Ein Meisterkoch für ProfisTed long Interview
US Open 2016

DJ's großer Wurf

Dustin Johnson gilt als bester Athlet im Weltprofigolf. Aber bislang auch als Spieler, der kein großes Turnier gewinnen kann. Nun hat DJ die US Open gewonnen

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Als Dustin Johnson sich auf der Range des Oakmont Golf Club für die Finalrunde einschlug, wurde im US-Fernsehen eine Liste eingeblendet: Es war die Liste jener Major-Turniere, die Dustin Johnson eigentlich hätte gewinnen müssen, weil er vor der Finalrunde oder kurz vor Schluss geführt hatte.

Es war ein Chart, das den gesamten Bildschirm ausfüllte, angeführt von der US Open 2015, als Johnson am 72. Loch zum Eagle geputtet hatte und nach einem Drei-Putt aus vier Metern Spieth um einen Zähler unterlegen war. Dann die US Open 2014: drei Bogeys auf den letzten vier Bahnen, Platz 4. 2011, Platz 2 Open Championship, und dann natürlich das Seuchenjahr 2010: Drei-Schläge-Führung bei der US Open vor der Finalrunde, die er mit 82 Schlägen auf Platz 8 beschließt, wenig später Führung bei der PGA Championship 2010 am 72. Loch, zwei Strafschläge aufgrund Schlägeraufsetzens im Bunker, wodurch Johnson das Stechen mit Kaymer und Watson um einen Schlag verpasste. 

Diese Serie verpasster Gelegenheiten und dabei insbesondere der schludrige, eher amateurhafte Umgang mit den Golfregeln, hatte dem Amerikaner den Ruf eingebracht, kein Mann für große Gelegenheiten zu sein. Wie Sergio Garcia und Lee Westwood, die großartige Karrieren mit vielen Turniersiegen aufweisen, aber eben keinen Major-Titel.

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Auch Dustin Johnson hatte bis zu den US Open in nur neun Jahren als Profi bereits acht Siege auf der PGA Tour erreicht und über 30 Millionen Dollar Preisgeld erreicht. Und dabei das Golfpublikum mit einer spektakulären Kombination von Feingefühl und großer Athletik beeindruckt. Johnson, 1,93 Meter groß, ist ein Kraftpaket und ein sehr anschaulicher Beweis dafür, dass Golf ein Sport ist. Er erreicht im Durchschnitt über 290 Meter bei seinen Drives, aber er ballert nicht in der Gegend herum, sondern meistens schnurgerade aufs Fairway. Zudem ist er ein Meister der Präzision mit den Wedges, Schläger, die er aufgrund seiner enormen Längen an Par-4-Bahnen öfter in der Hand hält als die Konkurrenz. Jordan Spieth, der seinen Titel in Oakmont nicht verteidigen konnte, hat ihn vor kurzem als "freak golf athlete" bezeichnet, was als großes Kompliment gemeint war.

Bei Majors aber saß Johnson „ein Affe auf dem Rücken“, ein im englischen Sprachraum verwendetes Bild für die Negativerfahrungen und die Angst zu scheitern, im Deutschen wird in dem Zusammenhang von einem „Rucksack“ gesprochen. In Oakmont, auf dem spieltechnisch schwierigsten Platz im internationalen Turniergolf, hat Johnson seinen Affen ein für allemal abgeworfen. Seinen Drive am ersten Loch jagte der 32-Jährige 380 Yards (also fast 350 Meter) die Bahn hinunter und so zielstrebig, wie der erste Ball flog, navigierte sich Johnson diesmal auch durch die Finalrunde.

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