Logo: Golf Journal

GOLF JOURNAL Golfzeitschrift

http://www.golfjournal.de/

Springe direkt zu: Servicenavigation Hauptnavigation Bereichsnavigation Inhaltsbereich Zusätzliche Informationen und Links



Inhaltsbereich

Tom Watson ADAMS Golf
TRAINING: TOM WATSON

Der Ball weiß nicht, wie alt du bist

Wie kann ein 59-Jähriger die besten Golfer der Welt deklassieren? Ian Peek über das Geheimnis eines zeitlosen Schwungs.

 

Tom Watson hat meine Leidenschaft fürs Golfen entfacht. Ich schlug meine ersten Bälle Ostern 1980 als Elfjähriger im schottischen Duns. Duns war damals eine 9-Löcher-Anlage mit kleinen Grüns, und als kleiner Junge mit einer geringen Schlaglänge brauchte ich ein geniales kurzes Spiel, um ein Par oder Bogey zu schaffen. Die Open 1980 wurde in Muirfield ausgetragen – 45 Minuten von Duns entfernt. Um meine ersten Profi-Golfschläge zu erleben, bin ich mit meinem Vater und meiner Schwester zur Proberunde nach Muirfield gefahren. Und wen sah ich als allererstes? Tom Watson, die Nummer eins der Welt, im Flight mit Jack Nicklaus, Nick Faldo und Andy Bean. Ab jenem Tag wurde Golf mein Leben (das Abitur habe ich dann nur meinen Eltern zuliebe gemacht).

 

Man spricht über die Macht gewisser Erlebnisse, und ich kann Tom Watson 29 Jahre später immer noch vor mir sehen, mit flottem Schwung, sensationellen Chips, schnellem Gang, brauner Cordhose und passendem Pulli an jenem kalten Julitag. Und wer gewann die Open in jenem Jahr? Sie ahnen es ...

 

Die Leistung des 59-Jährigen im Jahr 2009 war sensationell, aber vielleicht keine so große Überraschung – eine neue linke Hüfte ermöglichte ihm wieder schmerzfreie Schwünge, sein Stroke-Average von 69.88 auf der Champions Tour zeigte seine gute Form, und die Erinnerungen an seinen historischen Open-Sieg gegen Jack Nicklaus in Turnberry 1977 dürften ihn zusätzlich Adrenalin befeuert haben. ...

 

 

Die Fußarbeit von Tom Watson ist ein Vorbild für alle Senioren. Betrachten Sie in Bild 1, wie Tom die linke Ferse vom Boden weggehoben hat. Dies erlaubt eine freie Hüftdrehung; dabei können sich die Schultern auch leicht aufdrehen. Damit er bei seiner Drehung nicht schwankt, hält Tom allerdings das rechte Knie ganz still.

Beobachten Sie in Bild 3 die Position des Schlägers am Ende des Rückschwungs. Solange der Oberkörper »in der Achse bleibt« und der linke Arm noch lang ist, darf der Schläger ruhig so weit nach hinten schwingen. Am Endpunkt des Rückschwunges zeigt seine linke Schulter zu einem Punkt hinter dem Ball. Sie sind ein Fan des Kultbuchs »The Golfing Machine«? Durch die freie Drehung des Körpers und lange Ausholbewegung erkennen wir Tom Watson eher als einen »Swinger« als einen »Hitter«. Auch Tiger Woods wäre laut »Golfing Machine« ein Swinger; Tom Lehman und J.B. Holmes mit ihren kurzen Ausholbewegungen würden eher als »Hitter« bezeichnet.

Im Bild 4 sehen wir die Umkehr vom Ausholen in den Abschwung hinein – der Impuls dafür ist das Wiederaufsetzen der linken Ferse; als nächstes schiebt sich das linke Knie Richtung Ziel.

Mein Tipp für Leser mit Rückenproblemen: Heben Sie (als Rechtshänder) beim Ausholen die linke Ferse, sobald Ihr Schläger die 9-Uhr-Position erreicht hat.

Tom schwingt seine Arme nach unten und die Hüfte dreht sich weg vom Ball und in Richtung Ziel. Wir sehen auch, wie der Winkel zwischen dem linken Unterarm und Schläger genau so groß ist wie in Bild 3.

Dies sind optimale Bilder, um zu zeigen, wie die Schwungenergie vom Körper in den Schläger übertragen wird. Das Alter spielt bei dieser Dynamik keine Rolle. Von Bild 6 auf Bild 7 sehen wir, wie sich die rechte Ferse vom Boden hebt und zusätzlich der Winkel zwischen dem linken Unterarm und Schläger aufgelöst wird.

Von Bild 7 auf Bild 8 scheinen die Schultern vorübergehend stillzustehen, der rechte Arm hat sich wie ein Teleskop gestreckt. In Bild 8 sehen wir, wie linker Unterarm und Schläger eine Linie bilden. Obwohl der Ball nun unterwegs ist, bleibt das Schlägerblatt gerade – ein Zeichen, dass der Ball mit dem »Sweet Spot« getroffen wurde.

 

Bild 8 bis 12

Im englischen Golf World Magazine schrieb Tom Watson 1981, der Rücken solle eine »reverse C«-Kurve im Finish bilden (ich habe alle seine Artikel aufgehoben). Als Folge standen alle jungen Schotten beim Finish mit dem Bauchnabel fast Richtung Himmel, aber keiner fragte sich, wo plötzlich die Kreuzschmerzen herkamen.

Beobachten Sie, wie lange Toms Arme ausgestreckt bleiben – ein Zeichen der freien Körperdrehung Richtung Ziel. Hätte der Körper im Treffmoment abgebremst, wären auch die Arme enger am Körper. Fazit: Tom Watson hat alles andere als einen Altherrenschwung. Wer grundlegende Prinzipien der Golftechnik verinnerlicht hat, kann auch als »älterer Herr« den Ball weit und dynamisch schlagen und die jungen Hüpfer hinter sich lassen. Das bewies ja auch Greg Norman bei der Open Championship 2008.

Mein Tipp: Je früher Sie die rechte Ferse beim Abschwung heben, um so »länger« bleiben die Arme, und desto leichter kann der Schläger den Ball im Treffmoment »finden«.

 


Zusätzliche Informationen und Links

12 x 12 für 2012: 144 Gründe, warum dieses Jahr Ihr Golfjahr wird ... Driver-Technologie: Mit Einstellschrauben oder lieber ohne? ... Training: So bekommt der Pitch sein Fett weg ... Marokko: Golf & Jet-Set – das neue Trendziel in Afrikas Norden ... Luke Donald: Der Imperator ... Warm-Up: Gehen Sie wie die Tour-Pros aufgewärmt ans Werk ... Audi Quattro Cup: Das Finale in Mission Hills ... Leserreise: Mit Handball-Legende Erhard Wunderlich zum "Drive&Speed" an die Algarve ... u.v.m.

>>> Mission 1-50