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Camilo Villegas

Muskelmann aus Medellín

Mit seinen zwei Siegen bei prestigereichen Turnieren – unter anderem der Tour Championship – ist der Kolumbianer Camilo Villegas 2008 endgültig in der Weltspitze angekommen. Schon lange erwarteten Experten Wunderdinge von dem 27-Jährigen, der vor Kraft nur so strotzt und viele weibliche Fans elektrisiert. 

 

Camilos Lebenslauf zeigt drei wichtige Elemente des erfolgreichen Tourspielers. Erstens: die langjährige moralische und finanzielle Unterstützung seiner Eltern: Sein Vater, ein Architekt wie die Mutter, hat dem 7-jährigen Camilo das Golfen beigebracht. Zweitens: eine erfolgreiche Amateur-Karriere. 1999 hat der 17-jährige Camilo den 2. Platz bei der US Junior Championship belegt (Sieger wurde der jetzige Tour-Kollege Hunter Mahan). Drittens: seine Fitness. Heutige Tourspieler sollten fit und stark sein. Villegas wurde 2004 Profi. Er merkte, dass ihm Länge fehlte, also baute er im Jahr 2005 neun Kilogramm Muskelmasse auf. Im gleichen Jahr erlangte er über die Nationwide Tour die Spielberechtigung für die US PGA Tour – sicher kein Zufall.

 

Villegas hat den Spitznamen »Spiderman«, weil er sich beim Lesen des Putts flach auf den Boden drückt und ein Bein nach hinten ausstreckt – so ähnlich lauert der Superheld auf die Bösewichter. 2008 war ein sportlich erfolgreiches, aber privat tragisches Jahr für den Mann, den die Zeitschrift GQ zum begehrtesten Junggesellen des Sports wählte: Er gewann die BMW Championship und die Tour Championship. Kurz danach wurde sein Onkel bei einem Überfall in Medellín erschossen.

Bild 1-5 (durch anklicken vergrößern)

Bild 1: Die Ansprechposition eines durchtrainierten Tourspielers. Der Oberkörper ist genug nach vorn gebeugt, dass beide Arme lang und frei hängen. Das Schaftende befindet sich mehr als eine Faustbreite von den Oberschenkeln entfernt. Trotz des Beugens des Oberkörpers ist das Kinn hoch und weg von der Brust.
Mein Tipp: Sie sollten Ihre Ausrichtung beim Training immer wieder überprüfen – sogar Tourspieler machen das. 

a) Um Ihre Fußrichtung zu überprüfen, legen Sie lieber einen Schläger an den Fersen entlang statt, wie hier bei Camilo, an den Fußspitzen. Stimmt die Fußrichtung, zeigt der Schläger parallel und leicht links vom Ziel (für einen Rechtshänder). 

b) Ändern Sie Ihre Zielrichtung regelmäßig, etwa nach jedem fünften Schlag.

c) Die zwei Stangen helfen Camilo bei der Ausrichtung, aber auch bei der Schwungbahn. Käme der Schläger beim Abschwung falsch an den Ball, würde er die Stangen treffen.

Bild 2: Ein perfektes Beispiel von »delayed rotation«, also verspäteter Körperrotation, und eine Position, die eher für eine junge Person geeignet ist. Die Arme haben den Schlägerkopf über einen halben Meter vom Ball weg geschwungen. Die Schultern haben sich dabei allerdings nur minimal gedreht, und die Hüfte hat sich kaum bewegt.

Mein Tipp: Die Schlagfläche zeigt immer noch Richtung Ball und der linke Handrücken zeigt Richtung Ziel. Für mich ist diese »8-Uhr«-Position der Schlüssel für einen guten Schwung. Ab hier kann fast nichts mehr schief gehen.

Bild 3: Camilo lässt nun seine Schultern und Hüfte drehen. Die Knie bleiben allerdings ziemlich ruhig. Der entstehende Widerstand zwischen dem Unter- und Oberkörper wird beim Abschwung gelöst und in hohe Schwunggeschwindigkeit und entsprechende Länge umgesetzt. Die Arme schwingen den Schläger nach oben. Trotz des Abwinkelns der Handgelenke bleibt der linke Arm lang, und die Hände sind weit weg von der Brust. Mein Tipp: Befinden sich die Hände beim Rückschwung auf der Höhe des Bauchnabels, sollte das Ende des Schlägers möglichst Richtung Ball zeigen.

 

Bild 4: Diese Arm-Schulter-Stellung wird heute oft als »two-plane position« bezeichnet: Am Ende des Rückschwungs ist der linke Arm um einiges steiler als die Schulterebene. Das Gegenteil davon ist »one-plane«: Arme und Schultern liegen nahezu auf der gleichen Ebene. Ein gutes Beispiel dafür ist Trevor Immelmann. 

Mein Tipp: Sollten Sie eher zu den »two-plane«-Spielern gehören, stehen Sie wie Villegas aufrechter beim Ansprechen.

Bilder 5 und 6

Beim Abschwung schiebt Camilo als erstes beide Knie seitlich und in Richtung Ziel. Beobachten Sie im Schatten, wie das Licht zwischen den Knien von Bild 4 auf Bild 5 weniger wird. Die Hüfte rotiert nach links, aber die Schultern bleiben noch aufgedreht. Die Drehung der Hüfte und die sich daraus ergebende »Trennung« von den Schultern nennt sich X-Faktor. Alle Longhitter machen diese Bewegung. Als Folge der Körperdynamik schwingen die Arme nach unten, und der Schläger befindet sich nun auf der optimalen Bahn, um den Ball zu attackieren.

Mein Tipp: Tendieren Sie zum Slice? Wenn ja, schieben Sie beim Abschwung die Knie seitlich und Richtung Ziel. Dabei sollte sich die rechte Ferse (als Rechtshänder) früh vom Boden heb

Bild 6-10 (durch anklicken vergrößern)

Bild 7: Die Sekunde der Wahrheit: Camilo bringt den Schlägerkopf mit einer Geschwindigkeit von ca. 180 km/h perfekt square an den Ball.

Meine Tipps, was Sie imitieren sollten:

a) Die rechte Ferse ist weg vom Boden. Das schont den Rücken und bringt Länge.

b) Wenn das Gesäß hinten bleibt und das Körpergewicht sich nach links verlagert hat, darf die Brust beim Abschwung ruhig abtauchen (vergleichen Sie die Kopfposition in Bild 7 mit Bild 3).

c) Das linke Hüftgelenk ist im Treffmoment weiter entfernt vom Ball als bei der Ansprechposition.

 

Bilder 8, 9 und 10

Der Ball ist unterwegs, aber Camilo, bleibt sehr lange »in der Achse«: Der Oberkörper richtet sich nicht auf. Trotz konstanter Oberkörperneigung wird seine rechte Ferse bis zur Endposition (Bild 10) immer höher. Achten Sie darauf, wie Hüfte und Schultern bei der Endposition um einiges links von der Schlagrichtung zeigen. Vergleichen Sie die Schaftebene im Bild 1 mit den Schaftebenen in den Bildern 3, 5, 7 und 10. Sehen Sie, wie der Schläger fast perfekt parallel zu seiner Ansprechposition schwingt? Das beweist die optimale Schwunggeometrie.

Mein Tipp: Man kann sich bei Camilo viel abschauen, muss aber nicht alles übernehmen – Golfer mit Rückenbeschwerden dürfen schon ab Bild 8 den Oberkörper aufrichten.

 

 

Daten & Fakten: Camilo Villegas

Geboren am 7. Januar 1982 in Medellín, Kolumbien

Weltranglistenposition: 9

Turniersiege: sieben weltweit, davon zwei auf der US PGA Tour

Bestes Major-Finish: T4 (PGA Championship 2008) 

 

 

Der Experte

Ian Peek ist einer der renommiertesten Pros in Deutschland. Der Schotte un---terrichtet im GC Sigmaringen Zollern-Alb. Kontakt: 

Tel. 0171/2 86 30 42,

mail@nms-golf.com