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Masse und Klasse

Der Gardasee bietet für alle etwas – nicht zuletzt für uns Golfer. GJ stellt die interessantesten Plätze rund um unseren Lieblings-Lago vor und gibt Tipps für einen genussreichen Aufenthalt.

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Autor

Stefan Maiwald

ist Buchautor, Kolumnist, Single-Handicapper und langjähriger GJ-Autor 

Das Material trägt den Namen "10027-1: S 355J2W". Wer es mit den Fingerspitzen berührt, fühlt die harte, raue Oberfläche. Wer seine Wange dagegenlehnt, spürt die durchdringende Kälte. Corten-Stahl, rötlich schimmernd, speziell behandelt, wird im Brücken- und Anlagenbau eingesetzt und zu Industriecontainern verarbeitet, denn mit seiner vorgerosteten Oberfläche lässt es sich von keinerlei Wetter beeindrucken. Und Corten-Stahl ist der ganz wesentliche Baustoff im neu restaurierten Hotel Lido Palace in Riva del Garda, der einstigen Lieblingsresidenz des Wiener Hofstaats. Die Damen des österreichischen Hochadels würden vermutlich in Ohnmacht fallen und mit Riechsalz wieder auf die Beine gebracht werden müssen, sähen sie ihr einziges Lieblingsdomizil im heutigen Zustand.

Das Hotel, 1899 direkt am Ufer des Gardasees erbaut und von einem Park umschlossen, bewirtete trotz seiner glorreichen Vergangenheit bald nur noch Bustouristen, schließlich ging das Haus pleite und verfiel vor sich hin. Dann fand sich eine neue Betreibergesellschaft, die alles auf eine Karte setzte: Sie verpflichtete den venezianischen Architekten Alberto Cecchetto, der das Haus in einem malerischen Park für 20 Millionen Euro komplett neu erfand. "Modern" wäre eine Beleidigung für Professore Cecchetto, "avantgardistisch" trifft es schon eher. In der Küche des Hotelrestaurants "Il Re della Busa" steht Sternekoch Giuseppe Sestito. Das Lido Palace ist typisch für den Gardasee – er bietet auch für Stammgäste immer wieder Überraschendes.

Schon der pure Name weckt Südsehnsucht

Der Gardasee ist ein guter alter Freund, vertraut und nah. Ihn nicht zu kennen wäre so exotisch wie die Behauptung, die Einführung des Farbfernsehens verpasst zu haben. Weil man aber selbst alte Freunde mal länger nicht sieht, kommt hier ein Auffrischungskurs: eingerahmt von 2.000 Meter hohen Bergen, 156 Kilometer Küstenlinie, welche durch drei italienische Regionen verläuft, 346 Meter maximale Tiefe (das ist sechs Mal mehr als der südliche Teil der Nordsee an ihrer tiefsten Stelle), 52 Kilometer Nord-Süd-Ausdehnung; im Norden vier Kilometer breit, im Süden mehr als 17 Kilometer. Er ist alles zugleich, alpine Schroffheit und mediterrane Lässigkeit, mitteleuropäische Verlässlichkeit und mediterrane Geschmeidigkeit. Almwiesen und Macchia, Edelweiß und Palmen, an ein und demselben Ufer.

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Der Gardasee ist das Eingangstor zu Italien, und schon der pure Name weckt Südsehnsucht wie nur wenige andere Worte; allenfalls Klanggebilde wie "Toskana", "Venezia" und "Côte d'Azur" können da mithalten. Drei Stunden Fahrtzeit von Süddeutschland nur, und das bessere Leben breitet sich vor dem Auge des Mitteleuropäers aus. Wer den See zum ersten Mal sieht, wähnt sich fast im Märchenland. Schon Goethe bekam den Mund nicht mehr zu, als er 1787 in Torbole eintraf.

Genau, Torbole. Zunächst einmal ist der Gardasee ein Sport-revier, vor allem am Nordufer. Dolce Vita mit Schweißperlen auf der Stirn, gewissermaßen. Kenner behaupten, es gebe kaum ein besseres Windsurfrevier in der Welt. 320 Tage im Jahr weht der Ora ab etwa elf Uhr von Süd nach Nord, und weil sich der Gardasee von Süd nach Nord stetig verjüngt, nimmt der Wind mit geradezu mathematischer Verlässlichkeit zu. Rund um den See wird geklettert, geradelt und gerast. Kein Sport wird hier nicht betrieben. Nicht nur die Touristen, auch die Gardaseeanwohner müssen die durchtrainiertesten Menschen der Welt sein.

Aber es gibt auch die kleinere, feinere Seite des Sees, Leuchtfeuer des Genusses wie das auf einer Landzunge liegende Luxushotel San Vigilio in Garda mit Privatstrand und -hafen. Und natürlich Palazzo Arzaga, der Himmel für Golfer: eine gewagte Investition, die auf äußerst wackligen, aber wunderhübschen Beinen steht. Das Edel-Resort im Südwesten ist in einer Adelsresidenz aus dem 15. Jahrhundert untergebracht und von einem 18-Löcher-Platz von Jack Nicklaus II. und einem 9-Löcher-Platz von Gary Player umgeben. Klar, dass auch ein edles Spa nicht fehlen darf.

Den Gardasee kennt eigentlich jeder. Doch Wahlitaliener Stefan Maiwald beweist, warum man guten Freunden immer mal wieder einen Besuch abstatten sollte. Den kompletten 12-seitigen Report gibt es in unserem Shop als PDF zum Download ...


Die inhaltlichen Highlights:

* Von Spa bis Sport, Gourmet bis Geschichte - den Lago neu entdecken
* Der Golfplatzführer mit sieben Plätzen im Test, mit GJ-Score und Preisindex
* Großer Infoteil mit Top-Tipps für Hotels, Restaurants und "Must Sees"

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Erschienen in Heft 4/2013 Einzelheft bestellen

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