Ein seltenes Privileg
Masters 2019

Endlich ganz großes Golf

Das Masters Tournament in Augusta markiert den
wahren Auftakt der Saison – und wir machen uns
schon mal ein paar Gedanken über den Sieger 2019.

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Autor

Stefan Maiwald

ist Buchautor, Kolumnist, Single-Handicapper und langjähriger GJ-Autor 

Ja, schon klar: Eigentlich hat die Saison der Profis bereits im letzten Herbst begonnen. Die ersten Turniere der 2019er-Spielzeit fanden auf der US PGA Tour Anfang Oktober 2018 statt. Und nun, mit der Vorverlegung der Players Championship in den März, soll uns, die wir manchmal noch unter niedrigen Temperaturen und gesperrten Plätzen ächzen, mit aller Macht sogar suggeriert werden, dass wir schon mitten im Golfjahr sind.

Doch mal ehrlich: Die wahre Tour-Saison beginnt eigentlich erst im April – und das ist schon seit den 1930er-Jahren so, als Bobby Jones mit seinem Geschäftspartner Clifford Roberts den Augusta National Golf Club gründete und die Weltspitze zu einem Einladungsturnier herbeirief.

Und am Morgen des 11. April 2019 können sich alle Teilnehmer die Hoffnung machen, den Fabelrekord von Bobby Jones einzustellen, nämlich alle vier Major-Titel in einem Kalenderjahr zu gewinnen. Am Abend des 14. April 2019 ist dann aber nur noch ein einziger Spieler übrig.
 
Das Masters ist das einzige Major-Turnier, das stets auf demselben Platz gespielt wird. Es ist ein Platz, dessen Löcher zu den schönsten der gesamten Golfwelt gehören. Die Atmosphäre ist ganz einfach einmalig. »Es ist das einzige Turnier, bei dem du dir schon in die Hosen machst, wenn du durchs Eingangstor fährst«, bringt es der dreimalige Sieger Gary Player auf den Punkt. Und wie in jedem Jahr steigern wir unsere Vorfreude mit Spekulationen und Bürowetten.

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2009 – 2018

Die Sieger

2018: Patrick Reed
2017: Sergio Garcia
2016: Danny Willett
2015: Jordan Spieth
2014: Bubba Watson
2013: Adam Scott
2012: Bubba Watson
2011: Charl Schwartzel
2010: Phil Mickelson
2009: Angel Cabrera

 

 

Wer zieht das Grüne Jackett an?
 
Wer könnte dieses Mal gewinnen und ins berühmte »Green Jacket« schlüpfen? Hat Phil Mickelson nach seinem souveränen Sieg beim AT&T Pebble Beach Pro-Am im Februar doch noch das Zeug zum Major-Champion? Linkshänder scheinen ja beim Masters bevorteilt zu sein; der Titel ging in den letzten sechzehn Jahren sechs Mal an einen »Leftie«.

Laut einer beliebten Theorie bevor- teilt das Set-up des Platzes Linkshänder (beziehungsweise, in Phils Fall, Rechtshänder, die linksherum spielen). Rechtshänder, Pros wie Amateure, tendieren dazu, Fahnen entweder links lang oder rechts kurz zu verfehlen. Diese Stellen sind in Augusta oft fatal, besonders an der kurzen Bahn 12, die schon so viele Turniere entschieden hat und auch Jordan Spieth zum Verhängnis wurde. Linkshänder haben in Augusta, wenn sie die Fahne verfehlen, relativ leichte Up-and-downs. Soweit jedenfalls die Theorie.
 
Was ist mit Bryson DeChambeau, der in den letzten Monaten Turniere nach Belieben gewann und bis auf Rang fünf der Weltrangliste kletterte? Welche Strategien überlegt sich der Tüftler für den ungewöhnlichen Course mit seinen breiten Fairways, dem wenigen Rough und den blitzschnellen, ondulierten Grüns?
Kann Dustin Johnson seine langen und präzisen Drives nutzen, um seinen zweiten ganz großen Titel zu erringen? Oder wird Longhitter-Kumpel Brooks Koepka in seiner indifferenten Art bereits sein viertes (ja, sein viertes!) Major gewinnen können? 

Kommt Jordan Spieth, der Sieger von 2015, aus seiner Mini-Krise und findet die alte Magie wieder, die ihn einst zu einem unbezwingbaren Putter gemacht hat? Und wie wird sich Titelverteidiger Patrick Reed schlagen? (Und, so fragen sich viele, was wird er zum Champions Dinner am Vorabend des Turniers servieren?) 

The Masters Tournament

– Termin 11. – 14. April
– Ort: Augusta National Golf Club, Georgia, USA
– Titelverteidiger: Patrick Reed (USA)
– Preisgeld: 11 Mio. Dollar
– Preisgeld für den Sieger: 1,98 Mio. Dollar
- mehr: The Masters

Was reißen die Deutschen – und Tiger?

Aus deutscher Sicht natürlich interessant: Wird Martin Kaymer seinen Frieden mit dem ungeliebten Turnier machen? Er hat mehrmals eingestanden, mit dem Platz einfach nicht gut zurechtzukommen, dennoch sprang 2017 ein überraschender 16. Platz heraus, und 2016 und 2018 reichte es immerhin für die Top 50. Das klingt nicht nach Top-Favorit, aber auch nicht nach völliger Chancenlosigkeit.

Bernhard Langer, 2014 noch sensationeller Achter, schaffte im letzten Jahr den 38. Platz und wurde damit bester Deutscher – auch das zweifellos ein grandioses Ergebnis. Und während Langer als »Past Champion« noch einige Jahre lang teilnehmen darf, läuft Kaymers Spielberechtigung übrigens aus – er ist als US-Open- Champion von 2014 in diesem Jahr noch startberechtigt, im nächsten Jahr aber nicht mehr. Sein Ziel muss es sein, wieder unter die Top 50 der Weltrangliste zu kommen.
Doch die Frage alle Fragen lautet: Wie schlägt sich Tiger Woods? Kaum glaubliche zehn Jahre ist es her, dass er sein letztes Major-Turnier gewinnen konnte. Nach vier Rücken-OPs dann das sensationelle Comeback und der Sieg bei der Tour Championship 2018 – und was ist mit dem Masters, seinem Lieblingsturnier, das er schon vier Mal gewinnen konnte? Der letzte Sieg in Augusta liegt allerdings sogar schon vierzehn Jahre zurück, eine kleine Ewigkeit. 

Der Augusta National Golf Club wäre jedenfalls der perfekte Ort für ein Major-Comeback des Tigers. Doch egal, wer am Ende siegt: Wir wissen schon jetzt, dass das Masters, wie jedes Jahr, ein unvergessliches Turnier werden wird.

Ach ja, wir haben Rory McIlroy fast vergessen. Bei der Players, dem fünften Major, hat er es im März mal wieder allen gezeigt. Was ihm nun noch fehlt – klar ein Triumph in Augusta. 

Es ist das einzige Turnier, bei dem du dir schon in die Hosen machst, wenn du durchs Eingangstor fährst

Gary Player

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