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Training - Sportmedizin

Die Kraft im Nacken

Probleme im Nackenbereich können Koordinations- und sogar Sehstörungen auslösen. Golfer sollten die Region der Halswirbelsäule unbedingt trainieren.

Wenn der Nacken streikt, nutzen weder mentale Stärke noch perfekte Technik oder ausgefeilte Taktik. Denn funktionelle oder pathologische Störungen im Bereich der Halswirbelsäule (HWS) können den Blick »trüben«. Das heißt, die Treffsicherheit lässt nach, das Gefühl für die richtige Entfernung stimmt nicht mehr, das Koordinationssystem wird gestört und die Muskeln erschlaffen.

 

Unter den mechanischen Elementen des Haltungs- und Bewegungsapparats nimmt die HWS eine Sonderstellung ein. Sie fungiert als Vermittler biomechanischer Befehle, die das limbische System aussendet und die vom Nacken aus über das Rückenmark zur Dekodierung an Arme und Beine weiterleitet werden. Von der HWS aus können Kopf, Schultergürtel und Brustkorb bewegt werden. Das unterscheidet sie von anderen Abschnitten der Wirbelsäule. Die Halswirbel sind beweglicher gegeneinander als die übrigen Wirbel. Als anatomischer Haltepunkt und Bewegungsmotor des Schädels sowie wichtigste Verbindung zwischen Kopf und Torso ist die HWS von allen motorischen Elementen des Körpers auf der Golfrunde im Dauereinsatz. Sie ist ständig in Bewegung, auch weil sie den Augen in allen Spielsituationen folgt. 

 

Zentralorgan HWS

Für die flexible Motorik des Kopfs zeichnen die Wirbel Atlas (Nicker) und Axis (Dreher) verantwortlich. Im Vergleich zu anderen Wirbelkörpern weicht ihre anatomische Bauform ab. Der erste Halswirbel (Atlas) ist wie ein Knochenring geformt, der zweite Halswirbel (Axis) ragt mit einem zapfenförmigen Fortsatz in den Atlasring hinein. Insgesamt sieben Wirbel bilden die knöcherne Architektur der HWS, die von Hals- und Rückenmuskulatur sowie durch mehrere Bänder fixiert und gestützt wird. Aus dem Rückenmark im Bereich der HWS entspringen die Spinalnerven. Die oberen vier bilden das Nervengeflecht (Plexus cervicalis), das den Hals, seine Muskulatur und das Zwerchfell innerviert. Die unteren vier Halswirbel bilden mit den Nerven des ersten Brustwirbelkörpers das Geflecht, das die Brust-, Rücken- und Armmuskulatur sowie die dazugehörige Haut innerviert. Durch die Querfortsätze der HWS ziehen Arterien, die mit den inneren Halsschlagadern das Gehirn mit Blut versorgen.

 

Beschwerden oder pathologische Veränderungen der HWS beeinträchtigen die Vitalität des gesamten Versorgungs- und Steuerungssystems von Kopf und Torso. Sie unterstützt als mechanisches Sinnesorgan auch die Koordination der Augen. Beispiel: Bei Seitwärtsneigungen des Kopfs bleiben die Augen horizontal stehen und bewegen sich nicht mit der Kopfachse. Zur Ausführung dieser Koordinationsarbeit benötigt das Gehirn entsprechende Informationen, die es über die Rezeptoren Auge und Gleichgewichtsorgan erhält. Die Dekodierung und Information über Wirbelsäulenbewegungen empfängt das Gehirn über die Propriozeptoren. Das sind innere Messorgane, die sich nahe am Schädel, eben im Bereich der HWS befinden. 

 

Golfer-Nacken

Über 18 Löcher absolviert die HWS ein breites Spektrum an Koordination motorischer Bewegungen und Haltearbeit. Was ihr zusetzt, sind Stress, Haltungsfehler (Halsüberstreckung durch Rundrücken) und Muskelverspannungen. Sie ist ein untrüglicher Indikator für psycho-physische Störungen und reagiert mit Nacken-, Oberarm-  oder Kopfschmerzen. Weitere Folgen sind Konzentrationsschwächen beim Abschlag oder Putten und Muskelfunktionsstörungen im Bewegungsablauf. Ursachen können Haltungsfehler und Verspannungen im Nacken- und Brustwirbelbereich sein, wobei das eine das andere bedingt. Ein Verschleiß der Bandscheibe oder der kleinen Wirbelgelenke bewirkt eine Verengung der Durchtrittstellen der Kopfblutgefäße und Nervengeflechte. So kommt es zu Reizungen der Nervenwurzeln, Schmerzen in Schultern und Armen, Sensibilitätsstörungen in Armen und Fingern oder schmerzhaften Verspannungen der Nackenmuskulatur. Schwindelanfälle, Müdigkeit und Nebenhöhlenbeschwerden fügen sich ins pathologische Bild des HWS-Syndroms. Da die HWS sehr beweglich ist und auf dieser instabilen Säule noch der Kopf sitzt, kann es durch Fehlhaltungen oder abrupte Bewegungen zu Fehlstellungen der Halswirbel kommen, wodurch Nerven gequetscht oder gereizt werden – eine häufige Ursache für Migräne. 

 

 

Starker Nacken, starkes Spiel

Die Stützmotorik ist eine wesentliche Voraussetzung für die Zielmotorik. Bei ungenügender Fixierung des Achsenskeletts wird die Stütze bewegt. Eine trainierte Muskulatur und ein stabiler Bandapparat reduzieren die Beanspruchung der HWS um das Fünf- bis Sechsfache. Statische und dynamische Trainingsreize beanspruchen alle Gewebe, auch Bänder und Sehnen. Für das Golftraining gilt: Adäquate Belastungen bewirken geplante Anpassungen. Das heißt, die Wiederholungszahl und die Intensität werden von der Zielstellung bestimmt, je nachdem, ob Sie präventive oder leistungssportliche Ziele verfolgen. Bei wenig Muskelmasse ermüdet die Muskulatur schneller und bei schlechter Körper-Kopf-Haltung bleibt die Technik auf der Strecke. Wenn die nicht stimmt, werden Fehlhaltungen verstärkt und Muskeln weiter malträtiert.

 

Tägliches Nackentraining

 

  • Brustkorb mehrmals am Tag heben, Schultern dabei leicht nach hinten ziehen.
  • Stärken Sie auch die Bauchmuskeln. Dies führt zur Entlastung der langen Rückenstrecker, die beim HWS-Syndrom mehr zupacken müssen.
  • Arbeiten Sie an Ihrer Haltung: Schultern nicht hochziehen, Brust raus! Mit einem kompakten Muskelkorsett ist das kein Problem. 
  • Dehnungsübungen fördern die Beweglichkeit: Das Heben und Kreisen der Schultern lockert den Schultergürtel.
  • Hals-Nacken-Muskeln lockern: Kopf auf die Brust sinken lassen, dann in den Nacken legen (so weit es geht), dann Kopf auf die linke Schulter senken und anschließend auf die rechte. Diese Übung bitte nur in einem langsamen, leichten »Fluss« durchführen. Achtung: Kopfkreisen ist strengstens verboten! 
  • Körperliche Bewegung: Sport, Schwimmen, Wandern, viel frische Luft tun ein Übriges.
  • Bei Kopf-Nacken-Schmerzen helfen heiße Kompressen (z.B. mit Kamillenessenz) oder kalte Kompressen auf Stirn und Nacken, kalte Kneipp-Güsse über Arme und Beine, Baldrian- oder Melissentee entkrampfen und beruhigen.

Zusätzliche Informationen und Links

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