Starporträt SpiethFrank Rosin
Interview

Der Wettkampf ist alles

Vier Major-Siege und über 70 Triumphe weltweit als Profi. Das spricht für sich. Ernie Els, der Golf so einfach aussehen lässt, ist eine Legende.

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Autor

hat für große Tageszeitungen gearbeitet, bevor er als stv. GJ-Chefredakteur Hobby und Beruf verbinden konnte. 

Vor Ihrer Golfkarriere haben Sie Rugby, Cricket und Tennis gespielt. Warum hat Golf am Ende das Rennen gemacht?

Aus irgendeinem Grund habe ich Golf einfach mehr geliebt als die anderen Sportarten. Beim Rugby kann man sich schnell verletzen, das mag ich nicht. Cricket habe ich bis zu meinem 16. Lebensjahr gespielt. Aber mein Vater meinte, ich sollte damit aufhören. Tennis spiele ich wieder, meine Tochter hat damit angefangen und ich habe die Schläger auch wieder ausgepackt. Mein Können ist im Gegensatz zu früher sehr durchschnittlich. In Südafrika hatten wir schönes Wetter, da konnten wir immer alle Sportarten betreiben, das war eine sehr glückliche Situation.

Ihr Weg auf die amerikanische PGA Tour war ziemlich steinig. Was waren die Ursachen?

Ich beobachte immer wieder die jungen Spieler, die versuchen auf die PGA Tour zu kommen. Die Konkurrenz wird immer härter, es kommen Spieler aus der ganzen Welt dorthin. Da sind ein paar großartige Pros dabei. Ich war glücklich auf der südafrikanischen Tour zu spielen und früh auf die European Tour zu kommen, aber irgendwie habe ich es nicht in Amerika geschafft. Es hat dann aber viel zusammengepasst und sich positiv ergänzt, und so bin ich dann auch in den USA angekommen.

1992 haben Sie stets als das Jahr herausgehoben, das Ihr Leben verändert hat. Was war so entscheidend?

Ich habe die South African Open gewonnen und bekam dadurch Einladungen für Turniere auf der ganzen Welt, beispielsweise die Open Championship. Es war mit mehreren Siegen einfach ein gutes Jahr für mich in meinem Heimatland, von da ab nahm alles seinen Lauf.

Vier Major-Titel und weltweit 70 Siege als Professional. Was war der schönste Erfolg?

Jedes Mal, wenn man einen Pokal überreicht bekommt, dann ist das ein wundervoller und unvergesslicher Moment. Bei den Majors kann man kaum den einen Sieg über den anderen stellen. In meinen jungen Jahren war ich ziemlich frech und meinte, die Majors hole ich im Vorbeigehen. Zuerst das Masters, dann die Open, anschließend die US Open und dann die PGA Championship. Das Masters und die PGA Chamionship habe ich noch nicht gewonnen, also versuche ich das Masters noch vor meiner Rente zu gewinnen. Das wäre dann wahrscheinlich meine größte sportliche Leistung.

Als Global-Player, spielen Sie irgendwo besonders gerne?

Es war mal Wentworth, die Zeit des World Match Play. Das Turnier habe ich sieben Mal gewonnen und meine Kinder sind in Wentworth geboren. Dort haben wir noch das Haus, aber mittlerweile verbringen wir mehr Zeit in Florida. Ja, Wentworth ist mein Favorit, der Kurs mag mich …

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Steckbrief

Ernie Els
The Big Easy

• Geb. am 17. Oktober 1969 in Johannesburg, Südafrika
• Verheiratet, zwei Kinder
• Seit 1989 Profi, über 70 Titel
4 Major-Titel: 2x US Open, 2x Open Championship
• Teil der legendären "Big Five" (Tiger Woods, Phil Mickelson, Vijay Singh, Retief Gossen und Ernie Els)

Normal reiße ich die Klappe nicht so weit auf

Ernie Els

Wer war in all den Jahren Ihr größter Herausforderer?

Das Spiel an sich, ich hatte meine Höhen und Tiefen. Da war natürlich Tiger Woods, er war mit weitem Abstand der Beste. Das waren harte Zeiten, denn ich hätte die Nummer eins der Welt sein können. Ich war es ja kurzfristig in der Rangliste, aber es ging eigentlich immer nur darum, Tiger zu schlagen. Er war eine harte Nuss. Jetzt sind die Jungen da: Rickie Fowler, Adam Scott oder Jordan Spieth. Von denen gibt es so viele auf der Tour. Ich fühle mich unter den Jungen aber sehr wohl. Klar, ich habe ein anderes Level in meiner Karriere, Siege kommen nicht mehr so häufig vor, also genieße ich mein Spiel und die Zeit auf dem Platz.

Sie erwähnten Tiger, lassen Sie uns über die Big-Five-Ära reden. Hatten Sie eine bestimmte Spielstrategie für die Duelle mit Tiger, Retief Goosen, Vijay Singh und Phil Mickelson?

Das war eine großartige Zeit, wir alle hatten die beste Phase unserer Karrieren, sporadisch können wir dieses Niveau auch noch abrufen, aber wissen Sie: Ich bin 45, Tiger ist fast 40, Retief ist in meinem Alter. Das waren goldene Zeiten für uns. Wir haben alle sehr viele Turniere rund um den Globus gewonnen, ich habe einmal in einem Zeitraum von fünf Jahren 27 Mal gesiegt. Dennoch: Tiger war die dominante Figur, er hat die meisten Majors gewonnen und dann bist du auch ein Meister dieses Spiels. Mit Tiger musste man immer rechnen. 

Irgendwann haben Sie erwähnt, dass Sie einen Dreijahresplan haben, um Tiger vom Thron zu stoßen. Da haben Sie aber einen rausgelassen …

Na ja, ich habe mich nach meinem Sieg bei der South African Open 2006 und der auskurierten Knieverletzung einfach bestens gefühlt. Normal reiße ich die Klappe nicht so weit auf, aber in Südafrika habe ich einfach den Drang verspürt, dass ich ein neues, großes Ziel bräuchte. Das habe ich auch öffentlich verkündet und bin meinem Ziel recht nahe gekommen. Ich hab es zwar nicht geschafft, und wahrscheinlich würde ich so eine Aussage nicht nochmals tätigen, aber ich wollte damals einfach ein Ziel ausgeben.

Was motiviert Sie eigentlich noch? Der Wettkampf?

Ja, ich liebe den Wettkampf, ich liebe alles, was mit Wettkampf zu tun hat. Egal, ob Tischtennis oder Tennis mit meiner Tochter, gegen wen auch immer. Sogar beim Billard brauche ich den Wettkampf. Der Wettkampf ist alles. Seit ich zehn Jahre alt bin, trete ich gegen andere Menschen in den verschiedensten Sportarten an. Das liegt mir im Blut. Jetzt trete ich mehr gegen mich selbst an. Ich versuche noch ein oder zwei Majors zu gewinnen. Das motiviert mich und garantiert mir, auf einem hohen Level zu spielen.

Was war in drei Jahrzehnten Ihr Höhepunkt?

Im Golf sind so viele Dinge passiert. Die Siege waren schön, die Major-Titel sind zweifelsohne die Höhepunkte meiner Karriere. In meiner Zeit habe ich sehr viele Menschen kennengelernt und Freundschaften geschlossen, nun bin ich in das Golf-Design eingestiegen, meine absolute Passion, und diesen Bereich möchte ich wachsen lassen. 

Ich fühle mich unter den Jungen sehr wohl.

Ernie Els

Mit Tiger musste man immer rechnen.

Ernie Els

Besteht eigentlich immer noch der Wunsch, nach dem Karriereende eine Bar oder ein Restaurant in der Karibik zu eröffnen?

Jetzt kommt das schon wieder. Das habe ich in den 90ern vor den US Open einmal gesagt. Die Medien haben mich gefragt, was passieren würde, wenn ich die US Open gewinnen sollte. Ich meinte: Ich nehme meinen Scheck, fliege in die Karibik und mache eine Bar auf. Das ist etwa 20 Jahre her. Ich versuche weiterhin Turniere zu gewinnen und Golfplätze überall auf der Welt zu bauen. Ich denke, die Bar muss noch warten.

In Europa und Amerika ist der Golfmarkt sehr instabil. Glauben Sie, dass sich Golf in den beiden Märkten wieder erholt?

Meines Erachtens werden beide wieder wachsen, aber man muss realistisch sein. Wir haben weltweit eine der größten Rezessionen durchgemacht und es hat die etablierten Golfmärkte mit voller Wucht getroffen. Die Genesung wird dauern. Derzeit bieten sich die besten Möglichkeiten für den Golfplatzbau im Wachstumsmarkt Asien, und wir sind glücklich, dass wir unseren Teil dazu beitragen können.

Bei den BMW International Open 2013 haben Sie auch Ihren Teil dazu beigetragen. Ein Superstar gewann die Jubiläumsausgabe in München Eichenried. Bräuchte der Platz Änderungen, um ihn für die Profis spektakulärer zu machen?

Das war eine super Woche. Ein Kurs, bei dem man viele Birdies machen kann. Es ist definitiv ein Low-Scoring-Course, aber meines Erachtens haben diese Plätze auch eine Berechtigung auf der Tour. Die BMW Turniere sind außergewöhnlich, es sind weltweit immer Premium-Events. BMW geht die Dinge ein wenig anders an, sie müssen eine spezielle Formel haben – und die funktioniert einwandfrei.

Wie verlief die Weinlese vergangenes Jahr?

Sehr gut, danke der Nachfrage. Das Ernie-Els-Weingut ist gesegnet mit der wunderbaren Kombination von Klima und Topographie am Helderberg. Mutter Natur ist die eine Seite, dazu braucht man noch ein gutes Team. Mein Winzer Louis Strydom leistet mit seinen Jungs fantastische Arbeit.

Haben Sie eigentlich einen Lieblingswein?

Neben unseren? Ja, der Bordeaux, das ist Top-Qualität. Dieses Niveau war auch immer unsere Maßgabe von Anfang an. In den letzten fünf Jahren, seit ich vorwiegend in Amerika lebe, habe ich mich mit den Weinen aus Kalifornien angefreundet, speziell aus Napa Valley. Da habe ich einige Favoriten.

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