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Masters 2018

Alle Augen auf Tiger

Vom Krankenbett zum Grünen Jackett? Tiger Woods, der Mega-Star des Golfsports ist zurück, die Sensation scheint beim Masters nicht mehr völlig ausgeschlossen zu sein.

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Autor

Stefan Maiwald

ist Buchautor, Kolumnist, Single-Handicapper und langjähriger GJ-Autor 

Wäre es möglich, dass wir Anfang April eines der größten Comebacks der Sportgeschichte erleben? Einen Sieg von Tiger Woods beim Masters? Schauen wir uns zunächst die nackten Zahlen an.

Nach fünf Turnieren auf der PGA Tour liest sich seine Bilanz im Jahr 2018 wie folgt: Bei der Farmers Insurance Open in Torrey Pines wurde er 23., bei der Genesis Open im Riviera CC verpasste er den Cut, beim Honda Classic im PGA National wurde er Zwölfter – auf einem knallharten Kurs in einem Weltklassefeld.

Damit nicht genug: Woods lag über das gesamte Turnier auf Platz zwei in der Driving-Distance-Statistik, und damit hatte nun wirklich niemand gerechnet. Trotz seines Alters, trotz seiner Rückenoperationen, trotz eines Feldes mit Bombern wie Justin Thomas und Rory McIlroy hieb er auf den Ball wie zu allerbesten Zeiten. Man muss wohl konstatieren, dass er wieder völlig genesen ist.

Im März ließ er es dann richtig krachen: Zweiter bei der Valspar Championship (der Sieg von Paul Casey ging im Tiger-Fieber vollkommen unter) und Fünfter beim Arnold Palmer Invitational.

Letztlich kann das nur bedeuten, dass Tiger Woods als einer der Favoriten nach Augusta fährt. Es ist sein Lieblingsplatz, er konnte dort bereits vier Mal gewinnen (wenn auch sein letzter Sieg unglaubliche 13 Jahre her ist), er ist voller Selbstvertrauen und hat auch ganz offensichtlich die pure Lust aufs Golfen wiedergefunden.

Die Intensität seines Spiels und die Emotionen, die er beim Honda Classic auf dem Champion-Kurs in Palm Beach County zeigte, erinnerten jeden Beobachter an den früheren Tiger. Kein Zweifel: Mit einem Sieg beim Masters würde der 42-Jährige Sportgeschichte schreiben.

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Ein Platz für Linkshänder?

Tiger Woods ist aber nur eine der spannenden Storys rund um den Augusta National GC. Denn völlig überraschend spielte sich auch ein anderer Top-Favorit aus einer tiefen Krise: Bubba Watson, der schon mit dem Aufhören geliebäugelt hatte, gewann nach zwei sieglosen Jahren wieder bei der Genesis Open – und als zweifacher Masters-Sieger (2012 und 2014) gehört er ebenfalls zum engsten Favoritenkreis.

Übrigens scheinen Linkshänder beim US Masters bevorteilt zu sein; der Titel ging in den letzten fünfzehn Jahren sechs Mal an einen Leftie. Das ist vielleicht nur ein Zufall, vielleicht aber auch nicht: Star-Coach Andrew Rice analysierte die Augusta-Statistiken und fand Folgendes heraus: Rechtshänder tendieren dazu, Fahnen entweder rechts kurz oder links lang zu verfehlen, das gilt für Spitzen-Pros wie für Amateure.

In Augusta sind diese Stellen auf vielen Grüns absolute Todespositionen; besonders deutlich wird dies an Bahn 12, dem kurzen Par 3, das schon so viele Turniere entschieden hat und zuletzt Jordan Spieth zum Verhängnis wurde. Bei Linkshändern verhält es sich genau umgekehrt. Sie haben in Augusta, wenn sie die Fahne verfehlen, relativ leichte Up-and-Downs. Daher sollten wir bei der Aufzählung der Favoriten auch Phil Mickelson nicht vergessen. Denn Mickelson liebt Augusta und Augusta liebt ihn.

Und: Der Kalifornier ist wieder zurück im Geschäft – mehr noch. Er kann sogar gewinnen. Bereits den ganzen Februar ließ der 47-Jährige mit gleich drei Top-10-Platzierungen in Folge aufhorchen und spätestens seit dem Triumph beim WGC-Event in Mexiko Anfang März muss Mickelson, dreifacher Gewinner in Georgia, zu den ganz heißen Sieganwärtern gezählt werden. Schon vor seinem ersten Turniersieg seit fünf Jahren meinte Mickelson: »Es wäre gut vor Augusta ein Turniersieg zu holen. Denn es hilft einem zu wissen, dass man siegen kann, ehe man zu einem Major fährt, um dieses zu gewinnen«.

The Masters Tournament

– Termin 5. – 9. April
– Ort: Augusta National Golf Club, Georgia, USA
– Titelverteidiger: Sergio Garcia (ESP)
– Preisgeld: 11 Mio. Dollar
– Preisgeld für den Sieger: 1,98 Mio. Dollar
- mehr: The Masters

Auf wen gilt es noch zu achten? Justin Thomas wirkt derzeit nahezu unbesiegbar, und Spieth weiß ohnehin, wie man das Grüne Jackett gewinnt (und er weiß auch, wie man es verliert). Natürlich müssen wir auch mit Dustin Johnson rechnen, der im letzten Jahr als ganz großer Favorit nach Augusta reiste, dann vor dem Turnier eine Treppe herabstürzte und nicht antreten konnte. Und Jason Days Sieg bei der Farmers Insurance Open im Januar zeigte, dass der Australier seine Mini-Krise überwunden hat.

Doch auch der eine oder andere Europäer könnte ganz vorn mitspielen. Neben dem Spanier Jon Rahm, immerhin die Nummer zwei der Welt, ist der Schwede Alex Noren seit Monaten in bestechender Form und wurde beim Honda Classic Dritter. Justin Rose war im letzten Jahr ganz dicht dran am Grünen Jackett und verlor erst im Stechen.

Tommy Fleetwood, Vierter beim Honda Classic, hat sich ebenfalls längst auf der internationalen Bühne etabliert. Rory McIlroy hat noch eine Rechnung mit Augusta offen, denn es ist das Major-Turnier, das ihm noch zum Karriere-Grand-Slam fehlt. Und in welcher Form wird Sergio Garcia an den Ort seines größten Triumphes zurückkehren? Der Spanier reiste gleich mit seiner Großfamilie an: Neben Ehefrau Angela ist Baby Azalea dabei sowie alle Schwiegereltern.

Ein hervorragendes Video über Sergio Garcias Werdegang und Leben gibt es hier:
https://www.youtube.com/embed/RlZBsmIUOaM

Mit Danny Willett dagegen muss man schon seit langer Zeit fast Mitleid haben. Seit seinem Masters-Sieg 2016 lief so gut wie nichts mehr zusammen. Es wäre dem Engländer zu wünschen, dass er ein gutes Resultat erzielt, denn sein Selbstvertrauen ist, wie er selbst zugibt, in Trümmern.

Und was ist mit Martin Kaymer? Sein Sieg wäre eine Sensation – aber das wäre Tiger Woods’ Sieg ja auch. Aber: Die Olympischen Winterspiele haben ja erst kürzlich gezeigt, dass Träume jederzeit wahr werden können…

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