetarier.

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