Unser Appell »Rettet Golf!« hat Bewegung in die deutsche Golfszene gebracht. In Clubhäusern, auf den Plätzen und im Internet wird leidenschaftlich diskutiert. Das beweist: Wer will, kann eine ganze Menge verändern. Und die beste Nachricht: Der DGV hat bereits reagiert.
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Rettet Golf (III): Wir sind das Volk!
Es ist ein erstaunliches Gefühl. Als ob man jahrelang in einer dunklen Kammer gesessen und geglaubt hätte, man sei der einzige Mensch auf der Welt. Und irgendwann merkt man, dass da draußen ja noch Tausende Gleichgesinnte sind. Die Reaktionen auf unser Plädoyer im Januarheft haben die Redaktion und mich darin bestärkt, dass wir alle das Gleiche denken. Und dass wir, wenn wir alle gemeinsam am gleichen Strang ziehen sollten, unseren Sport wieder so gestalten können, wie er doch eigentlich sein soll: simpel, ehrlich, faszinierend.
Uns allen sind keineswegs die Hände gebunden. Der Deutsche Golf Verband ist der Dachverband der deutschen Golfclubs. Und die Golfclubs, das sind wir. Ergo: Wir sind das Volk. Und wir können was bewegen. Man darf nur nicht den Fehler machen, auf »die da oben« zu schimpfen, das ist eine zu bequeme Haltung. Und auch der Verband braucht sich nicht auf internationale Zwänge zu berufen. Der DGV ist ja im globalen Golf, um mal einen Vergleich mit der UNO zu wagen, kein unbedeutendes Dritte-Welt-Land, sondern mindestens ständiges Mitglied im Sicherheitsrat. Als einer der größten europäischen Verbände hat der DGV durchaus die Macht und die Möglichkeit, aktiv mitzugestalten. Hier kommen fünf Vorschläge, die wir – der Verband, die Clubs und wir Golfer – uns zu Herzen nehmen sollten. Und die bei Ihnen auf volle Zustimmung stießen.
1. Zählen statt streichen
Damit wir uns nicht missverstehen: Wir wollen Stableford nicht abschaffen. Aber das System hat nicht erfüllt, was man sich bei seiner Einführung versprochen hat. Im Gegenteil: Wegen Stableford ist das Spiel nicht schneller, sondern sogar noch langsamer geworden. Das klingt auf den ersten Blick paradox, lässt sich aber leicht erklären: »Stableford verführt zu risikoreichem Spiel, und risikoreiches Spiel heißt langsames Spiel«, sagt Stefan Quirmbach, Präsident der PGA of Germany. Beim Zählspiel würde ein kluger 18-Handicapper wahrscheinlich konsequent Eisen 5 vom Tee spielen und mit sicherem Bogey-Golf ein gutes Ergebnis abliefern. Bei Stableford greift selbst der 34-Handicapper an engsten Löchern quer durch eine Waldschneise nach dem Driver – man kann ja bei Bedarf »streichen«. Und das bedeutet: Pro Flight werden an jeder Bahn mindestens zwei Bälle im Unterholz gesucht. Das hält länger auf als ein Golfer, der sich im Zählspiel mal eine 11 auf einer Bahn notieren muss. Die Schläge selbst kosten ja nur wenig Zeit. Tatsächlich aber ist es ja nicht der DGV, der Stableford vorschreibt, sondern der Club. Also sollten wir in unserem Golfclub vorschlagen, mehr Zählspiele zu veranstalten, das spannende Lochwettspiel wieder einzuführen (das in vielen Ländern übrigens gern für die Clubmeisterschaften benutzt wird) und auch den Klassischen Vierer nicht zu vergessen. Das ist Golf in reinster Form. Das gilt nicht nur für den Club: Wir selbst können ja ebenfalls um den Aperitif im Clubhaus mit unseren Freunden Loch für Loch spielen. Und so die Faszination Golf neu entdecken.
2. Jede Runde zählt
Die größte Zustimmung der Leser kam zu dem folgenden Abschnitt des Januar-Plädoyers: »Warum sollen beispielsweise Privatrunden nicht fürs Handicap zählen? Ich erkenne immer noch keinen guten Grund, warum eine von drei Personen beglaubigte Scorekarte nicht im Sekretariat eingereicht werden können soll. In den USA ist das problemlos möglich – inzwischen kann man sogar sein eigenes, offizielles Handicap im Internet verwalten.« Das sollte sich doch wirklich leicht einführen lassen. Daher meine Forderung, die fast alle Leser in Briefen und Mails unterstützten: Lassen Sie uns jede Runde werten, die wir spielen! Jeder unterschreibt seine Scorekarte, dann ab damit in einen Kasten am Clubhaus! Wenn das im größten Golfland der Welt (und einigen anderen) geht, dann geht es in Deutschland doch auch.
Eine Untersuchung des amerikanischen Golfverbandes USGA ergab übrigens folgendes Bild: Anhand von Turnierergebnissen und Stichproben kann man hochrechnen, dass jenseits des Atlantiks etwa 15 Prozent aller Golfer ein Eitelkeits-Handicap haben (sie nennen sich »Vanity Handicappers«) und fünf Prozent absichtlich ein höheres Handicap halten, um bei Zocks zu gewinnen (»Sandbaggers«). Macht also 20 Prozent Schummler (von denen die allermeisten nur sich selbst schaden). Was denken Sie – ob in deutschen Turnieren auch jeder Fünfte schummelt? Klar ist jedenfalls: Wer in unserem jetzigen System betrügt, betrügt auch in einem neuen System. Wer jetzt ehrlich ist, ist auch zukünftig ehrlich. Zugegeben: Wie passt das zusammen mit der Forderung, dass das Handicap im Golf nicht alles sein darf? Nun, ich glaube, es passiert Folgendes: Wenn so gut wie jede Privatrunde fürs Handicap zählen darf (oder wenn man sich vornimmt: »Jeden Dienstag reiche ich die Scorekarte ein, egal wie sehr ich herumhacken werde«), dann verliert das Handicap eben auch seine Bedeutungsschwere. Es wird zu einer beiläufigen Begleiterscheinung.
In den USA ist das, wie im letzten Essay geschildert, bereits geschehen. Dort wirft niemand mit seiner Stamm- oder Spielvorgabe um sich, sondern sagt, wenn er nach seinen Fähigkeiten auf dem Platz gefragt wird, dass er »so um die 80« spielt oder »in den tiefen 90ern«. Angenehmer Nebeneffekt: Das Handicap wird volatiler, geht also schneller nach oben und nach unten. Momentan ist es doch so: Wenn man die ganze Saison den Ball kreuz und quer schlägt, steigt das Handicap von -22 auf allenfalls -24. Wenn man die ganze Saison kontinuierlich gut spielt, kommt man mit Mühe von -18 auf -16. In einem System, das mehr Runden berücksichtigt (beispielsweise die zehn besten der letzten 20) und keine Ober- und Untergrenzen kennt, kann es sein, dass man in einer Saison mal mit einer -10 antreten darf und nach der Schwungumstellung des Pros wieder auf -20 steigt.
Ich weiß nicht, was Sie davon halten, aber mir kommt das gerechter und spannender vor. Wer mit Clubpräsidenten spricht, bekommt den Eindruck, dass vorgabewirksame Turniere ohnehin ihren Charme verlieren und die Teilnehmerzahlen kontinuierlich sinken (eine verlässliche bundesweite Statistik gibt es nicht). Um mal zum Kern der Sache zu kommen: Sein Handicap nur mit Fremden erspielen zu können und nicht mit Freunden, ist irgendwie blöde. Vergessen wir nicht: Die Handicap-Versessenheit ist nicht schön (auch wenn meine »Mission« auf Seite 38 ein wenig davon lebt, ich hoffe jedoch, allen Lesern ist der humoristische Ansatz der dortigen Kolumne bewusst). Aber das Handicap ist eben auch ein ganz wesentliches Element, das Golf von fast jedem anderen Sport unterscheidet. Das Handicap ist durchaus eine faszinierende Sache. Es darf nur nicht den Sinn des Golfsports ersetzen.
3. Ignorieren statt Lamentieren
Mit dieser Art »Selbstverantwortung« für das Handicap könnten wir auf eine sehr elegante Weise auch die CSA-, Slope- und Course-Rating-Problematik lösen, ohne gegen Windmühlen kämpfen zu müssen. Und zwar so: In Privat-runden greift CSA nicht, also ist es auch für das Handicap uninteressant. Slope- und Course-Rating sind ebenfalls ausgehebelt: Eine 82 ist eine 82, ob in Carnoustie oder auf einem städtischen 9-Löcher-Platz. Mit CSA darf dann meinetwegen noch bei den Clubmeisterschaften jongliert werden, ansonsten verliert es seine Bedeutung.
Eine charmante Lösung, die niemandem weh tut: CSA darf bleiben, wird aber praktisch umgangen. Und gerät irgendwann in Vergessenheit.
Fassen wir zusammen: Eine laufende Aktualisierung des Handicaps bedeutet weniger Bürokratie, mehr Eigenverantwortung, weniger Ergebnisarithmetik, mehr Spaß am Sport. Und das ist doch schon eine ganze Menge.
4. Handel & Wandel
Nur mal so herumgesponnen: Was wäre, wenn beim nächsten DGV-Verbandstag einer der Präsidenten eines Golfclubs den Antrag einbringen würde, auch Privatrunden fürs Handicap zuzulassen? Ja, vielleicht (oder sogar wahrscheinlich) käme dann zumindest mal eine Diskussion in Gang. Es sei noch einmal daran erinnert: Die größte und erfolgreichste Golfnation der Welt praktiziert diese Regelung seit Jahren.
Besser noch: Es gibt ja viele lockere Golfzusammenschlüsse (etwa den »Münchner Kreis« oder das »Golfland Niedersachsen«). Wenn also einmal ein paar Präsidenten oder Manager dieser Clubs miteinander telefonieren, dabei ihre Präferenzen ausloten und dann gegebenenfalls gemeinsam einen Antrag für »Jede Runde zählt« einbringen würden – dann hätte unser Anliegen schon einige Wucht.
5. Reisen Sie nach Schottland!
Gut, das ist nur eine private Aufforderung. Aber eine, die ich nur jedem ambitionierten Golfer empfehlen kann. (Nebenbei: Man kann auch mit Handicap 36 ein ambitionierter Golfer sein.) Lassen Sie mal Mallorca und die Costa del Sol beiseite. Golf ist nicht erfunden worden, um dabei braun zu werden. Reisen Sie wenigstens einmal im Leben nach Schottland – oder nach Irland –, atmen Sie die Geschichte ein, wandeln Sie auf den Spuren derjenigen, die uns diesen Sport geschenkt haben.
Falls Sie mit der gleichen Spielgeschwindigkeit wie in Deutschland über die Links-Kurse wandeln, drei Probeschwünge machen und die Putt-Linie von vier Seiten lesen, wird Ihnen übrigens Folgendes passieren: Sie werden spätestens an Bahn 5 von einem 82-jährigen Mann ohne Zähne im Mund überholt, der seine Tasche mit antiken Schlägern selber trägt und dabei vor sich hin flucht. Wie auch immer: Sie kommen als anderer Mensch – und als anderer Golfer – zurück. Sie kommen raus aus Schottland, aber Schottland kommt nie mehr raus aus Ihnen.
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DGV: Regeländerung zur Saison 2008
CSA ab sofort entschärft!
Grandiose Nachrichten für das »Golfer-Volk«, also für uns alle: Wir können tatsächlich etwas bewirken! Soeben meldet der DGV, dass »das Competition Stableford Adjustment für das kommende Jahr optimiert wurde«. Die vielstimmige Kritik am CSA-System - die von GOLF JOURNAL aufgegriffen und in den GJ-Ausgaben 10/07 und 11/07 sowie vor allem auch in der »Rettet Golf«-Serie ausführlich dokumentiert wurde – blieb also nicht ungehört. Man habe »intensive Auswertungen vorgenommen«, heißt es beim Verband in Wiesbaden, und somit »entscheidend dazu beitragen« können, dass auch der für CSA verantwortliche Europaverband EGA die Probleme im System erkannte. »Auf Wirken des DGV ist es zurückzuführen, dass dieser systematische Fehler bereits für die kommende Spielsaison 2008 behoben wurde.« Zudem stehe nun »auf einer nicht geringen Zahl von Golfanlagen eine Überprüfung des Course Ratings an«, sagt der DGV – und spricht damit einen weiteren Kritikpunkt der Golfspieler an, über den GJ in Heft 10/07 mit einer Beispielliste berichtet hatte.
Hier die wichtigsten Änderungen beim CSA auf einen Blick:
* Als Kalkulationsbasis werden Ergebnisse ab 35 statt bisher 34 Stableford-Nettopunkten aufwärts herangezogen.
* Die Mindestteilnehmerzahl zur Anwendung von CSA bei einem Wettspiel wird von zehn auf 15 Spieler erhöht.
* CSA wird nicht mehr bei 9-Löcher-Turnieren angewendet.
Das Ziel dieser – übrigens europaweit gültigen – Korrekturen sei laut DGV, dass bei CSA-Turnieren ab sofort gar keine bzw. Plus-Anpassungen »zum Regelfall« werden, Minus-Anpassungen dagegen »zum Ausnahmefall«. Der Verband schätzt, dass sich dadurch etwa die Quote der »-1-Anpassungen« von bislang rund 32 Prozent auf künftig unter 16 Prozent halbieren dürfte. Na also, es geht doch!
Zusätzliche Informationen und Links
Equipment: Fairway-Hölzer & Hybrids 2012 im Test +++ Bubba Watson: Der Drive des Champions +++ British Columbia: Traumhafte Kulisse in den Rocky Mountains +++ Fussball: Das GJ-Spezial zur Europameisterschaft +++ Golf & Medizin: Die Voltaren-Golfer +++ Gewinnspiel: Mit Lufthansa Business Class nach Berlin +++ Szene: Die Spielstärke der deutschen Golfer +++ u.v.m.






