Die Dominikanische Republik will ihr All-inclusive-Image loswerden. Spektakuläre Golfanlagen und neue Spitzen-Resorts sollen betuchte Urlauber aus Europa anlocken – und sie könnten auch als Filmkulisse taugen
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Ein Traum ist nicht genug
Von Michael Möser. Schade eigentlich, dass der aktuelle »007« alias Daniel Craig im Film nie Golf spielt. Der Ur-Bond und alte Golfer Sean Connery hätte sich sofort in diese leinwand-reife Kulisse verliebt: Er würde sich auf das makellose Grün von Punta Espada stellen, genial einen ZwölfMeter-Putt lochen, zu einer bezaubernden Inselschönheit, die lässig an einer der hohen Palmen lehnt, hinüberblinzeln und über einen schneeweißen Sandstreifen hinweg auf die türkisfarbene Karibische See blicken. Klar würde dann ein Mini-U-Boot mit lauter Bösewichten auftauchen und sich die friedliche Szene in einen Hexenkessel verwandeln. Und an dem Punkt sind wir, harmlose Golfer aus Deutschland, ganz froh, dass hier, in der Südostecke der Dominikanischen Republik, kein neuer Bond-Streifen gedreht wird. Dieses traumhafte Golfidyll gehört uns ganz allein.
Ein Film-Szenario wäre aber durchaus vorstellbar. Denn ein großer Teil der Region ist fast unwirklich schön, irgendwie entrückt, eine semikünstliche Kulisse, präzise von der »echten Welt« abgeschottet. Schauplätze sind drei Groß-Resorts und ein kleineres. Den Anfang machte vor etwa 35 Jahren Casa de Campo. Der 30 Quadratkilometer große Ferientraum entwickelte sich damals in kurzer Zeit zum Hideaway betuchter Amerikaner. Pete Dyes Teeth of the Dog wurde zum Must-Play in der Karibik – und der Name zieht heute noch wie ein Magnet Golfer aus aller Welt an.
Dann geriet auf der Insel alles in Bewegung. Es wurde gebaut, viel gebaut. Sonne, Strand und Halligalli lockten massenhaft Touristen aus Europa. Mit deutschen Finanzspritzen wurden die ersten All-inclusive-Anlagen der Karibik an die Strände gebolzt. Die Dom-Rep boomte und zählt heute noch zu den Lieblings-Winterfluchten deutscher Urlauber. Günstige Pauschalreisen prägen immer noch das Image vom Billigtourismus, obwohl schon vor Jahren die Regierung des Inselparadieses ein groß angelegtes Entwicklungsprogramm, ähnlich wie einst Mallorca, startete: Verbesserte Infrastruktur und Edel-Resorts mit Top-Hotels und erstklassigen Golfplätzen sollen nun eine andere, eine anspruchsvollere Kundschaft anlocken. Das Rezept ist bewährt: Weniger Masse, dafür zahlungskräftigere Kundschaft, im Fachjargon »elite travelers« genannt, soll das zweite touristische Standbein bilden. Irgendwann, so scheint es, wurde ein heimlicher Wettbewerb gestartet, welches Resort den besseren Golfplatz, wer die schöneren Straßen, die tolleren Hotels, Restaurants, Beach-Clubs, Marinas und Spas hat.
Der europäische Golfer, der dem kalten Winter entflieht, und nach knapp zehn Stunden dem Flieger entsteigt, kann sich über diese Entwicklung nur freuen. Schon der kleine Flughafen in Punta Cana ist filmreif: mit Palmblättern gedeckte Spitzdächer und ganze zwei Maschinen auf dem Rollfeld, über das man zu Fuß bei geschätzten 28 Grad in die nette, kleine Halle schlendert. Der Flugplatz gehört zum riesigen Punta Cana Resort & Club, an dem auch Sänger Julio Iglesias und Mode-Designer Oscar de la Renta maßgeblich beteiligt sind. 1,7 Millionen Urlauber landen hier jedes Jahr. Eine Million aus den USA und Kanada, der Rest Europäer. Wenn es nach den Politikern und Investoren geht, kann sich die Zahl gerne erhöhen und zugunsten der Europäer verschieben. Die betuchte Klientel aus der Alten Welt soll das neue Geld rentabel machen. Dafür ist die Dom-Rep gut gerüstet: Allein in den nächsten Monaten werden im Punta Cana Resort zwei neue 18-Löcher-Plätze aus der Feder von berühmten Designern ihre Tees öffnen: Corales von Tom Fazio und Hacienda von Paul Burke Dye, Sohn des legendären Pete Dye. Bis dahin sollte man La Cana die Ehre erweisen. Die derzeitige Nummer eins im Resort ist eine Augenweide. Vier der 18 Löcher – das Design ist ebenfalls von P.B. Dye – verlaufen entlang der Ocean-Front. Atemberaubende Finallöcher warten und am Ende auch noch eines der schönsten Clubhäuser der Karibik, entworfen natürlich von Oscar de la Renta – filmreif.
Das zweite neue Super-Resort grenzt südlich an Punta Cana. Es heißt Cap Cana und hat etwa die halbe Größe von Frankfurt. Entlang der teils vierspurigen Straßen ist meist noch Baustelle. Hunderte Villen, ab einer halben Million Dollar aufwärts, entstehen unter anderem rund um das neue Jack-Nicklaus-Design Las Iguanas – Eröffnung soll ebenfalls dieses Jahr sein. Noch in der Planungsphase sind die Plätze Farallon, Mountain und Trump at Cap Cana Golf Course. Man ahnt es, die drei Letztgenannten liegen allesamt auf dem Areal von Donald Trump. Der Immobilien-Tycoon ist einer der Hauptdarsteller in diesem Mega-Resort, der offensichtlich nicht einmal von der Finanzkrise gestoppt werden kann. Cap Cana, das größte Bauprojekt der Karibik, soll schlussendlich (in zehn Jahren) etwa 1,5 Milliarden Dollar verschlingen. Im Hintergrund ziehen neben Trump auch andere Investoren, vornehmlich aus den USA, aber auch Einheimische ihre Strippen. Sie, die sich hier rechtzeitig ihre Parzellen gesichert haben, beflügelt natürlich der Gedanke, dass sich der ein oder andere Golfer von der Kulisse bezaubern lässt und eine der Villen ersteht.
Ein »Quantum Trost« für alle, die sich die Villen hier nicht mal zur Miete leisten können: Es gibt eine Reihe fabulöser Hotels wie beispielsweise das neue The Sanctuary. Welch herrlich unwirkliche Kulisse: Das 5-Sterne-Hotel sieht auf den ersten Blick wie ein Dorf im spanischen Kolonialstil aus. In verschiedenen, pastellfarbenen Gebäudeformen verschachtelt, verteilen sich die Zimmer und Suiten, Shops, Bistros, Restaurants und Bars. Nur ein paar Schritte sind es vom künstlichen Dorfplatz, mit Glockenturm à la Disneyland, zum östlichsten Ende – nicht nur des Resorts, sondern der ganzen Insel. An dieser exponierten Stelle steht eine Burg mit Zinnen und dicken Mauern. Nagelneu ist sie und beherbergt das Spa des Sanctuary. Zudem mehrere Luxus-Suiten: Die zwei größten haben künstliche Inselchen mit Pool, Palmen und allem erdenklichen Pomp. Für »Goldfinger«: Die Island Suite liegt zwischen 1.670 und 2.485 Dollar pro Tag. Hier würde es auch dem neuen Bond gefallen, mit einer dicken Zigarre, einem Glas Rum und einer dunkeläugigen Schönheit, die sich im Whirlpool aalt.
Rum und Zigarren sind, nebenbei bemerkt, wichtige Exportschlager der zweitgrößten Karibikinsel. Vor allem seit Kuba einen Großteil seiner Zigarrenproduktion in den Norden der Nachbarinsel verlegt hat. Vielleicht gehört ja eine der Firmen dem steinreichen Kubaner, der sich beim anfangs erwähnten Punta-Espada-Platz in Cap Cana ein schlossartiges Anwesen hingestellt hat. Von seinem Wohnzimmerfenster aus kann er – dicke Cohibas paffend – auf makellose, saftig grüne Fairways schauen und sich bei keinem Geringeren als beim »Golden Bear« Jack Nicklaus bedanken, dass der sich diese herrlichen Rasenschlangen ausgedacht hat. Wie auch die fabelhaften Grüns, die schneeweißen Sand-Waste-Areas und die Abschläge auf Felsen, wo die Gischt des Ozeans einem feinen Wasserstaub ins Gesicht bläst – welch grandiose Kulisse für einen spektakulären Golfplatz. Auch für Bernhard Langer und seine Kollegen, die im Rahmen eines Champion-Tour-Events im März hier aufteen. Gerne wäre man Zeuge, wenn die alten Haudegen auf dem 17. Tee den Ball bei mächtig Seitenwind über das Meer dreschen und sich dann im Schatten des Palmenhains ihren nächsten Schlag überlegen.
In Cap Cana werden Palmen dort gepflanzt, wo man sie eben braucht und die Klischees der Karibik »modifiziert«. Wenn man die Scheinwelt der Resorts verlässt, fällt es manchmal schwer, sich wieder an die »reale« Welt zu gewöhnen. Doch die holprige Fahrt auf der löchrigen Landstraße nach Bávaro holt einen schnell auf den Boden zurück. Sie führt vorbei an bunten Dörfern, an armseligen Hütten, an urigen Märkten, lauten Mopeds und auch an sechs älteren Golfanlagen, die sich hinter hohen Mauern verstecken. Typische Plätze amerikanischer Machart, mit flachen Bahnen, flankiert von Villen. Genussgolfer wie Sean Connery würden sie links liegen lassen und direkt das Roco Ki Beach & Golf Resort ansteuern. Es ist das vergleichsweise kleinste Resort und liegt etwas nördlich von Punta Cana. Aber Roco Ki hat ein Ass im Ärmel: den soeben eröffneten Faldo Legacy Course. Er thront teils auf steil abfallenden Klippen und liegt andererseits mitten im Mangrovenwald. Der ist Teil der Tropennatur, die fast den gesamten Osten der Insel bedeckt. Der Name »Roco Ki« hat indianischen Ursprung und heißt sinngemäß »ehre die Natur«. Und: Wer auf dem 17. Tee steht und das kleine Grün vor sich hat, auf einem schmalen Felszapfen, der 30 Meter aus dem Meer herausragt, der muss die Natur ehren (aber auch den Designer). Zumal der Blick vom 18. Tee ebenso spektakulär ist. Das fulminante Schlussloch ist ein würdiger Abschied von der wahrlich filmreifen Szenerie in der neuen Dom-Rep. Fortsetzung folgt garantiert. Denn wie gesagt, ein (Golf-)Traum ist hier längst nicht genug.
Die Top 5 von GJ:
1. Auf alt gemacht: Altos de Chavon ist ein verwinkeltes Künstlerdorf im Casa de Campo Resort, mit Restaurants, Galerien, Shops und Amphitheater.
2. Idyll: Alle großen Resorts haben ihren eigenen Beach-Club mit Restaurant, Bar – und Obern, die einem per Wink den Drink zur Liege bringen.
3. Ausflug: Saona ist eine unter Naturschutz stehende Trauminsel zwischen Casa de Campo und Cap Cana. Trips über die Rezeption organisieren.
4. Alte Meister: Der Punta Espada GC ist alljährlich Ende März Schauplatz der Cap Cana Championships (Champions-Tour).
5. Insel-Kapitale: Einen Ausflug in das historische Zentrum der Drei-Millionen-Stadt Santo Domingo sollte sich niemand entgehen lassen.
Hotels:
Casa de Campo (La Romana, Tel. 809/5 23 33 33, casadecampo.com.do, Ü im DZ ab 155 Euro p. P. bei Airtours und 291 Euro Golfpaket mit drei Greenfees) ist seit vielen Jahren Anlaufstelle von überwiegend amerikanischen Golfern. Angenehm ist die Nähe zu den drei Golfplätzen. Neulinge brauchen einen Faltplan, um sich in dem riesigen Areal zurechtzufinden. Wer will, kann reiten, Polo spielen oder Kajak fahren. Die großen Zimmer in zweistöckigen Reihenhäusern sollen demnächst renoviert werden. Für Familien oder Gruppen gibt es Miet-Villen (ab 300 Euro p. P. bei Airtours).
Wer sparen will, kann sich eines der vielen Strandhotels aussuchen, die in den Katalogen fast aller großen Veranstalter zu finden sind. Zentral in Bávaro Punta Cana liegt das neue Majestic Elegance (Tel. 809/2 21 98 98, majestic-resorts.com, Ü/VP im DZ ab 344 Euro), eine weiträumige All-inclusive-Anlage der exklusiven Art, 600 Zimmer, riesige Palmen, Pool-Landschaft, Showbühne, Casino, Spa und zehn Bars. Zum Punta Blanca GC sind es zehn Minuten. Ganz anders, das elegante Boutique-Hotel Tortuga Bay (Tel. 001/809/9 59 82 29, puntacana.com, leading-smallhotelsoftheworld.com) im Punta Cana Resort (neben La Cana): 15 Villen am Meer, mit 30 Suiten und Six-Sense-Spa. »Barclay’s golf spezial«: 2 Ü/F und drei Runden auf La Cana für 650 Dollar. Buchung über Classic Golf Tours (Top Select) ab 613 Euro für die Junior-Suite (2 Pers.). Tipp: Kürzlich hat um die Ecke ein Club Med aufgemacht. Die Eröffnung des Westin im Roco Ki Beach & Golf Resort ist für Januar 2010 geplant. Das 5- Sterne-Hotel liegt auf Felsklippen mit fantastischem Meerblick (starwoodhotels.com). Vergangenes Jahr öffnete der 5-Sterne-Komplex The Sanctuary (Tel. 888/9 99 64 61, altabellahotels.com, Ü/F im DZ ab 203 Euro p. P. über Airtours, Bild o. li.) im Cap Cana Resort. Die 176 Zimmer und Suiten haben Meerblick, dazu gibt’s acht Restaurants, elf Bars und ein Mandara-Spa. Thomas Cook Reisen bietet 7 Tage mit Flug ab 2.119 Euro p. P. an (thomascook-golf.de). Eine Nummer exklusiver sind die Caleton Villas beim Punta-Espada (Cap Cana). Buchung über Golfreiseveranstalter.
Restaurants:
La Piazzetta im Künstlerdorf Altos de Chavon (Casa de Campo) überzeugt mit großen Portionen und guter Stimmung. Probieren Sie die »Ravioli De Mamma Egi«! Vom bekannten »Le Cirque« in New York lässt sich das El Pescador am Minitas Beach (Casa de Campo) inspirieren. Fangfrische Meeresfrüchte kommen im Marina-Restaurant La Casita (Casa de Campo) auf den Tisch. Das Le Divellec Paris im Sanctuary ist ein Ableger des besten Seafood-Restaurants Frankreichs. Zum Hotel gehören auch das David Crockett mit Riesen-steaks, Fusion-Food im Wok oder das Blue Marlin, ein Holzhaus auf Stelzen im Meer (Tipp: Hummer).
Golf: Außerhalb der Groß-Resorts im Südosten liegen Bávaro Golf, Catalonia GC, Cabeza de Toro, Cocotal G&CC, Punta Blanca GC und White Sands (9 Löcher) mit Greenfees zwischen 40 und 120 Dollar. Im Sommer (1.5.-31.10.) zahlt man überall fast nur halbes Greenfee. Caddies nehmen 20-25 Dollar pro Runde. Resort-Gäste zahlen im Schnitt 25 Prozent weniger.
Reisezeit: Hauptsaison ist von November bis März. Die Temperaturen liegen dann im Schnitt bei 28°.
Anreise: Fast täglich Charterflüge, z.B. mit Condor ab Frankfurt nach Punta Cana – jetzt mit der neuen Premium Economy Class. One-Way-Preis in der Economy ab 199 Euro.
Infos: FVA der Dominikanischen Republik, Frankfurt, Tel. 069/91 39 78 78, domtur@aol.com,
Internet: godominicanrepublic.com, dominicananews.com, domrep-infos.de
Telefonvorwahl: 001
Zusätzliche Informationen und Links
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