Ian Poulter gehört zu den auffälligsten Golfern Europas. Er zieht sich nicht nur mitunter aufreizend an, sondern hat längst seine eigene Modelinie an den Start gebracht. Auch scheut sich der Engländer nicht vor provokanten Thesen. Auch sonst eckt Poulter immer mal wieder an: Gern kam er im Trikot seines Lieblingsvereins Arsenal London auf den Platz, bis eine Regel erlassen wurde, die Spielern das Tragen von Team-Kleidung aus anderen Sportarten verbot.
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Schillernde Gestalt
Exklusiv für GOLF JOURNAL analysiert PGA-Professional Ian Peek den Schwung seines Namensvetters: »Poulters größte Stärke ist sein Selbstbewusstsein. Selbst bei der Ausbildung zum Golflehrer mit einem eher bescheidenen Handicap von 4 war er davon überzeugt, es auf der Tour zu schaffen. Er ist derzeit ein Schüler von David Leadbetter, aber der Engländer Lee Scarbrow war sein Coach in der Zeit von der Golflehrer-Ausbildung bis zum European Tour-Sieger. Ich habe oft mit Lee über die Schwungarbeit mit Poulter diskutiert. Poulter bewegt seine Beine im Schwung zu aktiv. Scarbrow behauptet, Ian habe stets sein bestes Golf gespielt, wenn er müde war und daher die Beine beim Schwung ruhiger blieben.
Auf der Tour ist Poulter für das eine oder andere Socket bekannt. Die exzessive Beinarbeit bedeutet beim Rückschwung, dass Poulters linkes Knie zu sehr in Richtung Ball knickt. Als Folge fallen Brust und Kopf beim Rückschwung leicht nach vorne und Richtung Ball; sollte sich der Oberkörper beim Abschwung nicht wieder aufrichten, besteht Socket-Gefahr. Um sein »Ball-Striking« zu verbessern, hat sich Poulter im sogenannten Core-Bereich (Bauch/unterer Rücken/Oberschenkel) stärker gemacht, damit er seine Höhe beim Rückschwung leichter halten kann.
Wer das Masters 2008 gesehen hat, hat auch die zwei Sockets des Engländers erlebt. Er ist verständlicherweise für Sockets besonders anfällig, wenn der Ball unterhalb der Füße liegt – und man weiß ja, wie hügelig der Platz von Augusta National ist…«
Bild1: Eine gute Preshot-Routine umfasst die Kalkulation von Distanz und Wind. Tour-Pros wissen genau, wie viele Meter der Ball zum Ziel fliegen muss. Wissen Sie, wie weit Ihre Bälle mit dem jeweiligen Schläger fliegen?
Bild 2: Um die optimale Ausrichtung zu haben, hat sich Poulter ein Zwischenziel gesucht. Das Zwischenziel liegt genau auf seiner Schlagrichtung und etwa 50 Zentimeter vor seinem Ball Richtung Loch. Top-Spieler richten immer das Schlägerblatt als erstes aus und den Körper danach.
Bild 3: Beim Ansprechen sehen wir, dass Poulter den Oberkörper genug nach vorn gebeugt hat, damit seine Arme senkrecht nach unten hängen. Die Knie sind nur leicht gebeugt. Hüfte und Schultern von Poulter und anderen Topspielern zeigen parallel zum Ziel, aber nie direkt aufs Ziel – Sie kennen sicher das Bild mit der Eisenbahnschiene.
Bild 4: Eine klassische, lehrbuchhafte Ausholbewegung. Die Arme schwingen den Schläger auf der Ausgangsebene entlang, wobei Hüfte und Schultern relativ ruhig bleiben.
Bild 5: Eine optimale 9-Uhr-Position: Der Schläger ist parallel zum Boden und auch parallel zur Zielrichtung. Die Spitze des Schlägers zeigt Richtung Himmel. Hüfte und Schultern haben sich leicht nach rechts und vom Ball weggedreht.
Bild 6: Die Schultern und Hüfte drehen sich weiter auf. Kontrollpunkt für die Schwungebene: Sie stimmt, weil die Verlängerung des Schaftes nach unten fast perfekt zum Ball zeigt.
Bild 7: Poulters Rückschwung ist nahezu komplett, der Rücken zeigt zum Ziel. Der Oberkörperneigung bleibt unverändert von der Ansprechposition. Die linke Ferse ist vom Boden leicht angehoben – ein guter Tipp für jeden Golfer, der nicht mehr so gelenkig ist, die angehobene Ferse sorgt für eine leichtere Drehung und mehr Power beim Schlag. Keine Scheu: Auch Jack Nicklaus spielte so.
Bild 8: Am Ende des Rückschwungs liegt Poulters Schläger optimal und parallel zur Schlagrichtung. Hier sieht man aber auch Poulters Problemzone: Von Bild 7 auf Bild 8 ist das linke Knie in Richtung Ball geknickt, und die Brust ist leicht nach vorn gefallen. Diese Bewegung sorgt für Socket-Gefahr.
Bild 9: Die Hüfte hat sich leicht seitlich und Richtung Ziel geschoben. Die linke Ferse ist wieder am Boden. Durch die Hüftbewegung und die Gewichtsverlagerung hat sich der Schaft merklich abgeflacht (Vergleichen Sie Bild 9 mit Bild 6), und als Folge kommt der Schläger deutlich von innen an den Ball.
Bild 10: Die Stunde der Wahrheit! Ein idealer Ball-Boden-Kontakt, wobei der linke Unterarm und Schlägerschaft beim Impact eine Linie bilden. Ein Tipp für alle Pull-Slicer: Beachten Sie, wie sich die rechte Schulter unterhalb der linken befindet.
Bild 11: Der Ball ist unterwegs zum Ziel. Das Bild birgt drei geniale Tipps für den Hobbygolfer:
• Die rechte Ferse ist vom Boden weg – das bringt Länge und schont den Rücken
• Die Arme sind lang und zum Ziel geschwungen
• Die Spitze des Schlägers zeigt wieder nach oben (Schauen Sie auf das Schlägerblatt in Bild 5)
Bild 12: Um den Rücken zu schonen, hat Poulter sich instinktiv aufgerichtet. Vom rechten Fuß hat nur noch die Fußspitze Bodenkontakt, 95 Prozent des Körpergewichtes sind auf dem linken Bein. Der Bauchnabel zeigt zum Ziel, die Arme sind entspannt.
Daten & Fakten: Ian Poulter
Geboren am 10. Januar 1976 in Hitchin, England
Weltranglistenposition: 26
Turniersiege: 7 auf der European Tour
Bestes Major-Finish: T9 (PGA Championship 2006), T11 (British Open 2005), T12 (US Open 2006), T13 (US Masters 2007)
Hobbys: Fußball und Autos. Er besitzt u.a. einen Ford GT40, einen Ferrari und einen Aston Martin DB9.
Der Experte:
Ian Peek ist einer der renommiertesten Pros
in Deutschland. Der Schotte unterrichtet im GC Sigmaringen Zollern-Alb. Kontakt:
Tel. 0171/2 86 30 42,
mail@nms-golf.com
Zusätzliche Informationen und Links
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