Golf Clinic mit Matt Messer im Golf Resort Bad GriesbachGolfregeln-2019
Golfregeln: Pro & contra Suchzeitverkürzung

3 oder 5 Minuten?

Ab Jahresbeginn 2019 gilt im Golfsport ein neues, teilweise signifikant verändertes Regelwerk. Den meisten Zündstoff dürfte dabei wohl die von R&A und USGA beschlossene Verkürzung der Ballsuchzeit auf nur noch drei Minuten enthalten, über die auch in der GJ-Redaktion bereits kontrovers diskutiert wird.

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Günter O. Reiter

ist stellvertretender GJ-Chefredakteur und Spezialist für Reise- und Wirtschaftsthemen rund um die Golfbranche

Autor

Alexander Huchel

spielt Golf von Kindesbeinen an. Der ehemalige Spitzenamateur leitet die Ressorts Equipment und Training 

Nur noch 25 statt bislang 34 »Rules of Golf«, nur noch drei statt bislang fünf Minuten Suchzeit für neben den Fairways verschwundene Bälle. Das Ziel der beiden obersten Regelhüter im Golf ist klar: Der R&A und die USGA wollen den Sport leichter verständlich, weniger zeitraubend und damit attraktiver machen.

Ob durch die teils massiven Regeländerungen ab 2019 tatsächlich neue Spieler angelockt werden können, muss sich erst noch zeigen. Die verkürzte Suchzeit allerdings hat in der GJ-Redaktion schon jetzt eine kontroverse Debatte ausgelöst.

Pro

Günter O. Reiter: Kürzer suchen, schneller spielen – endlich wieder (Turnier-)Runden unter fünf Stunden! Ja, ich finde es definitiv gut, die Zeit für die Suche nach im Rough oder Wald gelandeten Bällen auf drei Minuten zu verkürzen.

Denn in der Praxis ist es bislang doch so: Nur ein Teil der Golfer schaut auf die Uhr und gibt nach fünf Minuten seinen Ball verloren. Die anderen – und das sind leider gar nicht so wenige – suchen selbst dann noch unverdrossen weiter, wenn Mitspieler oder gar der Flight hinter ihnen sie höflich aber bestimmt auf die längst abgelaufene Zeit hinweisen. (Nebenbei bemerkt: Die besonders gründlichen »Geländeerkunder« sind häufig identisch mit jenen Golfern, die im Stableford-Turnier auch noch den elften Schlag aus sieben Metern putten wollen.)

Ob unser Sport durch diese Maßnahme attraktiver wird und wieder mehr Fans gewinnt? Vielleicht. Denn Fakt ist, dass seit Jahren in fast allen Umfragen – unter Golfern und Nicht-Golfern – der hohe Zeitbedarf als größtes Hindernis genannt wird. Und, mal ehrlich, wer von uns hat nicht schon das ein oder andere Turnier sausen lassen, weil ihm bereits vorher klar war, dass die Runde wieder mal sechs Stunden oder noch länger dauern wird?

Contra

Alexander Huchel: Es ist natürlich schön und gut, wenn sich die offiziellen Regelhüter Gedanken machen, wie Golf attraktiver gestaltet werden kann. Doch ich habe Bedenken, dass ausgerechnet Regeländerungen dazu beitragen. Klar, neue Ideen, die Zeit sparen, sind zu begrüßen. Aber gerade die Suchzeit für Bälle einzuschränken, ist meiner Meinung nach der falsche Weg.

Wer ab und zu fünf Minuten seinen Ball sucht, macht das Spiel sicherlich nicht so langsam wie jemand, der permanent sein Bag zehn Meter vor dem Grün stehen lässt oder fortwährend seine Scorekarte am Grün des gerade gespielten Lochs ausfüllt. Auch die Vorbereitung auf den eigenen Schlag (z.B. Schlägerwahl, Grünlesen) – noch während der Mitspieler seinen Schlag durchführt! – spart immens Zeit. Die »Ready Golf«-Empfehlung hilft da künftig hoffentlich weiter.

Überhaupt nicht verstehen kann ich aber das Argument, Golf durch Regeländerungen zukunftsfähiger und womöglich attraktiver zu machen. Es kann doch bitte keiner ernsthaft davon ausgehen, dass jemand diesen Sport anfängt, weil man das Regelwerk etwas ausgedünnt hat. Regeländerungen machen das Spiel unterm Strich bestenfalls ein wenig unkomplizierter, doch attraktiver und schneller wird es dadurch keinesfalls.

Für alle unsere Leser und User, die ebenfalls in diese Debatte einsteigen und ihre Meinung dazu kundtun wollen, haben wir übrigens eine »Frage des Monats« zum Thema vorbereitet.

Und die wichtigsten Neuerungen des Regelwerks haben wir hier in einem Beitrag mit Bildergalerie kurz zusammengefasst.

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