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Interview

"Arbeite hart und genieße, was du tust"

Miguel Angel Jiménez ist unverkennbar eine Type. Der bei Spielern wie Zuschauern gleichermaßen beliebte Spanier gibt Einblicke in seine lange Profikarriere

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Autor

Philipp von Schönborn

ist als Fachmann für Profi-Sport und Equipment langjähriges Teammitglied der GJ-Redaktion 

Vor zwei Jahren sind Sie 50 Jahre alt geworden – wie fällt Ihre Zwischenbilanz beim Blick zurück aus?

Man lebt nur ein Mal und für mich ist es ganz entscheidend, dass man das, was man tut, auch genießt. Aber am Ende des Tages möchte ich gerne ein schönes Essen mit Freunden haben, ein Glas Rotwein trinken, und selbstverständlich auch einen Espresso und eine Zigarre genießen. So lang man alles in Maßen tut, findet man auch seine Balance im Leben. Das gilt auch für die vielen Stunden Training und die Zeit im Fitness-Studio.

Das heißt, die Gerüchte, Sie seien noch nie im Fitness-Studio gewesen, stimmen demnach nicht?

Nein, sicher nicht, selbstverständlich bin ich im Gym. Ich reise zu jedem Turnier mit meinem Physio-Coach, und wir arbeiten fast täglich zusammen, selbst wenn es nur eine halbe Stunde Stretching ist. Um mit den Jungen auf hohem Niveau mitzuhalten, ist es heutzutage wichtig, physisch fit und beweglich zu sein. Ich bin sicher nicht gerne im Fitness-Studio, aber es ist ein notwendiges Übel.

Was waren für Sie in all den Jahren Ihre Highlights, privat und sportlich?

Privat war sicherlich die Geburt meiner Söhne das wichtigste Ereignis – ohne jeden Zweifel! In meiner Spielerlaufbahn bin ich eigentlich auf alles stolz, was ich erreicht habe.

Aber ganz besonders stolz bin ich darauf, dass ich als Spieler vier Mal  beim Ryder Cup die europäischen Farben vertreten durfte.

Dieses Event bescherte mir sicherlich die schönsten Erinnerungen meiner Karriere, nicht zuletzt wegen der unglaublichen Kameradschaft im Team und der Leidenschaft, die der Cup in einem weckt. Es gibt nichts, was mit diesem Gefühl vergleichbar ist.

Wie erklären Sie sich Ihre enorme Beliebtheit auf der ganzen Welt?

Ich weiß es nicht genau, aber ich hoffe, es ist deshalb, weil die Leute mich gerne spielen sehen und merken, dass ich das selbst auch sehr genieße.

Was sind die Gründe dafür, dass Sie erst ab dem 40. Lebensjahr Ihre größten Erfolge feierten?

Das ist ziemlich schwer zu beantworten, aber ich denke, dass ich – abgesehen von meinem Beinbruch beim Skifahren – zum Glück über die Jahre hinweg von Verletzungen verschont geblieben bin. Und ich arbeite nach wie vor sehr hart an meinem Spiel. Und ich bin weiterhin sehr interessiert, mich mit den Besten zu messen und natürlich auch zu gewinnen.

Sie sprachen eben Ihren Wadenbeinbruch im Dezember 2012 an. Hatten Sie die Befürchtung, nicht mehr auf hohem Niveau spielen zu können?

Ja, natürlich. Als ich damals verunglückte, wusste ich überhaupt nicht, was ich zu erwarten hatte. In diesem Augenblick in der Sierra Nevada – mit den Sanitätern um mich herum – dachte ich, das sei das Ende meiner Laufbahn. Ich hatte jedoch das große Glück, einen hervorragenden Chirurgen zu haben, der mein Bein sofort operierte und auch phantastische Physios, die anschließend mit mir vier Monate trainierten. Ohne die Hilfe dieser Experten, da bin ich mir sicher, hätte ich nicht so schnell wieder spielen können.

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Steckbrief

Miguel Angel Jiménez
"The Mechanic"

• Geb. 5. Januar 1964 in Malaga, Spanien
• Verheiratet, zwei Kinder
• Hobbies: Rotwein, Zigarren, schnelle Autos (Ferrari)
• Seit 1982 Profi, 26 Titel weltweit
• Ryder-Cup-Spieler (1999, 2004, 2008, 2010), 2012 Vice Captain)
• Karriere-Preisgeld: über 30 Millionen Dollar
• gewann 2014 die Open de Espana,
ältester Sieger European Tour mit 50 Jahren,  133 Tagen
• seit 2014 auf der Champions Tour unterwegs, 1 Turniersieg

Anderes Thema: Wie sehen Sie die Entwicklung der European Tour, besteht nicht die Gefahr, dass alle jungen Top-Spieler über kurz oder lang die Tour Richtung USA verlassen?

Na, ich hoffe doch, nicht! Die European Tour hat sich in den vergangenen Jahren, in denen ich Mitglied bin, unglaublich verändert. Es war eine konstante Entwicklung und in den vergangenen Jahren gelang es, immer wieder neue Turniere zu entwickeln und neue Märkte zu erschließen. Die jungen Top-Spieler haben also sehr wohl die Gelegenheit, um viel Geld zu spielen und auf vielen abwechslungsreichen Plätzen der European Tour ihre Fähigkeiten zu verbessern. 

Dennoch war die Lage für die European Tour schon mal besser. Wie wird die Tour wieder attraktiver?

Sicherlich ist die Tour von der schlechten wirtschaftlichen Lage in vielen Ländern hart getroffen. Ich weiß aus eigener Erfahrung als Promoter eines Turniers, dass es derzeit wahrlich kein leichter Job ist ein Turnier auf die Beine zu stellen. Dennoch bin ich der Ansicht, dass die Tour einen tollen Job macht, um in bestehenden und neuen Märkten erfolgreich Turniere zu veranstalten.

Zurück zu Ihrer Person! Wenn Sie zurückblicken: Wie hat sich das Leben auf der Tour in den letzten zehn Jahren verändert?

Oh, das hat sich sehr verändert. Nicht nur, dass wir nun in viel mehr Ländern spielen und das auch noch für ein gewaltiges Preisgeld – auch das Drumherum hat sich verändert. Die Einrichtungen, von denen wir Spieler profitieren können, sind »state of the art«. So wird beispielsweise der Physio-Truck der Tour immer mehr perfektioniert.

Hinzu kommt die Computer-Technologie, die die Schlägerhersteller nutzen, um unser Spiel besser zu machen.

Das sind nur zwei von vielen Aspekten. Und ach ja, die Spieler werden jünger und jünger – oder bin nur ich es, der immer älter wird? 

Welchen Einfluss hat die technische Entwicklung beim Equipment auf Ihr persönliches Spiel?

Es ist zweifelsfrei so, dass uns die technischen Entwicklungen geholfen haben – das gilt für alle, Profis wie Amateure. Aber man muss dennoch in der Lage sein, gute Schläge zu machen. Ich mag es, die Bälle zu manövrieren, einen Fade oder Draw zu spielen, wenn es der Platz verlangt. Und das konstant und gut hinzubekommen, ist immer schwer, egal mit welchem Equipment.

Oft wird ja davon gesprochen, dass es wegen der immer besseren Ausrüstung nötig ist, die Plätze länger zu machen. Stimmen Sie dem zu?

Überhaupt nicht! Heutzutage werden die Plätze länger und länger, aber das macht einen Platz nicht schwerer, man muss nur immer mehr gehen. Ich mag die kürzeren Plätze lieber, die einem alles abverlangen und auf denen es gilt, die Bälle gut zu manövrieren, gut zu chippen und zu putten. Solche Plätze zwingen einen, darüber nachzudenken, wie man die Schläge spielen muss.

Was verbinden Sie denn mit Deutschland?

Deutschland ist schon immer eines meiner Lieblingsziele. Ich habe 1989 zum ersten Mal die BMW International Open und die German Open gespielt, und seither war ich immer wieder in Deutschland, um Turniere zu spielen. Ich habe in all den Jahren in Deutschland viel Zuspruch von den Fans bekommen – und das bedeutet mir natürlich viel.

Was sind Ihre Lieblingsturniere?

Also diese Frage kann ich nicht exakt beantworten, denn es gibt viele, aus vielerlei Gründen. Ich liebe die Majors, besonders die Open Championship, allein schon wegen ihrer Tradition. Dann natürlich das Masters, denn Augusta ist ein magischer Ort. Ich freue mich jedes Mal darauf, bei der BMW International Open zu spielen, denn dieses Turnier ist einfach ausgezeichnet organisiert. Und natürlich bin ich sehr gerne bei der Hongkong Open, die ich nun schon zum vierten Mal gewonnen habe und deshalb weit oben auf meiner Liste steht.

Letzte Frage: Welche drei Weine können Sie empfehlen?

Oh, das ist gar nicht so leicht. Wir haben so viele großartige Weine in Spanien, die ich sehr schätze. Aber wenn Sie mich fragen, welche ich zu wählen hätte, würde ich mich für die Riojas »Roda 1« und »Cirsion«, sowie »Vega Sicilia« aus Ribera del Duero entscheiden.

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