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The Open 2016

Ein Mann am Ziel

Als erster Schwede gewinnt der 40-Jährige ein Major – und wie!
Mit 20 unter Par siegt er in einem dramatischen Duell
gegen Phil Mickelson im schottischen Royal Troon

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Autor

Philipp von Schönborn

ist als Fachmann für Profi-Sport und Equipment langjähriges Teammitglied der GJ-Redaktion 

Was für ein dramatisches Duell, was für eine Open!  Henrik Stenson ist der "Champion Golfer of the Year" und selten war dieser Titel zutreffender als 2016. In einem dramatischen Zweikampf mit dem fünffachen Major-Gewinner Phil Mickelson aus den USA ging der Skandinavier mit 20 unter Par als Gewinner hervor. Mickelson seinerseits hatte am Ende drei Zähler Rückstand und gleich elf Schläge Vorsprung auf den Drittplatzierten JB Holmes (USA). 

Stenson ist damit am Ziel seiner Träume. Alles von Bedeutung hatte er schon gewonnen. Den Ryder Cup, die Money-List in Europa und den USA, zahlreiche Turniere (22 insgesamt) dies- und jenseits des Atlantiks (zuletzt die BMW International Open in Pulheim im Juni), nur eben der große Wurf fehlte. Neun Mal war er bei den vier großen Turnieren des Jahres unter den besten Zehn gelandet, sein bestes Resultat war ein zweiter Rang bei den British Open 2013 in Muirfield. Dort hieß der Sieger Phil Mickelson. 

"Dieser Sieg ist für Schweden"- Henrik Stenson

Jetzt ist er also da, der Höhepunkt einer wechselvollen Karriere. Der Schwede gehörte bereits vor zehn Jahren der Belle Etage der European Tour an, zwischen 2005 und 2009 war er immer unter den besten 18 der Saisonwertung, ehe er in 2011 in ein böses Formtief fiel. Das nicht zuletzt, weil er einem Finanzbetrüger aufgesessen war, der ihn praktisch um sämtliche Ersparnisse gebracht hatte. Doch der Göteborger mit Wohnsitz in Florida kämpfte sich zurück: 2013 gewann er auf beiden großen Touren die Saisonwertung und schaffte es später bis zur Nummer zwei in der Welt.

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Auch wenn der Major-Erfolg immer ein großes Ziel war, Stenson wusste, dass er auch ohne diesen eine außergewöhnliche Karriere hatte: "Ich bin mit dem Erreichten sehr zufrieden. Wenn ich jetzt aufhöre würde ich sagen, das hat gepasst", bekannte er im vergangenen Sommer im Interview mit GOLF JOURNAL. Gleichwohl fügte er an: "Ein Sieg bei einem Major wäre das Sahnehäubchen".

Zwei außer Rand und Band

Dieses Sahnehäubchen hat er nun also auch. Und die Art und Weise wie er es erreichte, war mehr als beeindruckend. Bei den Open auf dem Par-71-Kurs Royal Troon stand schon vor den beiden Finalrunden fest, dass der Sieg nur über Stenson und seinen ebenfalls enorm starken Kontrahenten  Mickelson gehen würde. Die beiden spielten ein Turnier für sich und entschieden am Finaltag quasi in einem Matchplay über 18 Löcher über den Sieg. Am Ende hatte der amerikanische "Altmeister", dem sage und schreibe nur vier (!) Bogeys während des Turniers unterliefen, dann doch das Nachsehen. Mit Birdies an 14 und 15 setzte sich Stenson mit zwei Schlägen Vorsprung ab und als der Eagle-Versuch von Mickelson auf der 16 an der Lochkante endete, war das Duell entscheiden. Es folgte ein Finish in Style mit einem weiteren Birdie Stensons auf der 18. Damit stand am Ende das Resultat von 20 unter Par – etwas, das noch keinem Spieler in den 144 Ausgaben des Turniers zuvor gelungen war. Kein Wunder, dass die Golfwelt vor dieser Leistung den Hut zieht: "Einfach unglaublich, irreal, und inspirierend zu beobachten", meinte beispielsweise Jordan Spieth. "Was für Golf das war, ich freue mich für meinen Freund Henrik", teilte Sergio Garcia der Welt via Twitter mit. Die Liste der Glückwünsche ist lang – und das zurecht. Er hat diesen Triumph verdient, ohne Wenn und Aber!

Steckbrief

Henrik Stenson

• Geb. 5. April 1976 
in Göteborg, Schweden
• Verheiratet 
seit 2006 mit Emma, 
drei gemeinsame Kinder (Alice, Karl, Lisa)
• Wohnort: Orlando (USA)
• 21 Turniersiege weltweit (u.a. The Players, WGC-Accenture Matchplay Championship, Final Series DP World Tour Championship, Tour FedExCup-Playoff Tour Championship, BMW Int. Open 2016). Ryder-Cup-Spieler (2006, 2008, 2014)
• Karrierepreisgeld über 35 Mio Dollar

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