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118. US Open

Bühne frei!

Im Shinnecock Hills GC auf Long Island wird das zweite Major
des Jahres gespielt. Die privaten 18 Löcher im Bundesstaat
New York sind ebenso prestige- wie geschichtsträchtig.

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Autor

Stefan Maiwald

ist Buchautor, Kolumnist, Single-Handicapper und langjähriger GJ-Autor 

Mehr Golfgeschichte lässt sich in den USA kaum finden: Shinnecock Hills ist der älteste formal organisierte Golfclub (1891; die ersten 44 Mitglieder zahlten 100 Dollar Aufnahmegebühr), hat das vermutlich älteste Clubhaus (1892) und war der erste Club, der Frauen aufnahm – die Ladies durften hier nämlich von Anfang an dabei sein.

Im Jahr 1896 fand hier dann die erst zweite US Open überhaupt statt – mit John Shippen trat dabei sogar ein schwarzer Spieler in Shinnecock Hills an und wurde Fünfter. Seit dem Jahr 2000 ist die Anlage offiziell von der US-Regierung als schützenswertes Denkmal klassifiziert. 
Zudem liegen Teile des Links-Style-Courses über einem alten Indianerfriedhof (wer denkt da nicht sofort an einen Stephen-King-Roman?), und Vertreter der Shinnecock Indian Nation haben den Privatclub zuletzt gar auf Rückgabe verklagt; bis heute ist die Angelegenheit ungelöst. Was den amerikanischen Ureinwohnern bei ihren Forderungen nicht gerade hilft, ist die Tatsache, dass sie damals selbst am Bau des Platzes mitgewirkt hatten.

Chance für Shorties

Doch blicken wir in die Zukunft: Die US Open wird nicht nur 2018, sondern auch 2026 in Shinnecock Hills stattfinden. Und das sind gute Nachrichten für alle Traditionalisten, denn der Kurs bietet mehr Abwechslung als viele andere Austragungsorte und gibt mehr Spielern eine Chance auf einen Major-Titel. Traditionell ist die US Open das härteste Major-Turnier – und auf einem alten Platz wie Shinnecock Hills haben auch Außenseiter eine Chance.

Insbesondere Shorthitter können, wie so oft auf Links-Courses, ihre Längennachteile mit strategischem Spiel wettmachen, außerdem helfen die harten Fairways. Natürlich: Longhitter sind immer im Vorteil. Dustin Johnson, Bubba Watson und Justin Thomas können vom Abschlag mit Hybrids oder langen Eisen operieren, wo der Rest des Feldes den Driver zücken muss. 

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Dennoch zeigt die Golfgeschichte, dass Shinnecock Hills Shorties bevorteilt. Wohl nirgendwo sonst hätte der atemberaubend kurze Corey Pavin einen Major-Titel erspielen können. Pavin, dessen Schnauzbart beeindruckender war als seine 220-Meter-Abschläge, siegte 1995 nach einer 68er-Schlussrunde mit zwei Schlägen Vorsprung vor dem ewigen Unglücksraben Greg Norman.
Auch Retief Goosen, der 2004 die letzte Shinnecock-Open gewann, ist kein Längenmonster, sondern für seine Präzision berühmt.

Zu seinen besten Zeiten war der stoische Südafrikaner der einzige Weltklassespieler, der übers gesamte Jahr an allen Par-3-Bahnen im Schnitt unter Par lag (mit »nur« 2,99 Schlägen, aber immerhin). Das zeigt, wie gerade und kontrolliert er seine Eisen schlug.

Allerdings sind die 18 Löcher in den Hamptons, dem Refugium zahlloser Milliardäre, zuletzt mächtig verlängert wurden. In 2004 betrug die Course-Länge noch 6.996 Yards (6.397 Meter), 2018 wird nun bis auf 7.445 Yards (6.808 Meter) aufgestockt. Das ist zwar immer noch rund 300 Meter kürzer als in Erin Hills, dem Schauplatz der US Open 2017, aber dafür ist Shinnecock Hills auch nur ein Par-70-Platz.

Hart oder unfair?

Im Jahr 2004 war das Wetter hier so miserabel – und der Platz so schwierig präpariert –, dass die Spieler über »unfaire Bedingungen« schimpften. Der Durchschnitt in der stürmischen Finalrunde lag bei 79 Schlägen, dem höchsten Wert bei einem Major-Turnier seit dem Zweiten Weltkrieg. Nur Goosen und Phil Mickelson blieben im Gesamt-Score unter Par, sie spielten beide am Schlusstag eine brillante 71 (1 über Par). Eine Par-Runde brachte am Sonntag nur ein einziger Spieler ins Clubhaus, der Australier Robert Allenby. In Erinnerung blieb auch Goosens exzellente Leistung auf dem Grün: Über 72 Löcher benötigte er auf 31 Grüns jeweils nur einen Putt, am Schlusstag brauchte er den Flatstick nur fabelhafte 24 Mal.

118. US Open

– Termin 14. – 17. Juni
– Ort: Shinnecock Hills GC, Southampton (NY), USA
– Titelverteidiger: Brooks Koepka (USA)
– Preisgeld: 12 Mio. Dollar
– Preisgeld für den Sieger: ca. 2,16 Mio. Dollar
- mehr: US Open

Apropos Mickelson: Natürlich ist die Geschichte der US Open auch die Geschichte des kalifornischen Publikumslieblings. Gleich sechs Mal wurde er Zweiter, und so oft war er nah dran am Karriere-Grand-Slam. Langsam gehen dem 47-jährigen also die Jahre aus, aber Phil ist ja immer für Überraschungen gut. Im März 2018 gewann er nach fünfjähriger Abstinenz bei der WGC-Mexico Championship wieder ein Turnier – und setzte sich dabei im Stechen sogar gegen Justin Thomas durch.

Der Platz von Shinnecock Hills liegt ihm, denn schon 2004 war er hier nah dran am Triumph. Und in jedem Fall stehen die New Yorker, wie schon vor vierzehn Jahren, fest hinter ihm. Mickelson feiert just am US-Open-Samstag seinen 48. Geburtstag – und für historische Großereignisse, garniert von einem kollektiven »Happy Birthday«, sind New Yorker immer zu haben. Zudem würde er damit auch Sportgeschichte schreiben: Er wäre dann einer der ältesten Major-Sieger überhaupt.

Tiger Woods hätte natürlich ebenfalls nichts dagegen, sich einen Platz in den Geschichtsbüchern zu sichern. Es wird seine erste US Open seit 2015, und sein letzter Major-Triumph liegt nun schon zehn Jahre zurück, als er die US Open 2008 in Torrey Pines mit kaputtem Knie gewann. Ein Sieg von ihm wäre ein Sportmärchen – und eine Comeback-Story für die Ewigkeit.

Bleibt die Frage, was die USGA-Verantwortlichen aus dem Wetterdesaster von 2004 gelernt haben und ob sie Konsequenzen daraus ziehen. Nun, die US Open sollen seit jeher kein Birdie-Festival werden – und daher müssen sich die Pros wohl auch dieses Mal auf einen heftigen Kampf um jedes Par einstellen. Am 14. Juni heißt’s dafür: Bühne frei!

US-Open-Sieger
im Shinnecock Hills GC

1896: James Foulis
1986: Raymond Floyd
1995: Corey Pavin
2004: Retief Goosen

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