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Masters

Missing in Action

Das Masters 2016 findet ohne Tiger Woods statt. Er muss verletzungsbedingt zuschauen und wir schauen in die Röhre. Eine Hommage an den Großmeister

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Autor

Stefan Maiwald

ist Buchautor, Kolumnist, Single-Handicapper und langjähriger GJ-Autor 

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  • Masters 2016 ohne Woods

Es ist so verdammt schade. Denn es ist einfach nicht das Gleiche. Das Knistern fehlt. Die Vorfreude. Das Wissen, Geschichte live mitzuerleben, spät am Abend vor dem Fernseher, betört von den schönsten Frühlingsfarben, die aus dem Bildschirm das Wohnzimmer beleuchten, dem magischen Grün der Fairways und dem blendenden Weiß der Bunker.

Ja, die neue Generation hat großartige Spieler. Den cleveren Jordan Spieth, den Bomber Jason Day, den begnadeten Rory McIlroy. Und gerade beim Masters gibt es so viele interessante Pros jenseits der ersten Drei zu bewundern. Kann Bubba Watson um sein drittes grünes Jackett mitspielen oder Adam Scott um sein zweites? Wird Martin Kaymer sein Augusta-Trauma überwinden? Was ist mit Henrik Stenson, dem ewigen Geheimfavoriten bei jedem Major? Oder mit Louis Oosthuizen, der auch schon nah dran war und sich derzeit in bestechender Frühform zeigt? Wäre es nicht eine großartige Geschichte, wenn ausgerechnet hier Sergio Garcia endlich sein erstes Major gewinnt? Auch Rickie Fowler und Dustin Johnson jagen ihren ersten ganz großen Titel. Und warum nicht Brandt Snedeker? Oder Jimmy Walker? Oder Justin Rose?

Wo, wenn nicht beim Masters, war seine Aura spürbar?

Aber es war doch immer etwas Besonderes, wenn er am Abschlag erschien. Selbst im ohnehin schon wohlerzogenen Publikum Augustas wurde es noch einmal ein bisschen stiller. Man hörte ein paar Blätter, die im Wind raschelten, dann das Geräusch seiner zwei oder drei Probeschwünge, dann noch die kurze Ansage des Starters. Und dann hörte man den Schlägerkopf am Ball. Kein Treffer, sondern eine Explosion. Und: Man musste nicht am ersten Abschlag von Augusta stehen, um diesen besonderen Moment mitzubekommen. Man spürte ihn auch ganz deutlich ein paar tausend Kilometer entfernt.

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Immerhin: Es gibt ein Schwungvideo von Tiger Woods, aufgenommen am 24. Februar dieses Jahres. Und das, nachdem ihm aufgrund der Rückenprobleme schon eine Zukunft im Rollstuhl angedichtet wurde. Ist er vielleicht schon zur Players Championship im Mai zurück, wo er einen der legendärsten Golfschläge seiner Karriere zeigte, den dreifach brechenden Putt an der mindestens genau so legendären 17, der von den US-Kollegen noch im Rollen mit "Better than most" kommentiert wurde? Wir dürfen hoffen, denn gerade an diesem Mittwoch kam die Meldung, dass Tiger sich schon bis zum vollem Eisen 9 hochgearbeitet hat.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber mir fehlt er. Vor allem aber fehlt er mir beim Masters. Wo, wenn nicht hier, war seine Aura spürbar? Er spielte so gut wie immer um den Sieg mit, kein Platz kommt seinen Stärken besser entgegen – und in seinen besten Jahren bestand ja sein gesamtes Spiel nur aus Stärken. Bemerkenswert: Seit 1995 verpasste er trotz seiner zahlreichen Verletzungen nur ein einziges Mal das erste Major der Saison – im Jahr 2014. Nun kommt, wenn kein Wunder geschieht, auch 2016 dazu.

Aber vielleicht hat der Golfgott ja etwas ganz Besonders mit Tiger Woods vor? So wie 1986 mit Jack Nicklaus, dem längst abgeschriebenen 46-Jährigen, der von allen belächelt wurde, weil er es immer noch mit den jungen Bombern aufnehmen wollte? Und der dann dank einer unfassbaren Schlussrunde am Sonntag (auf den letzten 9 Löchern spielte er sechs Schläge unter Par) doch noch das Masters gewann? 

Tiger wird im Dezember 2021 46 Jahre alt. Ganz ehrlich: Das ist mir zu lange.

Steckbrief

Tiger Woods

• Geb. am 30.12.1975 in Cypress, Kalifornien
• Geschieden, zwei Kinder
• Seit 1996 Profi, 106 Turniersiege weltweit
14 Major-Titel (der letzte 2008)
• Einer von fünf Spielern, die den Career Grand Slam erreicht haben
• Nummer eins der Welt für 683 Wochen

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