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Golf-Memorabilia

Jäger und Sammler

Es gibt Golfer, die interessieren sich nicht sonderlich für Pars oder Birdies. Unterspielungen lassen sie ebenso kalt wie Monatsbecher. Sie jagen ganz andere Trophäen: alte Bücher, historische Hölzer und wertvolle Stücke aus den Anfangszeiten des Rasensports.

Von Stefan Maiwald. Wie jede Sucht fängt sie ganz unscheinbar an. Zuerst stapeln sich die Scorekarten aller gespielten Plätze auf dem Schreibtisch. Dann kauft man überall dort, wo man ein Greenfee löst, noch einen Logo-Ball dazu. Das extra geschreinerte Ballregal wird voller und voller. Dann entdeckt man auf einer Golfreise durch Irland einen uralten ?Hickory-Putter, der sich doch ganz gut in der Wohnzimmervitrine machen würde. Und plötzlich gehört man schon irgendwie dazu: Man ist Golfsammler geworden. Genauer: Sammler von Golf-Memorabilia.

 

Ernsthafte Sammler dürfte es in Deutschland vielleicht zwei Dutzend geben, Tendenz steigend. In Großbritannien dagegen ist das Sammeln von Golf-Memorabilia – wie ja auch das Golfen selbst – Volkssport, und auch in den USA gibt es rund 3.000 Horter von Golfschätzen. Während die Briten sich in typischen Clubs zusammenschließen (in die British Golf Collectors Society können Sie nur aufgenommen werden, wenn zwei Mitglieder für Sie bürgen), kann man sich in der amerikanischen Golf Nut Society problemlos online registrieren. Die »Golf-Verrückten« machen ihrem Namen alle Ehre: Da gibt es einen, der hat schon fast 100.000 Scorekarten gesammelt, ein anderer 70.000 Logo-Bälle, und wieder ein anderer hat 16.000 Plätze weltweit gespielt, manchmal sechs an einem Tag.

 

Sammeln liegt den Menschen im Blut, doch Sammler hatten es lange nicht leicht. Bis in die Siebziger Jahre hinein galt das Sammeln als kleingeistig und kleinbürgerlich – besonders Psychologen behaupteten immer wieder, das Horten von Gegenständen sei eine Flucht vor der Realität; Sigmund Freud sprach gar davon, dass die Sammelleidenschaft unerfüllte sexuelle Wünsche kompensiere. Doch dass Psychologen viel Unsinn verzapfen, weiß man ja schon seit Freuds kruden Theorien zur Traumdeutung (und im übrigen war Sigmund Freud selbst ein begeisterter Sammler von Ringen und Statuetten). Heutzutage sieht man das Hobby in einem besseren Licht: Inzwischen schätzen Psychologen die kreative Potenz des Sammelns, seine kommunikationsfördernde Wirkung und die Schärfung des Geistes – schließlich muss sich ein Sammler immer auch mit Historie, Kulturgeschichte, Geographie und allerlei sonstigen Fachgebieten auseinandersetzen. Viele Gelehrte und Wissenschaftler waren große Sammler: Petrarca vermachte seine Bibliothek von 40.000 Büchern per Testament der Republik Venedig; Goethe häufte 25.000 Kunstwerke an und machte sich im Dialog »Der Sammler und die Seinigen« sogar über seine Obsession lustig: Er sei der Beherrscher, der »die Welt nach seiner Idee« modelliere.

Geradezu goethische Besessenheit auf dem Gebiet des Golfsports schafft der Hamburger Dr. Ortwin Klang, der eigentlich alles Mögliche aufbewahrt: Scorekarten, Logo-Bälle, Hemden, Mützen, Bag-Tags, Ballmarker, Bleistifte, Pullis, Pitchgabeln, Platzführer, Bücher und Videos. Inzwischen konzentriert er sich auf Golfplätze beziehungsweise auf Fotos von deren Clubhäusern und -wappen. »Davon habe ich in den letzten 15 Jahren über 2.000 gesammelt und bin wohl auf diesem Gebiet Weltmarktführer.« 

 

Zudem ist er der wahrscheinlich einzige Deutsche, der alle der 100 besten Plätze der Welt (laut Ranking des Golf Magazine) gespielt hat. »Dafür habe ich 35 Jahre gebraucht.« Man muss eben Ziele im Leben haben. Ausgerechnet Nummer 100 wäre beinahe seine letzte Teetime gewesen: Bei der Rückkehr vom Platz Highland Links in Nova Scotia im Norden Kanadas wurde in Toronto zwischengelandet. »Um Haaresbreite rauschte eine Maschine der Air France an unserem stehenden Flugzeug vorbei und ging in Flammen auf.« Das Unglück vom Juli 2005 machte weltweit Schlagzeilen, doch solche Beinahe-Katastrophen können Dr. Klang nicht schocken, denn demnächst muss er wieder reisen: »Seit der neuesten Liste von Golf Magazine bin ich wieder auf 96 zurückgefallen, weil einige neue Anlagen hinzugekommen sind.«

Einer der renommiertesten deutschen Sammler ist Christoph Meister. Neben antiken Schlägern und Büchern beschäftigt sich der Hamburger mit der melancholischen Thematik untergegangener Golfplätze – auch so etwas gibt es, nicht zuletzt durch Weltkrieg und jahrzehntelangen Kommunismus. (Wenn auch, wie Meister erklärt, »im Ostblock durchaus Golf gespielt wurde, etwa in der Tschechoslowakei und in Jugoslawien«.) Viel Wertvolles hat er allerdings, so sagt er ?bescheiden, nicht zusammengetragen: »Ich spezialisiere mich auf Stücke aus Deutschland.« Was die heimische Golfgeschichte angeht, dürfte kein Weg an Meister vorbei führen.

Viele Leser fragen sich jetzt vielleicht: Lohnt es sich, mal in Opas Speicher zu stöbern? Deutsche Memorabilia gibt es, auch wenn man sich nicht all zu viele Hoffnungen machen sollte: Der Sport ist in Deutschland einfach noch zu jung, als dass in Tausenden Dachgeschossen wertvolle Schätze zu vermuten wären. Zu den begehrtesten Stücken gehören die Silberteller, die in den Dreißiger Jahren den Deutschen Meistern überreicht wurden. Auch Jahrbücher des Deutschen Golf Verbandes aus der Frühzeit sind Sammlern dreistellige Beträge wert. Das Buch »Das Golfspiel« von Philipp Heineken aus dem Jahr 1898, das erste deutschsprachige Werk, das sich mit dem Golfen beschäftigt, bringt im Original mehrere hundert Euro. Wer klein anfangen will: Als Nachdruck gibt es das Buch schon für 9,90 Euro.

Sammler von Golfbüchern gibt es reichlich, und auch der Markt gibt einiges her. »Früher gehörte es gewissermaßen zum guten Ton, als Sieger der Open gleich ein Golfbuch zu schreiben«, erklärt Rhod McEwan, ein englischer Buchantiquar, der auf Golfliteratur spezialisiert ist (und natürlich die British Open meint). »Außerdem gab es damals noch keine Preisgelder wie heute – ein Buch war oft die einzige Möglichkeit, den Ruhm zu Geld zu machen.« Willie Park Jr. war einer der Findigsten. Er gewann die Open 1887 und 1889 – unter anderem, weil er einen neuen Schläger namens Lofter benutzte, ein Vorläufer des Lob-Wedges, der ihm hohe Annäherungen ermöglichte. Später sollte er weltweit rund 150 Plätze bauen. 1896 veröffentlichte Park »The Game of Golf«, das erste Lehrbuch überhaupt, das sich mit allen Aspekten des Spiels beschäftigte: Schläger, Schwung, Strategie. Es enthielt zahlreiche Fotos und wurde ein echter Bestseller. Der Erfolg des Buches ließ ihn eine Fortsetzung schreiben: »The Art of Putting«, veröffentlicht 1920. Park war als exzellenter Putter bekannt, der, wie damals üblich, extrem offen zum Loch stand. »Ein Mann, der putten kann, kann jeden anderen Mann schlagen«, befand er. Beide Bücher sind im Original je nach Zustand mehrere tausend Euro wert.

Mark Emerson aus Ohio hat sich auf dünneres Druckwerk spezialisiert: Er sammelt Programmhefte von großen Turnieren. Mehr als 600 hat er schon zusammengetragen. Das »Official Programme« der British Open in Muirfield aus dem Jahr 1929 ist rund 1.500 Euro wert; modernere Broschüren, etwa das Programmheft aus Muirfield von 1980, kommen immer noch auf gut 50 Euro. »Wer mit dem Sammeln beginnen will, sollte mit solchen Broschüren anfangen«, findet Emerson. »Der Markt ist groß und aktiv – also ist es leichter, den Wert der einzelnen Stücke zu bestimmen.« Emersons exotischstes Stück ist allerdings nicht aus Papier: Es handelt sich um die Golftasche Walter Hagens vom Ryder Cup 1929.

Ron Watts mag es eher visuell. Er besitzt mehr als 650.000 historische Golffotos im Original, unter anderem das berühmte »Smoking Picture« von Arnold Palmer und Ben Hogan – die beiden coolsten Typen des Golf warten beim Masters 1966 an Tee 2 auf den Abschlag. Watts hat aus seiner Leidenschaft ein Geschäft gemacht und bietet Abzüge und Prints seiner Fotos an – per UPS weltweit, gerahmt und ungerahmt. Nichts, was in heutigen digitalen Zeiten besonders spektakulär wäre, aber immerhin weiß man, was man hat.

Denn Fälschungen sind auf dem Markt der Golf-Memorabilia eher die Regel als die Ausnahme. Je nach Sammelgebiet können bis zu 70 Prozent aller Objekte faul sein, behaupten Experten. Besonders Nachstempelungen von Schlägerköpfen sind beliebt. »Ein erfahrener Club-Fitter hat kein Problem damit, einen Bobby-Jones-Putter so nachzubauen, dass er wie das Original aussieht«, so Christoph Meister. Doch am heftigsten wird bei Autogrammen betrogen. 

Beispiel Tiger Woods, von dem alle sagen, dass er ein richtig freundlicher Mensch ist, trotz seines Status als größter Superstar der Sportwelt. Früher einmal signierte er bereitwillig alles, was ihm seine Fans hinhielten. Dann aber schloss er einen Exklusivvertrag mit der kalifornischen Firma Upper Deck. Seit 2001 ist Woods an das Unternehmen gebunden, das auf Sport-Memorabilia spezialisiert ist und viele Spitzensportler betreut. Ein paar Mal im Jahr kommt Tiger zum Firmensitz von Upper Deck und schreibt einige Stunden lang Autogramme. Beim Schreiben »ist stets ein Angestellter von Upper Deck als Zeuge zugegen«, so Sprecher Ron Williams gegenüber GJ. Zusätzlich wird Tiger von mehreren Videokameras gefilmt – diese Aufnahmen können später die Echtheit jedes einzelnen Autogramms beweisen. Zudem wird jedes Autogramm mit einem Hologramm versehen, ähnlich einem modernen Geldschein. Ein derart verifiziertes Autogramm kostet zwischen 900 und 1.200 Dollar. Wenn Tiger Woods also an einem dreistündigen Vormittag für Upper Deck nichts tut außer Autogramme schreiben, dann erschafft er, grob geschätzt, Werte von mehr als zwei Millionen Dollar.

Natürlich gibt es Autogramme von Tiger Woods auch mal einfach so, etwa auf einem hingehaltenen Golfball (beispielsweise gab Woods, sehr zum Unmut von Upper Deck, bei der Deutsche Bank SAP Open in Hamburg im Jahr 2003 bereitwillig Autogramme). Doch wer auf Ebay 100 Dollar für eine Masters-Fahne ausgibt, »signiert« von Tiger Woods, Jack Nicklaus, Phil Mickelson, Vijay Singh und Nick Faldo, ist hoffnungslos naiv. Und noch etwas: Während Graphologen eine gefälschte Unterschrift auf einem Blatt Papier leicht identifizieren können, haben sie bei Golfball und dickem Edding keine Chance. Mit etwas Übung könnte jeder etwas Tiger-artiges auf einen Titleist »Pro V1« oder Nike »One« kritzeln. Also: Finger weg von solchen Angeboten. Einer der wenigen Superstars, der immer und überall bereitwillig Autogramme gibt, ist Phil Mickelson. Logischerweise – so funktioniert der Markt – sind seine Autogramme verhältnismäßig wenig wert.

Ohnehin sollte man als Sammel-Novize bescheiden bleiben. »Ich würde jedem Golfer raten, zunächst mit den Scorekarten seiner Runden anzufangen und abzuwarten«, so Ortwin Klang. »Viel Spaß macht es auch, von jedem gespielten Platz einen Logo-Ball mitzunehmen.« Von dort bis zu den sogenannten Troon Clubs ist es zwar ein weiter Weg, aber irgendwann muss man ja mal den ersten Schritt machen. Die Troon Clubs sind die Blaue Mauritius der Golfwelt. Die uralten Golfschläger wurden 1898 hinter Mauerwerk entdeckt, zusammen mit einem Zeitungsartikel aus dem Jahr 1741. Sie sind allerdings noch älter, womöglich aus dem 16. Jahrhundert, und mit geheimnisvollen Zeichen und Initialen versehen (des Clubmakers?). 1999 bot ein Sammler vier Millionen Dollar, doch der Vorstand des Troon Golf Club, der Besitzer der vier Hölzer und zwei Eisen, lehnte die Offerte mehrheitlich ab. Die antiken Stücke verblieben im Golf-Museum von St. Andrews, wo sie bis heute stehen.

Auch das Spur Iron des Earl of Wemyss machte seinen Besitzer glücklich: Der 300 Jahre alte Schläger erzielte auf einer Auktion 270.000 Dollar. Ein 150 Jahre alter schottischer Feathery-Ball brachte immerhin 40.000 Dollar, und ein einzelnes Holz aus dem Jahr 1759 wurde kürzlich bei Sotheby’s auf 100.000 Pfund taxiert.

»Golfsammler suchen nicht nur das Seltene, sondern auch das Ungewöhnliche«, weiß Pete Georgiady, Autor des Standardwerks »Collecting Antique Golf Clubs«. »Viele überaus seltsame Schläger aus früheren Epochen wurden mit der Zeit für illegal erklärt, und das macht sie für Sammler nur umso reizvoller.« Einige Vermögensberater behaupten gar, Golf-Memorabilia seien als Geldanlage geeignet. Schließlich seien die Zuwachsraten beim Golf nach wie vor enorm, und die derzeitige Golfbegeisterung in Asien erinnert an den Bordeaux-Boom der Neunziger Jahre, als reiche Japaner den Rotwein-Weltmarkt praktisch leerkauften und die Preise explodieren ließen. Doch eines ist klar: Wer nur aus finanziellen Gründen sammelt, der hat vom Sammeln – und wohl auch vom Golfen selbst – wenig begriffen.


Memorabilia – Tipps für Sammler

* Fangen Sie klein an. Warum nicht erst einmal alles aus Ihrer persönlichen Umgebung mitnehmen? Logo-Bälle, Scorekarten, Birdie-Books…
* Setzen Sie sich, wie beim Golfen selbst, machbare Ziele. Logo-Bälle aller bayerischen Golfclubs – das kann man schaffen, ohne zu verarmen.
* Lassen Sie die Finger von alten Schlägern. Erstens sind die in Deutschland kaum zu kriegen, zweitens sollten Sie wirklich Ahnung von der Materie haben, um nicht übers Ohr gehauen zu werden.
* Haben Sie etwas gefunden, von dem Sie glauben, es sei wertvoll? Dann können Sie Christoph Meister kontaktieren (info@golfika.de) oder gleich Kevin McGimpsey vom Auktionshaus Bonhams in Chester, England (kevin.mcgimpsey@bonhams.com). 
* Wenn Sie ernsthaft sammeln wollen, erkundigen Sie sich bei den verschiedenen Auktionshäusern (Bonhams, Lyon & Turnbull, Mullock-Madelay, Sotheby’s, Christies) nach den Terminen von Golfauktionen und bestellen Sie sich Kataloge.
* Falls Sie in den USA urlauben: Die Läden »In Celebration of Golf« in Las Vegas (direkt im Hotel Venetian) und in Scottsdale, Arizona, gehören zu den führenden Anbietern von Golf-Memorabilia. Ein Besuch dieser Shops lässt Golferherzen mit Sicherheit schneller schlagen.


Surfen & Sammeln im Netz

golfika.com, seit 1997 Plattform für Sammler und golfhistorisch Interessierte, seit kurzem auch die neue Webseite der 2006 gegründeten European Association of Golf Historians & Collectors (EAGHC) – hier kann man sich zur Mitgliedschaft (10 Euro pro Jahr) registrieren lassen
golfika.de, der deutsche Ableger von golfika.com wird vom Hamburger Sammler Christoph Meister betrieben, der zugleich als Vizepräsident des EAGHC fungiert 
zvab.de, das zentrale Verzeichnis antiquarischer Bücher
golfnuts.com, die Seite der Golfverrückten. ?Sie können sich online registrieren lassen und werden Mitglied in einem Club, dem schon Michael Jordan, Peter Jacobsen und Gary McCord angehören
historicgolf.com, Fotos aus allen Epochen des Golfsports. Preise: ab ca. 30 Euro
golfcollectors.com, Homepage der Golf ?Collectors Society, der US-amerikanischen ?Vereinigung von Golfsammlern
celebrategolf.com, die Webseite der amerikanischen Golf-Memorabilia-Spezialisten
rhodmcevan.com, die Webseite des schottischen Golfbuch-Experten
golfmuseum.de, die Sammlung von Peter Insams Museum in Regensburg (Tändlergasse 3)


Zusätzliche Informationen und Links

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