Golfplätze GardaseeGolf in der lombardischen Metropole
Cityguide

Benvenuto Mondo

Die lombardische Metropole ist das perfekte Reiseziel für Golfer mit einem Faible für Mode und gutes Essen. Golf Journal versorgt sie mit Insider-Tipps.

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Autor

Stefan Maiwald

ist Buchautor, Kolumnist, Single-Handicapper und langjähriger GJ-Autor 

Zugegeben, das glamouröse Mailand hatte in den letzten Jahren ein paar arge Probleme. Die Wirtschaftskrise hat die Modeindustrie hart getroffen. Die Medienkrise erwischte den Verlagsstandort ebenfalls mit voller Wucht. Und die zwei Fußballvereine Milan und Inter gehören nicht mehr zu Europas Beletage: 2014 hatte sich keine der beiden Stadtmannschaften für die Champions League qualifiziert, dabei konnten beide schon mehrmals den Wettbewerb gewinnen, zuletzt 2007 (Milan) und 2010 (Inter). Und 2015 scheint es gar, als würden beide Teams das Trostpflaster Europa League verfehlen. Wer in dem Absturz der Teams ins Mittelmaß kein großes Drama sieht, sollte die Symbolkraft des Fußballs südlich der Alpen nicht unterschätzen.

Doch 2015 kam die Expo nach Mailand. Es sollte eine Initialzündung sein, ein Neubeginn für den lombardischen Patienten. Neue Hotels entstehen und interessante Res­taurants eröffnen. Das Moxy am Flughafen Malpensa, ein Hotel der Marriott-Gruppe, bietet edles Design zu erschwinglichen Preisen, das großartige Four Seasons in der Innenstadt hat endlich ein Spa bekommen. Das neue Lokal Zazà Ramen von Brendan Becht in der Via Solferino bringt den Ramen-Trend aus New York und London endlich nach Italien. "Wir hätten das Restaurant auch ohne Expo aufgemacht", sagt Becht. Der Holländer war selbst einst Sterne-Koch, hat dann andere Restaurants beraten und wagt sich mit seiner Neueröffnung nun doch wieder an die vorderste kulinarische Front. "Die Expo hat natürlich gerade bei den Banken geholfen." An­drea Berton mag es ebenfalls flüssig und bietet in seinem neuen Berton (merke: sobald ein Restaurant deinen Namen trägt, hast du es geschafft) ein Zehn-Gänge-Menü mit unterschiedlichen "Brodi" (Brühen) an.

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Die Via Solferino heißt bei den Mailändern schon "Food District". Neben dem Ramen-Restaurant und den schrillen neuen Bars Dry und Pisacco gibt es hier noch die alte Dame Enoteca Cotti, einen atemberaubenden Weinladen im Liberty-Stil. Außer einer famosen Flaschenauswahl – die Besitzerin braucht eine verschiebbare Bibliotheksleiter, um an die Flaschen in vier Metern Höhe zu kommen – gibt es hier auch sonst alles für Geist und Leber, etwa Bier aus Mini-Brauereien und eine Whisky-Auswahl bis zum Jahrgang 1929. Die Vinothek ist einer dieser großartigen Weinläden, die ganz einfach nicht sterben dürfen. Auch das Giannino nahe dem Hauptbahnhof ist unter seinem neuen Besitzer zum alten Glanz zurückgekehrt; Fußballer, Models und Millionäre essen hier eher schlichte, sie nicht überfordernde lombardische Hausmannskost wie das Cotoletta alla milanese, das mit teuren Rotweinen heruntergespült wird (wichtig: das Etikett so platzieren, dass die Nebentische es gut sehen können). Manager Michele Bovi setzt auf große italienische Tropfen, vor allem aus dem Piemont und der Toskana, und kauft beim ungeliebten Cousin Frankreich nur ein, wenn es wirklich sein muss – etwa beim Champagner.

Spannender ist allerdings die Event-Stätte Carlo e Camilla in Segheria von Carlo Cracco: In einem alten Sägewerk sitzen alle an einer gigantischen, t-förmigen Tafel, dazu gibt es Cocktails des brillanten Barkeepers Filippo Sisti.

Mode und mehr

Wir sind ja immer noch in Italien. Und mehr Mode als in Mailand geht beinahe nirgends. Das Quadrilatero della Moda, das Modequadrat im Zentrum, gebildet von der Via Monte Napoleone, der Via Manzoni, der Via della Spiga und dem Corso Venezia, vereint alle, wirklich alle italienischen Marken von Weltruf. Man muss das gesehen haben, aber einkaufen muss man hier nicht. Zu teuer, zu viele Fototouristen mit "iPhone"-Blitz, zu viele verrückte Millionäre aus allen Ländern, die blind einfach mal alles kaufen. Nichts gegen Dolce & Gabbana, aber man sollte sich seine teuren Teile lieber nicht im Flagship-Store zulegen.

2015 fand in Mailand unter dem Motto "Den Planeten ernähren, Energie für das Leben" die Weltausstellung statt. Die Expo lockte 21 Millionen Menschen in die Metropole

Le Cantine Isola ist ein Aperitivo-Klassiker

Cleverer kann man sich im Brian & Barry einkleiden, einem genialen neunstöckigen Modekaufhaus: zwei Stockwerke für den Mann (unterteilt nach sportlich-hip & klassisch-konservativ), drei für die Frau, dazu Eataly-Delikatessen, eine Weinhandlung und einiges mehr. Oben gibt es eine Dachterrasse mit dem Restaurant des "verrückten" Chefs Matteo Torretta, der unter anderem ein "Business-Menü" serviert – Vorspeise, Primo und Hauptgang auf einem Teller, dazu ein Glas Wein. Wenn es eben mal schneller gehen soll...

Auch einen Besuch wert: Zeitgleich zur Expo eröffnete das gigantische Mode- und Designzentrum Scalo Milano mit 300 Geschäften. Keines dieser seelenlosen Outlet-Center vom Reißbrett, auch keine Mall nach US-Vorbild, die zur Hälfte aus Fastfood-Ketten und Starbucks-Läden besteht, sondern, so wollten es die Betreiber, wirklich nur Modegeschäfte, die Klasse versprechen, aber sich den Showroom im exorbitant teuren Modequadrat nicht (mehr) leisten wollen.

Eines wird in Mailand allerdings ohnehin niemals gehen: Billigurlaub mit Schnäppchenjagd. Seien Sie also nicht knausrig und gönnen Sie sich etwas Glamour – Sie haben es sich verdient

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