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Award PGA of Germany

Familiensache

Bei dem Award der PGA of Germany wurde Esther Henseleit
ausgezeichnet und zudem etwas überraschend die Familie Long:
Sohn Hurly als Player of the Year und Vater Ted als Teacher of the Year

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  • PGA of Germany – Award 2019: Hurly Long Spieler des Jahres

Familiensache

Im Kongress Palais der Stadt Kassel wurden am Galaabend der PGA of Germany die Besten ausgezeichnet. Manch einer der 300 Gäste war ob der ein oder anderen Award-Entscheidung überrascht – das Golf Journal ebenso.

Sind wir doch mal ehrlich: Awards haben einen ganz speziellen Charme und die Bekanntgabe der Gewinner sorgt mitunter für reichlich Zündstoff. Gut, das trifft nicht unbedingt für die Wahl des Weltfußballers des Jahres zu, denn da wird es entweder Ronaldo oder Messi. Kommando zurück: Luka Modric hat sich 2018 reingemogelt.

Kommen wir aber mal zu unserem Sport, dem Golf und dem Award der PGA of Germany für die Spieler des Jahres und den Trainer des Jahes 2019. Fangen wir mit der Spielerin des Jahres an. Die Auszeichnung ging an Esther Henseleit. Nun, alles andere wäre schlichtweg undenkbar und inakzeptabel gewesen. Als Rookie ist die Hamburgerin auf der Ladies European Tour durchmarschiert, sie gewann die Gesamtwertung, zudem das letzte Turnier der Saison und nebenbei sicherte sie sich auch die Spielberechtigung auf der LPGA Tour 2020. Eins mit Stern für diese Leistung und somit auch verdient Player of the Year.

Weiter geht's mit den männlichen Profis. Fairerweise muss man zugeben, dass es eine gewisse Herausforderung war. Rein sportlich hätten die Mitglieder der PGA of Germany nicht lange überlegen und für Xander Schauffele stimmen müssen. Haben sie nicht, und das ist verständlich. Der gebürtige Amerikaner hat den deutschen Pass und bereiste bereits zwei Mal Deutschland (u.a. Porsche European Open),  doch im Grunde genommen ist die Personalie Schauffele ein ziemlicher Klamauk. Beim Presidents Cup im Dezember 2019 trat er bereits für die USA an.

Martin Kaymer, Marcel Siem und Max Kieffer haben sich nicht wirklich aufgedrängt. Das tut ein Bernhard Langer dagegen immer. Wieder top auf der Champions Tour in den USA und mit fast 62 gewann er mit der Senior Open Championship ein weiteres Major. Seine Wahl, auch wenn es die gefühlte 99. gewesen wäre, hätte man durchgewunken. Er wurde Dritter mit weitem Abstand zum Gewinner.

Der heißt Hurly Long. Unbestritten ein herausragender Golfer, mit viel Talent und Ambitionen ausgestattet. Unbestritten ein feiner Kerl, unbestritten einer, der unbedingt nach oben will. Als Gesamtsieger der Pro Golf Tour 2019 hat er unbestritten eine überragende Saison abgeliefert und verdiente sich den Aufstieg auf die Challenge Tour. Und unbestritten gehörte er auch auf die Liste der Nominierten. Doch »Player of the Year«? Das ist umstritten. Long hat offensichtlich eine große Fangemeinde, schließlich votierten viele für ihn. Er hatte einen deutlichen Vorsprung

Und zwar vor Sebastian Heisele. Der  »Lange« startete holprig in die Challange Tour 2019, war im Sommer mehrere Wochen verletzt und zündete dann ab September den Turbo und schaffte letztlich souverän die Rückehr auf die European Tour. Das war außergewöhnlich.

Und deswegen die Frage: Ist Heiseles Wiederaufstieg in die Königsklasse nicht höher einzustufen?

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Family Affair

Auch bei der Bekanntgabe des »Teacher of the Year« hat der ein oder andere Anwesende in Kassel das Gesicht verzogen. Es wurde Ted Long, zum dritten Mal nach 2014 und 2017. Der Amerikaner (59) steht seinem Sohn mit Rat und Tat zur Seite, er wirbelt im GC Mannheim-Viernheim und betreut viele Spitzenamateure und auch Profis. Entsprecheng lang war (erneut) die Erfolgsliste. Long ist Golf-besessen und versteht die PR-Klaviatur in eigener Sache bestens.

Mit Erfolg. Nach der ersten Abstimmung, bei der alle Mitglieder der PGA mitmachen konnten, lag er bereits vorne. Zur zweiten Abstimmung wurden nur noch die zehn Besten des Votings zugelassen sowie der PGA-Vorstand, der PGA Ausbildungskoordinator und der Vorsitzende des Prüfungsausschusses der PGA of Germany. Ingesamt 19 Personen bilden das zweite Wahlgremium. Am Ende wurden die Punkte beider Abstimmungen addiert und Long stand ganz oben.

Trotzdem sprach beim Trainer des Jahres viel für andere Kandidaten. Beispielsweise für Peter Wolfenstetter, der die Auswahl des Stuttgarter GC Solitude zum Herren-Sieger in der Kramski Deutsche Liga führte oder Pascal Proske mit seinen beeindruckenden Erfolgen mit den Damen aus St. Leon-Rot. Oder auch Christian Lanfermann. Er erhielt zwar 2018 bereits die Auszeichnung und man möchte auf PGA-Seite Wiederholungen vermeiden, allerdings überzeugte seine Musterschülerin Esther Henseleit als Rookie auf der LET und seine Falkenstein-Damen fuhren Bronze bei der Deutschen Mannschaftsmeisterschaft ein.

So ist es halt eine Vater-Sohn-Wahl geworden. Das ist eine tolle Geschichte, jedoch eine mit einem Geschmäckle. Vor allem in Bezug auf das Wahlverfahren, das Ted Long seit Jahren in Frage stellt: »Das System ist eine Katastrophe. Es muss von Grund auf geändert werden.«

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