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Interview - Marcel Siem

Ich weiß, dass ich gewinnen kann…

Tour-Pro Marcel Siem im Interview mit GJ über seinen Saisonstart und die Möglichkeiten, wieder ein Turnier zu gewinnen

 

Von Philipp v. Schönborn. Herr Siem: Wie fällt denn Ihr Fazit nach Ihren ersten sechs Turnieren der aktuellen Saison aus?

 

Siem: Als ich Anfang Januar zu den Africa Open anreiste, hatte ich zum ersten Mal nach vielen Jahren eine richtig lange Pause hinter mir. Ich hatte sieben Wochen ausgesetzt und überhaupt kein Golf gespielt. Dementsprechend heiß auf Golf war ich dann auch bei meinem ersten Turnier der Saison 2010. Zwar hat es nicht zum Cut gereicht, aber ich habe viele Birdies gespielt. Beim zweiten Turnier lief es schon besser. In Abu Dhabi komme ich mit dem Platz einfach nicht zurecht. In Katar habe ich mir dann leider eine Fischvergiftung geholt, da ging es mir richtig schlecht. Da wäre mehr drin gewesen, wenn ich gesund geblieben wäre. In Dubai und Indien wechselten leider Licht und Schatten viel zu schnell. In Indien habe ich eine gute Runde mit acht unter Par gespielt und habe mal wieder ein Turnier angeführt. Das war ein gutes Gefühl.

 

GJ: Wenn man Ihre Resultate in den vergangenen Jahren betrachtet, fällt auf, dass Sie erst recht spät in der Saison in die Gänge kommen. Warum?
Siem:
2009 lag es sicher daran, dass ich meinen Schwung umgestellt habe und jetzt wieder einen Draw schlage. Ich habe es mit dem Fade über zwei Jahre versucht, aber ich spiele einfach lieber und auch besser mit einem Draw. Bis der aber wieder richtig gepasst hat, dauerte es ein wenig. Zum Ende des vergangenen Jahres war ich aber wieder richtig gut drauf. Ich hätte da gerne noch ein paar Turniere weiter gespielt, denn ich bin mir sicher, dass das eine oder andere Spitzenergebnis noch gekommen wäre.

 

GJ: Wie sind denn die Ziele für dieses Jahr?
Siem:
Ich möchte unter die ersten Hundert der Weltrangliste und natürlich auch wieder mal ein Turnier gewinnen.

 

GJ: Diese Ziele hatten Sie ja auch schon in den beiden Vorjahren formuliert, gereicht hat es zu beidem nicht...
Siem:
Ja, das stimmt. Aber ich weiß, dass ich gewinnen kann. Ich habe mein Potenzial sicher noch nicht ausgeschöpft. Und ich finde, wer mehrmals im Jahr unter den besten Acht landet, hat sicher auch das Recht zu sagen, dass er auch gewinnen kann. Mein Problem in den letzten Jahren war aber, dass ich nicht voll auf Sieg spielen konnte, weil ich immer erst meine Tourkarte sichern wollte. Daher habe ich mir auch fest vorgenommen, in diesem Jahr möglichst schnell meine Karte zu sichern, um dann auch ohne Druck angreifen zu können.

 

GJ: Was muss den geschehen, damit es wieder für einen Sieg reicht?
Siem:
Auf jeden Fall muss ich mehr Konstanz in mein Spiel bringen um das zu schaffen. Ich muss einfach öfter näher an der Spitze dran sein. Das stärkt das Selbstvertrauen und dann klappt es sicher auch. Wenn es um den Turniersieg geht, ist es in der Hauptsache eine mentale Sache.

 

GJ: Anderes Thema: Sie sind ja jetzt bereits in Ihrem neunten Jahr in Folge auf der Tour. Was hat sich denn in dieser Zeit verändert?
Siem:
Vor allem ist an der Spitze das Gedränge viel größer geworden. Ich meine damit, dass heute viel mehr Jungs in der Lage sind, Turniere zu gewinnen als noch vor sieben, acht Jahren. Die Scores sind aber fast immer noch die gleichen, sie werden nun eben von mehr Spielern erreicht. Zudem sind alle viel athletischer geworden, die Physis spielt heute eine deutlich größere Rolle.

 

GJ: Auch haben sich zuletzt ja die Turnierlandschaft und das Preisgeldgefüge auf der Tour deutlich verändert. Wie sehen Sie die Entwicklung hier?
Siem:
Die Situation ist für die Tour derzeit scher nicht leicht, die Sponsorenlandschaft ändert sich. Man muss sich sicher auch mit weniger Geld zufrieden geben. Im Gegenteil: Wir sollten froh sein, dass wir immer noch um viel Geld spielen dürfen. Schwierig sind aber die Turniere auf allen Kontinente, die Reisen sind sehr aufwendig. In den letzten Jahren konnten wir öfters mal in einer Region für zwei, drei Wochen bleiben. Das geht dieses Jahr gar nicht, wir sind ständig irgendwo anders. Aber noch einmal: Wir dürfen uns nicht beklagen. Ich ohnehin nicht, denn ich habe gerade die Zusammenarbeit mit meinem Hauptsponsor der Postbank verlängern können. Darüber freue ich mich und dafür bin ich sehr dankbar.

 

GJ: Noch eine Frage zur Ryder-Cup-Bewerbung Deutschlands. Wie stehen Sie dazu?
Siem:
Ich fände es super, wenn wir den Ryder Cup nach Deutschland holen könnten. Es wäre eine große Ehre für den deutschen Golfsport und würde vielleicht auch hierzulande einen Golf-Boom auslösen. Ich hoffe sehr, dass es klappt – allein schon für Bernhard Langer, denn was Bernhard für den deutschen Golfsport geleistet hat, ist großartig.

 

Mehr über Marcel Siem auf seiner Website.


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