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Paul Dyer (1): Stand und Ansprechposition

Haltung bewahren

Paul Dyer, Senior-Director of Instruction Europe der David Leadbetter Golf Academy, zeigt in dieser exklusiven, dreiteiligen GJ-Serie die häufigsten Fehler im Golf, schlägt technische Lösungen vor und bietet unterstützende Fitnessübungen an. Teil 1 befasst sich mit Haltung und Balance.

Die Top-Golf-Stars von heute lassen sich nicht nur in Sachen Schwungtechnik beraten, sondern haben Coaches für die verschiedenen Aspekte des Spiels. Fitness, Ernährung und mentale Performance – alles muss stimmen, um heute zur Weltspitze zu gehören. Eine solche »holistische« Einstellung ist nicht nur für Spitzensportler wichtig. Golfer aller Spielstärken können viel davon lernen, um ihre individuelle Bewegung zu verbessern.

 

Aber was haben die Tour-Profis gemeinsam, was machen sie alle richtig? Auf den ersten Blick relativ wenig: Manche schwingen schnell, andere langsam. Einige holen weit aus, andere dafür kürzer. Selbst kleinere Details sind ganz unterschiedlich. Für eine erfolgreiche Profikarriere scheint es also nicht darauf anzukommen, ob man steil oder flach schwingt, einen Draw oder einen Fade spielt, auch nicht, ob man den Ball flach oder hoch schlägt. Was ist es dann?

 

Schauen Sie einen Profi an, wenn er am Ball steht – obwohl er sich noch nicht bewegt hat, sieht er schon aus wie ein Pro. Pros schwingen sehr kraftvoll, dennoch ist die Bewegung zu jedem Zeitpunkt harmonisch, und ihre Körperbalance ist sehr gut. Was kann der Normalgolfer davon lernen?

 

Die Körperhaltung muss sich sowohl athletisch anfühlen als auch stabil sein. Stellen Sie sich an den Ball, und lassen Sie sich von einem Partner einmal aus drei verschiedenen Richtungen drücken (Bild 1 bis 3). So merken Sie, wo Ihr Schwerpunkt ist und wie stabil Sie tatsächlich stehen. Sie sollten beim leichten Drücken nicht umkippen oder verschoben werden.

 

Übungen:

Die hier dargestellten Fitness-Übungen sind Beginn einer Progression und sind nicht in der gleicher Form längerfristig zu wiederholen. Es ist nicht wichtig, viele Wiederholungen zu machen oder sie zu zählen. Vielmehr kommt es darauf an, auf die Intensität zu achten. Versuchen Sie zuerst jede Übung drei Mal zu wiederholen. Falls Sie anfangen zu zittern oder die Bewegung nicht kontrollieren bzw. sauber ausführen können, machen Sie eine Pause. Ideal sind 20 Sekunden Übung und zehn Sekunden Pause. Denken Sie daran, dass Sie die Übungen sauber ausführen und nach und nach die Intensität verändern. Zum Beispiel einen höheren Stuhl verwenden.

 

 

Tipp 1:

 

Selbst ein Golfer, der gar nicht so weit schlägt, nutzt sehr viel Explosivkraft. Ein Schlag mit dem Driver erfordert 90 Prozent der zur Verfügung stehenden Energie! Das ist enorm und entspricht dem Energieaufwand bei vielen Disziplinen in der Leichtathletik.

 

Der Fehler

Sehr oft sehe ich Golfer, die gar nicht so aussehen, als würden sie eine athletische Bewegung machen (wollen). Eine schlechte Haltung wie auf Bild 4 zu sehen, schränkt nicht nur die Bewegung ein, sondern kann zudem sehr ungesund sein.

 

Die Lösung

So kommen Sie am einfachsten in die korrekte Ansprechposition: Halten Sie einen Schläger, wie auf Bild 5 zu sehen, an Ihre Brust. Dann neigen Sie sich nach vorne (Bild 6), jetzt noch die Knie ein wenig gebeugt, und schon stehen Sie dynamisch und gut ausbalanciert am Ball (Bild 7).

 

Die Übung

Es ist eine ganz einfache Kontrastübung. Sie sieht zwar komisch aus, aber wenn man sie macht, versteht man sofort, wie falsch man möglicherweise steht! Stehen Sie gerade (Bild 8) und machen dann zunächst eine sehr gebogene Haltung (Bild 9), um sich danach aufzurichten und zu überstrecken (Bild 10). Wenn Sie das geübt haben, machen Sie das selbe mit Ihrer Golfhaltung. Sie werden merken, dass Sie diese Übung nach kurzer Zeit auch ganz unauffällig machen und bei Bedarf während des Spiels einsetzen können.
 

 

Tipp 2:

 

Balance im Golfschwung heißt nicht nur, auf beiden Füßen zu bleiben, während man schwingt, sondern dass der Körper während der gesamten Bewegung balanciert und ausgeglichen wirkt.

 

Ein balancierter Schwung bedeutet, dass die Wirbelsäule, wie beim Gehen, gerade bleiben muss, sodass sich der Schwerpunkt nicht zu stark seitlich bewegt. Viele Clubspieler bewegen sich viel zu viel im Körper und sind deswegen nicht in der Lage, den Schläger zu beschleunigen. Oft ist dies auch die Folge eines schlechten Schwungablaufs. Eine witzige Übung hilft, die Balance zu kontrollieren und eine harmonische Bewegung zu fördern. Die Krawatte zeigt mehr oder weniger die Position der Wirbelsäule und somit der Balance-Punkte. Diese sind im Bauch (Spitze der Krawatte) und im Hals (Knoten der Krawatte). Diese beiden Punkte sollten möglichst immer übereinander sein. Im Idealfall bleibt die Krawatte während des Schwungs immer am Körper.

 

Der Fehler

Hier hängt die Krawatte im Set-Up richtig (Bild 11), allerdings hat der Golfer versucht, seinen Kopf während des Schwungs ruhig zu halten, was aber nicht zu empfehlen ist. Somit hängt der Oberkörper am Ende des Durchschwungs nach hinten (Bild 12). Dies sieht nicht nur ungesund aus, sondern ist es auch.

 

Die Lösung

Die Wirbelsäule bleibt während des Schwungs immer gerade und unterstützt die Drehung des Körpers. Somit setzen Sie Energie frei – und vermeiden Verletzungen (Bild 13 und 14).

 

Die Übung

Sie lehrt Balance und ist nicht nur gut fürs Golf. Zudem hilft sie, einen Sinn für die Ausrichtung des Körpers zu entwickeln. Stellen Sie sich wie auf Bild 15 zu sehen hin. Heben Sie dann das rechte Knie und den linken Arm gleichzeitig an (Bild 16). Das angehobene Bein ist höher als der Schwerpunkt. Achten Sie darauf, dass Hüfte und Schulter gerade und still bleiben. Wiederholen Sie die Übung mit dem linken Bein und dem rechten Arm.

 

 

Tipp 3:

 

Zwar kann man eine Menge Fehler vertuschen, aber bei unruhigen Bewegungen, die durch eine überaktive Körperbewegung oder extreme Fehler in der Schwungbahn verursacht werden, muss man eingreifen. Denn oft wird beim Versuch, den Ball mit einer ungünstigen Bewegung zu treffen, die Kontrolle über den Körper verloren.

 

Der Fehler

Häufig sehe ich, wie im Bild 17 gezeigt, dass der linke Fuß im Durchschwung nicht korrekt belastet werden kann, da er bereits im Abschwung zur Seite rutscht. Viel zu viel Bewegung in den Beinen oder Füßen sind ebenfalls sehr beliebte Fehler, die allerdings nicht so extrem sind. Oft resultiert daraus ein Slice, da die Schwungbahn stark von außen nach innen verläuft und der Körper dieser Richtung folgt.

 

Die Lösung

Mit dieser Übung bekommen Sie eine synchronisierte und harmonische Bewegung. Schon barfuß auf Rasen zu stehen, vermittelt das Gefühl, dass Beine, Bauch und Rücken sich  stabilisieren müssen, um die Schwungbewegung des Schlägers kontrollieren zu können.  Im Sand ist dies noch schwieriger, da der Untergrund sehr unstabil ist (Bild 18). Bereits nach einigen Probeschwüngen merken Sie,  wie schwierig es ist, normal zu stehen und den Schläger mit normaler Kraft zu schwingen. Bälle barfuß aus dem Sand zu schlagen, ist  eine bereits fortgeschrittene Übung, mit der Sie zugleich die Qualität des Treffmoments kontrollieren (Bild 19).

 

Die Übung

Sie sieht zwar leicht aus, ist aber recht schwierig. Mit ihr trainieren Sie gleichzeitig Balance und Beinkraft. Setzen Sie sich, wie auf Bild 20 zu sehen, auf einen etwas höheren Stuhl. Um aus dieser Position aufzustehen, ist es sehr wichtig, zuerst Spannung in den Beinen und Armen aufzubauen. Nur dann können Sie sowohl mit Beinkraft als auch mit Schwerpunktkontrolle arbeiten. Achten Sie auch darauf, in der Endposition (Bild 21) immer ausbalanciert zu stehen. Wenn Sie fit genug sind, können Sie auch einen niedrigeren Hocker für diese Übung nehmen (Bild 22).

 

 

Paul Dyer

Wurde mit 19 Jahren Golf-Pro und gründete seine eigene Golfakademie. 1993 wechselte er zur David Leadbetter Golf Academy (DLGA). Momentan ist er als Senior-Director of Instruction Europe auf den DLGA-Anlagen Timmendorfer Strand und GolfRange Oststeinbek tätig.

 

Vielen Dank an den GC München Eichenried, der uns bei den Aufnahmen unterstützte. Weitere Informationen zur David Leadbetter Golf Academy im Internet unter leadbetter.de. Hinweise zu GolfRange-Anlagen in Deutschland unter golfrange.de

 

 

Bilder 1-5 (durch anklicken vergrößern)

Bilder 6-10

Bilder 11-15

Bilder 16-20

Bilder 21-22


Zusätzliche Informationen und Links

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