Logo: Golf Journal

GOLF JOURNAL Golfzeitschrift

http://www.golfjournal.de/

Springe direkt zu: Servicenavigation Hauptnavigation Bereichsnavigation Inhaltsbereich Zusätzliche Informationen und Links



Inhaltsbereich

Mexiko – Yucatan

Yankee-Golf in Yucatan

Die mexikanische Halbinsel an der Karibikküste rüstet kräftig auf, um Greenfee-Gäste aus aller Welt anzulocken. Zum amerikanisch geprägten Ambiente von Cancun gehört erfreulicherweise auch, dass für viel Geld einige Top-Platzdesigner geholt wurden

 

Von Herbert Stupal. Jeder Grashalm schein manikürt zu sein, fast wie mit einer Schere geschnitten. Der Golfball läuft auf einem dichten, tiefgrünen Rasen, nichts beeinflusst seine Richtung, höchstens das leicht hängende Grün. Und es herrscht eine geradezu wunderbare Ruhe, nur gestört durch das Rascheln der Palmenblätter in einer sanften Brise. Doch dann, urplötzlich, ein Jubelschrei: »Birdie!«, hört man auf der benachbarten Bahn eine männliche Stimme voller Freude rufen. Danach ist wieder Ruhe.

Wer nun glaubt, dass sich diese Geschichte auf einem gut gepflegten Golfplatz in südlichen Regionen der USA ereignet hat, der liegt nicht so ganz falsch. Zwar heißt der Schauplatz dieser Handlung Cancun und liegt in Mexiko. Doch die Stimme gehört Mark aus Chicago, der mit seinen Freunden für ein Wochenende angereist ist – und auch die Golfanlage, die umliegenden Hotels sowie das gesamte Ambiente präsentieren sich sehr stark amerikanisch beeinflusst.

Nun ist es aber beileibe nicht so, dass die an der Karibikküste konzentrierten Plätze und Resorts die weitläufige Landschaft der Halbinsel Yucatan dominieren. Im Gegenteil. Wer mit dem Auto ins Landesinnere fährt, der trifft mitten im Dschungel auf fast dämonisch anmutende Städte, skurrile steinerne Figuren an allen Wegen, meist überragt von gewaltigen Pyramiden. Die beeindruckendste dieser Ruinen ist Chichen Itza, etwa 200 Kilometer von Cancun entfernt. Über 365 Stufen, welche die Tage des Jahres darstellen, gelangt man hier auf die Spitze der 40 Meter hohen Pyramide Kukulcan, von der sich ein herrlicher Ausblick auf die ehemalige Maya-Metropole bietet. Bereits vor 20 Jahren wurde die Kultstätte von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt, und seit 2007 zählt Chichen Itza sogar zu jenen »Sieben neuen Weltwundern«, die per weltweiter Internet-Abstimmung gekürt wurden.

Wer allerdings Kultur mit einer Portion Romantik verbinden will, der sollte die Ruinen von Tulum besuchen, die südlich von Playa del Carmen direkt am Meer liegen. Der vor rund 1.000 Jahren gegründete Ort war bis zum Eintreffen der Spanier eine blühende Handelsmetropole. Heute sind die historischen Gebäude zwar nicht mehr ganz so gut erhalten – dafür aber ist Tulum durch seine Lage, mit dem azurblauen Meer der Karibik im Hintergrund, landschaftlich ein Juwel und definitiv einen Besuch wert.

Yucatan ist also auch eine Art Freiluftmuseum, doch Pedro Delgado, der Manager des Golfclubs von Moon Palace, hat trotzdem eher weniger Beziehung zur Vergangenheit. In seinem Restaurant findet man höchstens auf der Speisekarte den Bezug zur Geschichte, mit Maya-Spezialitäten. Die unterscheiden sich jedoch nicht wesentlich von der uns bekannten mexikanischen Küche, selbst landestypische Restaurants in kleineren Orten, die durchaus zu empfehlen sind, haben eine weitgehend ähnliche Speisekarte, wie wir sie vom Mexikaner um die Ecke kennen. Allerdings sind die Speisen meist stärker gewürzt, für manchen europäischen Gaumen vielleicht schon zu sehr – und richtig scharf sind die beigelegten Pepperoni, die nur abgehärteten Naturen zu empfehlen sind.

»Noch einen Tequila?« Die Frage von Alfonso, dem Barmixer im Moon Palace, bejaht man gerne. Denn auch hier ist, wie in vielen Resorts, im Greenfee alles inklusive. Und natürlich bietet Alfonso nur hochwertigen Tequila an, der zu 100 Prozent aus Agaven gewonnen wird, nicht die Billigware aus den Supermärkten. Eine schöne Abrundung des Spiels auf dem Signature-Kurs von Jack Nicklaus, dessen Pflegezustand man nur als herausragend bezeichnen kann. Auch wenn dieser vielleicht je nach Jahreszeit variieren mag: Das großartige Layout, die relative geringe Auslastung und die Vielzahl an preiswerten Arbeitskräften ergeben hier eine insgesamt sehr hohe Qualität. Wobei »Signature« übrigens heißt, dass sich der Architekt persönlich intensiv um dieses Projekt gekümmert hat (was dann allerdings das Honorar in den Millionenbereich steigert).

 

Den Stellenwert Mexikos als Golfdestination hat inzwischen auch die amerikanische PGA erkannt, seit dem Frühjahr 2007 macht die US-Tour einen Stopp in Cancun. Die PGA-Verantwortlichen haben sich dafür den Platz El Camaleon von Greg Norman ausgesucht, auch das, natürlich, ein Signature-Kurs. Und damit hat man eine gute Wahl getroffen, denn der Platz fordert Spitzenspieler, kann aber auch vom Durchschnittsgolfer mit Freude bewältigt werden. Relativ weite Fairways, die Grüns nur leicht onduliert, akzeptables Rough, lediglich die Grünbunker sind oft frontal angelegt und daher nicht immer einfach zu spielen.

Die schon erwähnte amerikanische Prägung der Golfanlagen auf Yucatan gilt natürlich auch für Preispolitik und Service. Die Greenfees entsprechen in etwa jenen von sehr guten Plätzen in Südeuropa, doch es gibt beachtliche Rabatte für die Runde, wenn man bei der Hotelgruppe nächtigt, zu der die jeweilige Golfanlage gehört. Ferner sind fast alle Plätze rund um Cancun in puncto Qualität und Anspruch als vorbildlich zu bezeichnen. Zudem erwähnenswert ist die vergleichsweise geringe Auslastung, gemessen an Südeuropa oder Florida im Winter, Startzeiten sind gut zu bekommen oder gar überflüssig. Dafür ist im Winter, also der Hauptsaison, das Preisniveau etwas höher, obwohl Cancun durchaus auch als Sommerdestination bezeichnet werden kann. Die Luft ist dann zwar etwas schwüler, aber die Temperatur steigt fast nie über 35 Grad. Und ein Vorteil im Sommer liegt darin, dass das Karibische Meer an die 30 Grad warm wird, was viele als recht angenehm empfinden.

Überhaupt, das Meer. Dort angekommen, fühlt man sich oft eher einsam, trotz traumhaft schönem Strand ist der nächste Badende mitunter mehrere 100 Meter entfernt. Im unmittelbaren Zentrum von Cancun ist das auch nachvollziehbar, hier sind die Strände eher schmal und nicht zu empfehlen – in den Außenbereichen des Orts und in den Resorts bei Playa del Carmen dagegen warten sehr weitläufige und romantische Beaches. Die Einsamkeit hat einen anderen Grund: In Cancun badet man im Swimming-Pool! Wobei dieses Wort ein Understatement darstellt, denn es sind vielmehr riesige Pool-Landschaften, mit Bar im Wasser und ähnlichen Annehmlichkeiten (und für Nichtschwimmer sind diese Pools ohnehin von Vorteil, da die Beckentiefe fast nie die Körpergröße überschreitet).

Dass man übrigens als Urlauber in Cancun nicht zwingend ein Auto benötigt, hat nicht zuletzt damit zu tun, dass im Tourismus mit Cancun fast immer nur die sogenannte »Hotelzone« gemeint ist, die allein drei Golfanlagen in Taxi-Entfernung bietet. (Die eigentlich Stadt Cancun selbst, nördlich davon gelegen, ist ein recht großer, typisch mexikanischer Ort, nett zu besuchen, mit ein paar ordentlichen Restaurants und Bodegas, ansonsten aber ohne jede Attraktion.) Für den neugierigen Golfer jedoch, der mehr sehen und spielen will, ist ein fahrbarer Untersatz dringend zu empfehlen. Der Verkehr in Yucatan ist moderat, es benötigt auch keine große Gewöhnung an die hiesigen Verkehrsverhältnisse, wenngleich die Verkehrsschilder von vielen Mexikanern gerne mit Missachtung gestraft werden.

Mit dem Leihwagen sind dann auch die Plätze der Region Playa del Carmen bequem erreichbar, zum Beispiel der Iberostar Playa Paraiso GC. Auch hier wieder bestens manikürte Grüns, wieder rollt der Ball über gepflegte Fairways, wieder kreuzt Mark mit seinen Buddys unseren Weg. Diesmal hören wir aber eher Murren und Flüche, und diesmal klingt es nicht nach Birdie, wir meinen eher Wörter wie Triple-Bogey oder gar gewisse amerikanische »F«-Ausdrücke zu hören. Den Grund dafür liefert wohl das Design von Paul Burke (P.B.) Dye. Der Architekt hat hier – ziemlich erfolgreich – versucht, seinen berühmten Vater Pete Dye bei der Erfindung von golferischen Grausamkeiten zu übertreffen. Das ist ihm auch gelungen, wobei die 18 Löcher trotz allem ein schönes Erlebnis sind... 

Ein Erlebnis der ganz anderen Art schließlich – verlockend für die einen, vergrätzend für die anderen – bietet das Urlaubsziel zur »Spring Break«-Zeit. Da wird ganz Cancun zur Partymeile – und dieses Event, versichern Eingeweihte, übertrifft Ibiza um Längen. Eine Mischung aus Karneval und Disco, selbstverständlich ebenfalls etwas amerikanisch geprägt, wobei von der üblichen US-Prüderie nichts zu spüren ist, im Gegenteil. Die Einheimischen selbst sehen diese Tage naturgemäß aus verschiedenen Blickwinkeln. Denn einerseits bringt »Spring Break« viel Geld, andererseits ärgert man sich, weil man etwa für das tägliche Einkaufen die doppelte Zeit benötigt.

Zur Lösung dieser Problematik hat man nun die Golfer ins Visier genommen: Cancun will eine Golfmetropole werden. Von den Plätzen her hat man das bereits geschafft, es gibt eine beachtliche Konzentration von neuen Top-Designer-Plätzen, die noch relativ leer sind und einen sehr hohen Qualitätsstandard aufweisen. Und weitere Top-Wiesen sind schon in Bau, darunter ein US-PGA-Tournament-Kurs von Fazio Design. Voraussichtlich ein Grund mehr, um an die mexikanische Karibikküste zu reisen. Hasta la vista, Cancun...

 

 

Zu den Plätzen in Mexiko: 

Cancun ist in puncto Golf stark amerikanisch geprägt. Die Resort-Kurse sind meist bestens gepflegt, dazu besteht fast immer die Chance, den einen oder anderen Drive zu verziehen, aber dennoch eine Par-Chance zu haben. Zumal die Designs erstklassig und Wartezeiten höchst selten sind.


Zusätzliche Informationen und Links

12 x 12 für 2012: 144 Gründe, warum dieses Jahr Ihr Golfjahr wird ... Driver-Technologie: Mit Einstellschrauben oder lieber ohne? ... Training: So bekommt der Pitch sein Fett weg ... Marokko: Golf & Jet-Set – das neue Trendziel in Afrikas Norden ... Luke Donald: Der Imperator ... Warm-Up: Gehen Sie wie die Tour-Pros aufgewärmt ans Werk ... Audi Quattro Cup: Das Finale in Mission Hills ... Leserreise: Mit Handball-Legende Erhard Wunderlich zum "Drive&Speed" an die Algarve ... u.v.m.

>>> Mission 1-50