Dr. Yael Adler Interview
Interview

»Golfer mit Handicap«

Ein Interview mit dem ehemaligen Baseball-Star – Manuel de los Santos

Chefredakteur GolfMedico

Antonio Marin

Gründer der Golfmedico. Fokussiert auf das gute, neugierige Gespräch in Sachen Golfmedizin.   

Als Manuel de los Santos 2003 nach seinem schweren Motorradunfall aus dem Koma erwachte, wurde dem damals 18-jährigen schnell bewusst, dass seine Karriere als Baseballstar vorbei war. Seine sportlichen Träume, für die das vielversprechende Nachwuchstalent so hart trainiert hatte, schienen durch die Amputation seines linken Beines jäh beendet. Umso erstaunlicher, wie ein junger Mann diese schwere Reise zurück ins Leben dann gemeistert hat. Wir trafen Manuel de los Santos in seiner Wahlheimat Paris und führten ein inspiratives Gespräch über Glück im Unglück...

Dürfen wir fragen, wie sich die Situation damals, direkt nach dem Unfall, für Dich anfühlte?
Natürlich. Die Zeit im Krankenhaus war geprägt von Tristesse und fehlender Zukunftsperspektive. Alles was man in seinen jugendlichen Träumen zeichnete, war plötzlich ausgelöscht. Das ist zunächst einmal eine unbeschreibliche Leere. Es ist, als stünde man plötzlich ganz alleine auf der Welt.

Wie lange dauerte es denn bis Du wieder Lebensgeister sehen konntest?
Es dauerte fast ein Jahr. Ich zog mit meiner Frau Elena nach Paris und Sie kam mit der DVD »Die Legende von Bagger Vance« von der Videothek nach Hause (ein sehr erfolgreicher Golf-Film mit Matt Damon und Will Smith, anm. d. Red.). Dieser Film änderte mein Leben! Ich sagte zu Elena, dass ich sofort morgen früh probieren wolle, Golfbälle auf der Range zu schlagen. Wir fuhren direkt um 08 Uhr hin und ich begann mit einem Eisen 5, dass ich sofort an die 200 Meter schlug. Ich stellte fest, dass mein Baseballgriff und mein Gleichgewichts- und Balance-Sinn auch mit einem Bein voll intakt waren. Also schlug ich Bälle, viele Bälle (lacht).

Seitdem sagen Sie, dass Sie beim Golf zwei Beine haben, wie meinen Sie das?
Ich vergesse mein Problem beim Golfen. Ich nutze die Gehhilfen nur beim gehen zum nächsten Schlag, aber ich schlage ausschließlich ohne weitere Hilfen. Ich vergesse tatsächlich alles beim Golf. Ich bin so fokussiert und so leidenschaftlich bei der Sache, dass ich mich manchmal frage, weshalb die Leute mich so anstarren (lacht).  

Sie spielen aktuell Handicap –4,0. Das schaffe ich nicht einmal mit zwei Beinen, was ist Ihr Geheimnis?
Ja, das höre ich sehr oft. Das Geheimnis ist nicht leicht erklärt, es ist eine Mischung aus vielen Dingen. Sicherlich hilft mir zunächst einmal mein Balance-Training, durch das ich eine funktionierende Gefühls-Stufe für die Gewichtsverlagerung erreicht habe. Das kommt aber auch aus meiner Baseball-Jugend. Den Ball mit dem Baseball-Schläger zu treffen, ist zudem ein ähnlicher Bewegungsablauf. 

 

Ich bin so fokussiert und so leidenschaftlich bei der Sache, dass ich mich manchmal frage, weshalb die Leute mich so anstarren.

 

Sie spielen jetzt viele Profi- und Amateur-Turniere in der Pro-Am`s mit, geben Golf-Klinik-Tage für Erwachsene und Kinder, halten Vorträge vor Firmen und in Vereinen, sind Meister der Behinderten-Golfer und fahren als Botschafter des Lebenswillens kreuz und quer durch die Welt. Wie denken Sie mit dem Abstand von 10 Jahren über Ihren Unfall? 
(denkt lange nach). Ich könnte nicht unbedingt sagen, dass ich dem Verlust eines Beines etwas Positives abgewinnen kann, aber die Frage ist sehr berechtigt, da ich mittlerweile auch an gewisse Fügungen im Leben glaube. Die Lebensphase die ich im Golfsport derzeitig erlebe ist einzigartig. Ich kann viele Menschen emotional berühren, Sie zum Nachdenken anregen,, und ihnen etwas Hoffnung und Mut geben. Das sind Dinge, die ich ohne meinen Unfall sicherlich nicht gekonnt hätte. Aber mittlerweile habe ich mich so in meinem neuen Leben eingerichtet, dass ich manchmal vergesse wie es vorher war. Das ist schon eine interessante Eigenschaft des Menschen: die neuen Umstände relativ schnell in Gewohnheit umzuwandeln. 

 

Ich kann nicht direkt sagen, dass ich dem Verlust eines Beines etwas positives abgewinnen kann.

 

Wie sieht ein normaler Tagesablauf bei Ihnen aus? Trainieren Sie viel?

Ja, ich stehe bereits morgens um 09 Uhr auf der Range und schlage Bälle. Danach übe ich sehr viel Kurzspiel. Dann kommt ein intensives Krafttraining. Hier ist gerade die Rumpfmuskulatur extrem wichtig beim Golf. Das wiederhole ich Tag für Tag. Es ist halt meine Lieblingsbeschäftigung!

Ihr bester Tipp für uns zweibeinige Golfer?
(überlegt). O.K., stellen Sie sich vor, Sie würden einen Stein ins Meer werfen, der einige Male an der Wasseroberfläche aufprallen soll. Diese Bewegung kommt dem korrekten Bewegungsablauf beim Golf sehr, sehr nah. Ach, und arbeiten Sie am kurzen Spiel. Das ist – unglaublich aber wahr – meine absolute Lieblingsdisziplin (lacht).

Steckbrief

Manuel de los Santos
Golfer mit Handicap

Nach einem Schicksalsschlag findet der Baseballstar Manuel De Los Santons zum Golfsport. Er spielt auf einem Bein.