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Masters

Englands Stolz

Ihn hatte niemand auf der Rechnung,
aber am Ende war er vorne.
20 Jahre nach Nick Faldo hat England
wieder einen Masters-Champion: Danny Willett

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Autor

Stefan Maiwald

ist Buchautor, Kolumnist, Single-Handicapper und langjähriger GJ-Autor 

Es war immer die Stärke des US Masters, würdige Champions hervorzubringen. Spieler, die in der Folge bewiesen, Weltklasse zu sein. Kein Wunder, dass die beiden besten Spieler aller Zeiten in Augusta die meisten Major-Titel holten: Jack Nicklaus gewann hier sechs Mal, Tiger Woods vier Mal. Auch Sam Snead (3), Ben Hogan (2) und Arnold Palmer (4) dominierten zu ihren Hoch-Zeiten im Augusta National Golf Club. Andere Majors haben keinen so elitären Siegerkreis. Die verschrobenen Bedingungen bei der British Open inklusive der Windlotterie brachten immer mal wieder Champions hervor, die danach nahezu in der Versenkung verschwanden, auch die surreal harten US-Open-Setups ließen so manchen Sieg zur Glückssache werden. Doch auch in Augusta gab es immer wieder Abweichungen von dieser Regel. Mike Weir und Trevor Immelman gehören zu den Masters-Siegern, von denen danach praktisch nichts mehr kam (wobei Immelman auch mit vielen Verletzungen zu kämpfen hatte). Noch vor der Schlussrunde hatte keiner den Engländer so richtig auf der Rechnung. Einerseits legte Danny Willett eine brillante Amateurkarriere hin, war sogar die Nummer eins der Amateur-Weltrangliste. Andererseits war er mit bislang vier Siegen in fünf Jahren auf der European Tour und fünf verpassten Cuts bei zwölf Major-Starts kein Spieler der Kategorie Rory, Luke, Lee oder Martin. Noch nie war er richtig nah an einem großen Titel dran. Kurzum: Man sah es einfach nicht komm

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Journalisten, immer auf der Suche nach einer guten Story, waren mit dem Ergebnis am wenigsten zufrieden – außer natürlich Willetts Landsleute, die den ersten englischen Masters-Sieg seit Nick Faldo 1996 feierten. Das Glamouröse fehlt dem Mann aus Sheffield, der in der Schlussrunde ganz in Weiß seinem eigenen Caddie zum Verwechseln ähnlich sah. Und so viele Spieler hätten die bessere Geschichte abgegeben. Zuallererst natürlich ein Sieg des 58-jährigen Bernhard Langer. Oder der lang ersehnte große Titel für Lee Westwood oder Dustin Johnson. Ein Sieg Hideki Matsuyamas hätte ein Golfbeben in Asien ausgelöst. Und hätte Spieth gewonnen, wäre es die endgültige Etablierung der Augusta-Herrschaft gewesen. (Man muss es sich immer wieder sagen – der Texaner ist erst 22, und bei seinen bislang drei Masters-Auftritten wurde er Zweiter, Erster und Zweiter.)   

"Ich musste einen Sport finden, wo ich meine Brüder schlagen konnte."

Doch letztlich ist Golf ganz einfach: Wer auf 72 Bahnen weniger Schläge braucht als alle anderen, der gewinnt. Und zwar völlig verdient. Danny Willett ist mehr als nur ein Versprechen. Ach ja: Am 30. September 2016 beginnt der Ryder Cup. Bei dem Kontinentalvergleich werden beide Akteure wieder dabei sein. In Sachen Masters ist Wallett auch ein wenig Spieth. Er machte es wie der Amerikaner und gewann bei seinem zweiten Masters-Auftritt. Dass er überhaupt in Augusta dabei sein durfte, dafür konnte er sich bei seiner Frau Nicole bedanken. Seine Teilnahme war lange auf der Kippe gestanden, weil der Geburtstermin für Sohn Zachariah James auf den Finaltag terminiert war. Es kam alles anders: Das Baby kam bereits am 30. März auf die Welt. Ein paar Tage später gab Nicole ihrem Danny schließlich grünes Licht fürs Major. »Was für eine verrückte Woche, erst war nicht klar, ob ich überhaupt dabei sein werde und jetzt habe ich das Green Jacket, ich meine, ich habe weltweit schon einige Male gewonnen, aber das ist das Masters. Irre. Und außerdem hat meine Frau noch am Schlusstag Geburtstag,« freute sicher der Champion. Und sein Manager Chubby Chandler, ein ganz trickreicher Geschäftsmann, fand den Coup seines Schützlings besonders toll. Mit einem Masters-Sieger im Portfolio lebt es sich leichter. Willett dürfte fortan satte Antrittsgagen bei normalen Turnieren erhalten.

Dabei war die Karriere des Engländers schon auf der Kippe. Seit Jahren leidet er unter chronischen Rückenschmerzen, er musste deswegen 2013 auch mehrere Wochen pausieren. Die Verletzung hat man mittlerweile in den Griff bekommen, wobei Willett weiterhin einmal im Monat nach London zu einem Spezialisten reist und behandelt wird. »Ich musste einen Sport finden, wo ich meine Brüder schlagen konnte.« Eine gute Wahl, in Augusta hat er gleich die ganze Weltspitze hinter sich gelassen.

Steckbrief

Danny Willett

• Geb. am 3.10.1987 in Sheffield, England
• Verheiratet, ein Kind
• Seit 2008 Profi, 5 Turniersiege European Tour
• Sieger der Dubai Desert Classic 2016 die English Amateur Championship
• gewann 2007 die English Amateur Championship
• verbesserte sich auf Platz 12 der Weltrangliste
dannywillett.golf

 

 

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