Die mexikanische Halbinsel an der Karibikküste rüstet kräftig auf, um Greenfee-Gäste aus aller Welt anzulocken. Zum amerikanisch geprägten Ambiente von Cancun gehört erfreulicherweise auch, dass für viel Geld einige Top-Platzdesigner geholt wurden
Von Herbert Stupal. Jeder Grashalm schein manikürt zu sein, fast wie mit einer Schere geschnitten. Der Golfball läuft auf einem dichten, tiefgrünen Rasen, nichts beeinflusst seine Richtung, höchstens das leicht hängende Grün. Und es herrscht eine geradezu wunderbare Ruhe, nur gestört durch das Rascheln der Palmenblätter in einer sanften Brise. Doch dann, urplötzlich, ein Jubelschrei: »Birdie!«, hört man auf der benachbarten Bahn eine männliche Stimme voller Freude rufen. Danach ist wieder Ruhe.
Wer nun glaubt, dass sich diese Geschichte auf einem gut gepflegten Golfplatz in südlichen Regionen der USA ereignet hat, der liegt nicht so ganz falsch. Zwar heißt der Schauplatz dieser Handlung Cancun und liegt in Mexiko. Doch die Stimme gehört Mark aus Chicago, der mit seinen Freunden für ein Wochenende angereist ist – und auch die Golfanlage, die umliegenden Hotels sowie das gesamte Ambiente präsentieren sich sehr stark amerikanisch beeinflusst.
Nun ist es aber beileibe nicht so, dass die an der Karibikküste konzentrierten Plätze und Resorts die weitläufige Landschaft der Halbinsel Yucatan dominieren. Im Gegenteil. Wer mit dem Auto ins Landesinnere fährt, der trifft mitten im Dschungel auf fast dämonisch anmutende Städte, skurrile steinerne Figuren an allen Wegen, meist überragt von gewaltigen Pyramiden. Die beeindruckendste dieser Ruinen ist Chichen Itza, etwa 200 Kilometer von Cancun entfernt. Über 365 Stufen, welche die Tage des Jahres darstellen, gelangt man hier auf die Spitze der 40 Meter hohen Pyramide Kukulcan, von der sich ein herrlicher Ausblick auf die ehemalige Maya-Metropole bietet. Bereits vor 20 Jahren wurde die Kultstätte von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt, und seit 2007 zählt Chichen Itza sogar zu jenen »Sieben neuen Weltwundern«, die per weltweiter Internet-Abstimmung gekürt wurden.
Wer allerdings Kultur mit einer Portion Romantik verbinden will, der sollte die Ruinen von Tulum besuchen, die südlich von Playa del Carmen direkt am Meer liegen. Der vor rund 1.000 Jahren gegründete Ort war bis zum Eintreffen der Spanier eine blühende Handelsmetropole. Heute sind die historischen Gebäude zwar nicht mehr ganz so gut erhalten – dafür aber ist Tulum durch seine Lage, mit dem azurblauen Meer der Karibik im Hintergrund, landschaftlich ein Juwel und definitiv einen Besuch wert.
Yucatan ist also auch eine Art Freiluftmuseum, doch Pedro Delgado, der Manager des Golfclubs von Moon Palace, hat trotzdem eher weniger Beziehung zur Vergangenheit. In seinem Restaurant findet man höchstens auf der Speisekarte den Bezug zur Geschichte, mit Maya-Spezialitäten. Die unterscheiden sich jedoch nicht wesentlich von der uns bekannten mexikanischen Küche, selbst landestypische Restaurants in kleineren Orten, die durchaus zu empfehlen sind, haben eine weitgehend ähnliche Speisekarte, wie wir sie vom Mexikaner um die Ecke kennen. Allerdings sind die Speisen meist stärker gewürzt, für manchen europäischen Gaumen vielleicht schon zu sehr – und richtig scharf sind die beigelegten Pepperoni, die nur abgehärteten Naturen zu empfehlen sind.
»Noch einen Tequila?« Die Frage von Alfonso, dem Barmixer im Moon Palace, bejaht man gerne. Denn auch hier ist, wie in vielen Resorts, im Greenfee alles inklusive. Und natürlich bietet Alfonso nur hochwertigen Tequila an, der zu 100 Prozent aus Agaven gewonnen wird, nicht die Billigware aus den Supermärkten. Eine schöne Abrundung des Spiels auf dem Signature-Kurs von Jack Nicklaus, dessen Pflegezustand man nur als herausragend bezeichnen kann. Auch wenn dieser vielleicht je nach Jahreszeit variieren mag: Das großartige Layout, die relative geringe Auslastung und die Vielzahl an preiswerten Arbeitskräften ergeben hier eine insgesamt sehr hohe Qualität. Wobei »Signature« übrigens heißt, dass sich der Architekt persönlich intensiv um dieses Projekt gekümmert hat (was dann allerdings das Honorar in den Millionenbereich steigert).









