Christian NachtweyAndreas Spaetgens
Interview

Die große Inspektion – Sinn oder Unsinn?

Unser Autor hat sich auf die Spuren der männlichen Angst begeben und in einem mutigen Selbstversuch die Momente der Untersuchung und Diagnose in der Max Grundig Klinik durchlebt. Ein lesenswerter Erfahrungsbericht.

Chefredakteur GolfMedico

Antonio Marin

Gründer der Golfmedico. Fokussiert auf das gute, neugierige Gespräch in Sachen Golfmedizin.   

Über den Sinn und Unsinn von Check-ups lässt sich nur urteilen, wenn man sich in den Selbstversuch begibt. Unser Redakteur hat sich in die Gefilde der Medizin begeben. Die Frage, ob dabei etwas Unangenehmes entdeckt wird, manifestierte sich zum zentralen Bedenken des Tages. Ein Erfahrungsbericht.

Ein Ort der Stille und Erholung – so wollte es Max Grundig. Der große Unternehmer und Visionär widmete sich nach dem Aufbau seines elektronischen Nachkriegsimperiums der Medizin. Diese sollte nach seinem Dafürhalten an Orten stattfinden, die maßgeblich zur Heilung beitragen. Zudem wollte er die sprechende Medizin leben, bei der der Mensch im Mittelpunkt steht. Gelungene Lage, würde ich bei der Max Grundig Klinik sagen, und lasse meinen Blick vor dem Betreten der schlossähnlichen Anlage über die Weiten der Bühlerhöhe gleiten.  

 Nach Anmeldung im Sekretariat holt Dr. Paulus mich fünf Minuten später ab und führt mich in die Funktionsabteilung »Diagnostik und Labor«, die aus einem Komplex mit etlichen Untersuchungsräumen besteht. Diese reichen vom Blutabnehmen bis zur Lungenfunktionsprüfung usw. Er erklärt mir meinen Terminplan und freut sich darauf, mich später zur Besprechung der Ergebnisse zu treffen. Ein empathischer Typus Arzt, der mir durch gute seine fundierte Einführung den Respekt vor dem Tag nimmt.

Dann geht es los: Blut abnehmen, Lungenfunktion, Belastungs-EKG, körperliche Untersuchung, Ultraschall der Bauchorgane und der Schilddrüse sowie der Prostata. Bei der Prostatauntersuchung fällt mir ein Witz ein, den ich hier leider nicht zum Besten geben kann. In dem Moment verhindert er aber erfolgreich, dass ich dem Arzt nicht den Finger abkneife...

Bei der Ultraschalluntersuchung werde ich gefragt, ob bei mir schon einmal Untersuchungen in anderen bildgebenden Verfahren durchgeführt wurden. Ich verneine und erhalte das Angebot, statt das Herz zu schallen, eine Untersuchung im CT und MRT zu erhalten. Ich stimme zu, weil ich der Meinung bin, nach meiner doch schon beachtlichen Lebens-Kilometerleistung ruhig einmal ins Innere blicken zu können. Mir wird noch erläutert, dass CT- und MRT-Untersuchungen eigentlich nur dann Anwendung finden, wenn der Patient es entweder ausdrücklich wünscht oder die Ärzte weiteren Fragen nachgehen müssen, nachdem sie in der Voruntersuchung auffällige Parameter entdeckt haben.

Was bei Männern in Sachen PKW alljährliches Ritual ist, gilt für den eigenen Körper noch lange nicht... 

Nach 2,5 Stunden sind alle Untersuchungen beendet und ich erfahre, , dass auch meine Blutwerte, die bei anwesenden Patienten durch das hauseigene Labor umgehend aufbereitet werden, bereits vorliegen werden.. Besonders interessant fand ich die Methode zur Blutdruckmessung: An vier Punkten (Hand- und Armgelenke) wird gleichzeitig gemessen. Dieses Gerät hat der leitende Internist der Klinik, Prof. Curt Diehm, mit entwickelt. Sollte sich an einem Punkt ein wesentlich niedrigerer Blutdruck als an den anderen Dreien ergeben, würde man direkt (per bildgebendem Verfahren) nach einer »Engstelle« in diesem Bereich suchen. Genial und leuchtet selbst mir als Laien sofort ein. Wird nur leider beim Hausarzt nicht realisiert, obwohl es nur 20 Euro kostet. Bei jedem Fünften entdeckt man hier eine Engstelle, die sich zumeist einfach beheben lässt. Bei 20 Prozent der »Unentdeckten Patienten« hingegen, gibt es eine so genannte Übersterblichkeit. Der Arzt erklärt mir: Weist die Engstelle ein Problem auf, kann es sich zum Problem für das Herz entwickeln. Bei einem von drei Patienten löst eine Durchblutungsstörung einen Infarkt aus, den wiederum einer von dreien nicht überlebt. Eine miese Quote, denke ich.

Meine mutiges Ja zu CT und MRT beginnt jetzt, nach Abschluss der übrigen Untersuchungen, für eine mulmiges Gefühl zu sorgen: »Was, wenn dabei etwas gefunden wird?«, »Du hast doch fast 20 Jahre lang geraucht.« Das Kopfkino ist in vollem Gange...

Das CT ist nach gefühlten zwei Minuten ruckzuck erledigt. Dabei fährt ein offener Scanring über Hals und Brustkorb. Vor dem MRT habe ich schon ein wenig mehr Respekt. Was hört man nicht alles über diese Untersuchung... Der behandelnde Radiologe ist ein erfahrener und gleichermaßen entspannter Arzt. Er zeigt mir die Fortschritte in der MRT-Diagnose sowie die Vorzüge des hier stehenden Gerätes. Mit 70 Zentimetern Umfang sei es fast schon komfortabel. Zudem wirkt der MRT-Raum heute freundlich-offen, nachdem er bei der letzten Umbaumaßnahme mit Fenstern versehen wurde. Also rein in die Röhre und 25 Minuten lang Tierfilme schauen. Über einen Spiegel blickt man auf den Fernseher, was die Untersuchung irgendwie in Vergessenheit geraten lässt. 

Dann der schwerste Gang zur Auswertung, der, so glaube ich, der Grund dafür ist, dass die meisten Männer keine Vorsorgeuntersuchung machen lassen. Es ist vermutlich latente Angst, dass doch etwas gefunden wird. Nüchtern betrachtet, ist das allerdings zugleich die größte Idiotie, die man im Fall der Fälle begehen kann. Denn Gegensteuern und Heilen ist überwiegend nur in frühen Phasen einer Erkrankung eine realistische Option. Dazu fallen mir direkt eine Menge Bekannte ein, die ihre Autos jedes Jahr brav für 500 Euro zur Inspektion fahren, sich selbst aber seit Jahrzehnten keinem Check unterziehen.

 Also rein zum Radiologen... Der Mann liebt seinen Beruf, soviel steht fest. Er betrachtet begeistert die Bildschirme im dunklen Raum und zeigt mir 3D-Aufnahmen meiner Hals- und Kopfgefäße, des Gehirns, der Lunge sowie des Herzens. Immer wieder betont er dabei: »Ist das nicht schön?«. Ein Mann, der hier seine Berufung lebt! Und dann endlich die erlösenden Worte: »Bei Ihnen ist wirklich alles top in Ordnung.« Keine Aneurysmen, keine geweblichen Veränderungen, kein Kalk im Herzen, keine Engstellen. Ein unbeschreiblich befreiendes Gefühl, denn wenn man ehrlich ist, fragt man sich nach einer gewissen Lebenslaufzeit schon, ob alles gänzlich spurlos an einem vorbeigegangen ist...

Die Blutwerte sind ebenfalls ok und mittlerweile hat sich auch Dr. Paulus uns wieder angeschlossen. Wir gehen die Werte durch und er entlässt mich mit dem Ratschlag, weiterhin ein wenig Acht zu geben, denn damit sei schon viel erreicht. Gewicht im Blick behalten, ausreichend bewegen und Suchtverhalten reduzieren.

Gut, dass ich so mutig war. Es stellt sich so langsam das Gefühl ein, dass sich die Untersuchung wirklich gelohnt hat. In nur knapp 3,5 Stunden habe ich mich und meinen Körper auf den neuesten Stand gebracht. Wenn ich mir vorstelle, wo ich mir für diesen Check überall hätte Termine holen müssen, leuchtet mir das Prinzip der Klinik ein. Wäre etwas gewesen, hätte man zwar einen sauren Apfelbiss, aber dennoch die Möglichkeit, rechtzeitig einzugreifen. Zudem wird hier das System der Konsiliarärzte (eine direkte zweite Meinung) angewandt, bei dem sich sofort ein weiterer Spezialist auf dem jeweiligen Gebiet mit dazugesellt. 

Den wichtigsten Satz, der mir die Frage nach dem Sinn oder Unsinn einer großen Inspektion schlussendlich beantwortet, gab mir Herr Dr. Paulus mit auf den Weg: »Es gibt Krankheitsbilder, für deren Heilung es beim Auftreten körperlicher Beschwerden bereits zu spät ist