Die Jagd nach dem besseren Handicap endet so manches Mal schmerzhaft, denn übertriebene Motivation kann zu Verletzungen führen.
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Stress durch Stableford
Unter den Freizeitsportlern gehören Golfer zu jener Spezies, die oft von überdurchschnittlichem Ehrgeiz getrieben wird. Das liegt unter anderem an der immanenten Logik des Handicaps, gegen das jeder Golfer ins Turnier zieht, sobald er die Platzerlaubnis in der Tasche hat. Doch, Vorsicht! Der Kampf ums bessere Handicap kann schmerzhafte Tücken haben – Zerrungen, Verletzungen, Sehnenscheidenentzündungen sind nur einige Folgen wenn man das Spiel mit dem weißen Ball übertreibt. Wenn schon Ehrgeiz, dann sollte man sein Vorhaben mit einer sportmedizinisch durchdachten Planung angehen.
Welcher Golfer strebt nicht höhere Ziele an? Schon die Teilnahme an Turnieren bestätigt, dass man mehr will – nämlich weniger Handicap. Und dafür ist so mancher Freizeitgolfer bereit mehr einzusetzen, als seine Möglichkeiten gerade zulassen. Ohne sich im Klaren zu sein, wo die persönlichen Leistungsgrenzen liegen, zieht in die persönliche Golfkultur das Element Quantität ein: Man verbringt unzählige Stunden auf dem Platz und auf der Range, nur um besser zu werden. Wann man allerdings die persönlichen Leistungsgrenzen überschreitet, ist körperlich spürbar – meistens an Schmerzen.
Das Überforderungssyndrom spricht eine deutliche Sprache: Zerrungen, Bewegungsschmerzen, Muskelkater, Mikrotraumen durch kleinste Einrisse in Band- oder Muskelgewebe. Überanstrengung beginnt da, wo das Verhältnis zwischen Möglichkeit und Tätigkeit nicht mehr stimmt. Wo der mechanische Einsatz über die erforderliche Muskelkraft hinausgeht, die für die Schwungsteuerung erforderlich wäre. So überdehnen Golfer häufig bei der axialen Rotation oder führen – oft bei Turnieren – den Drive überhastet aus. Immerhin können die Fliehkräfte beim Schwung bis zum Vierfachen des eigenen Körpergewichts betragen. In der Addition an Schlageinheiten im Training oder beim Turnier sind instabile Bänder und mangelhaft austrainierte Muskeln einer Überbelastung durch potenzierte Fliehkräfte ausgesetzt, die der Haltungs- und Bewegungsapparat nicht abfangen kann, ohne sich Blessuren einzuhandeln. Die Wucht der Krafteinwirkungen geht direkt auf die Gelenke, Muskeln und Bänder, die in den Schwung involviert sind: Schulter, untere Wirbelsäule und Bandscheiben. Zerrungen der Rücken- und
Schultergürtelmuskulatur sowie Golferarm – Reizung der Ansatzbereiche der Handgelenks- und Fingerbeuger an der Innenseite des Elllenbogengelenks – stehen meist in der Kausalitätskette von defizitärer Muskelkraft und übermäßigem Trainingseinsatz bzw. Schwungeinheiten an erster Stelle. Aber auch das Kniegelenk ist in diesem Beschwerdeprofil anzuführen. Die Patellarsehne (Kniescheibensehne) ist ein sensibler Punkt, der die hohe Kraft des Kniestreckmuskels über die Kniescheibe auf den Unterschenkel überträgt. Reizungen entstehen durch falsche Belastung oder Überbelastung. Insbesondere dann, wenn die Ober- und Unterschenkelmuskeln auf schwachen Beinen stehen.
Der kategorische Imperativ der Golfer lautet: »Ich muss besser werden!« Mit wenigen Ausnahmen haben alle Golfer immer etwas an sich auszusetzen: am Schwung, am kurzen Spiel, an der Technik, der mentalen Stärke und natürlich am eigenen Handicap. Die Allgegenwärtigkeit des Handicaps provoziert eine Faustsche Rastlosigkeit auf den Grüns dieser Welt. So ist es nicht verwunderlich, wenn die Jagd nach dem besseren Handicap – was nun einmal eine Verbesserung von Technik, Taktik und Biomechanik zwangsläufig mitbedingt – manchen Golfer Schritt für Schritt in einen mentalen und psychophysischen Stress treibt, aus dem eine sportliche Hyperaktivität resultiert: Nach dem Motto »viel hilft viel« wird jedes Turnier mitgespielt, die Driving-Range zum zweiten Wohnzimmer und das Kontingent an Trainerstunden um ein Vielfaches gesteigert.
Dem Sympathikus kommt das sehr gelegen. Von jeher mit einer ausgeprägten Affinität zu Überreaktionen, Aktivitätsüberschuss und motorischer Unruhe ausgestattet, heizt er das neuronale und organische System an. Und bringt seine Lieblingshormone ins Spiel – Adrenalin und Noradrenalin, die Stresshormone. Über die Zeit baut der Organismus einen anhaltenden Spannungszustand auf, der Organ- und Nervensystem in eine Haltung ständiger Einsatzbereitschaft versetzt und sie blitzschnell, leider oft auch ungefiltert, auf Reize reagieren lässt. So bedingt das eine das andere: Zum Spannungsabbau muss der Organismus etwas tun, und sei es, dass die Muskeln einen Dauertonus aufbauen. Je nach Ausprägung und Handlungskonzept, den der Betroffene aus dem Stressmechanismus ableitet, kommt es zu Hartspann, Übersäuerung oder Bewegungsschmerzen, weil der Organismus einfach nicht mehr rund läuft und eine Dysbalance von Anspannung/Arbeit und Regeneration vorherrscht. Permanente Anspannungen wirken sich aus: die Blutgefäße verengen, Organe, Muskeln und Zellen werden nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt, insgesamt verlangsamt sich der Stoffwechsel. Ablagerungen von Stoffwechselschlacken in Band-, Muskel- und Bindehautgewebe haben leichtes Spiel.
Der eigentliche Stressmotor jedoch sitzt im Kopf. Niemand muss sich den Versuchungen von Anspannung und Hyperaktivität ergeben. Im Kopf entscheidet es sich, wie latent oder ausgeprägt die Stress-Chemie ihr Unwesen im Organismus treibt. Ob es zu angespannten Rückenmuskeln, Reizungen des Ischiasnervs, hohem Blutdruck oder Gefäßverkrampfungen kommt. Stress lohnt sich nur, wenn seine Formel Eustress (positiver Stress) heißt, wenn Leistungslust und Freude am Spiel uns antreiben, wenn Sie mit einem Lächeln Ihre Leistungsziele verfolgen. Und Ihre Glückshormone beim Golf- und Fitnesstraining aktivieren. Bedenken Sie: Die Metamorphose von Ehrgeiz zu Distress (negativer Stress) verläuft in vielen Fällen übergangslos. Wer unter negativem Stress steht, kommt schneller in den Grenzbereich von Überanstrengung und körperlicher Erschöpfung. Nicht weil er grundsätzlich eine schlechte Kondition hätte, sondern weil unter den Bedingungen von Distress die biochemischen Vorgänge den Organismus überlasten, Sauerstoff und Mineralien abziehen, Energiereserven schneller aufbrauchen bzw. das organische Versorgungssystem mit Nährstoffen blockieren.
Wer sein Training so anlegt, dass er pro Woche rund 2.000 Kilokalorien verbrennt, liegt für einen Freizeitsportler in einem guten Aktivitätssegment. Was darüber hinausgeht, zielt schon in den leistungssportlichen Bereich. Und erfordert einen breit angelegten Konditions-, Fitness- und Trainingsplan. Leider fehlt Golfern, die vom Stressmotor angetrieben werden, das rechte Maß für Energie- und Kraftaufwand. Sie verpulvern ihre Reserven und sorgen oftmals nicht für den angemessenen Nachschub an Mineralien, Vitaminen und Kraftaufbau. Sie fokussieren ihre sportliche Aktivität allein auf das Golfen und ignorieren dabei das Prinzip des Ganzheitlichen: dass der Körper vielfältige Stimuli braucht, um Kraft, Kondition und Ausdauer aufzubauen. Diese Anreize liegen auch jenseits der Grüns – auf Laufstrecken und im Fitness-Studio – und nicht zuletzt im Kopf
Zusätzliche Informationen und Links
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