Thema Nummer eins in allen Clubs ist allerdings die Spielgeschwindigkeit. Fünf-Stunden-Runden sind längst die Regel, Sechs-Stunden-Runden keine Seltenheit mehr (Rekord des Autors in diesem Jahr in einem Scramble-Turnier: 6 Stunden, 3 Minuten). Damit wir uns nicht missverstehen: Niemand soll auf dem Platz hetzen oder gehetzt werden, und wer unbedingt 18 Löcher in zweieinhalb Stunden abreißen will, soll gefälligst um 7.30 Uhr aufteen. Aber fünf Stunden und mehr für eine Runde sind einfach zu lang.
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Langsames Spiel: Die Spur der Schnecken
Langsames Spiel: Die Spur der Schnecken
Die lähmende Langsamkeit auf den Fairways ist kein spezifisch deutsches Problem. In Großbritannien und Irland wird generell schneller gespielt, aber auch hier bemüht man sich um noch zügigeres Spiel. In St. Andrews ist auf den Range-Bällen des Golf Learning Centers neben dem Old Course die Zahl »3:57« aufgedruckt – eine Runde soll um jeden Preis unter vier Stunden dauern, und das wohlgemerkt in oft haarsträubenden Wetterbedingungen. In angelsächsischen Clubs wird sich über Rundenzeiten von viereinhalb Stunden aufgeregt. Das wäre ja schon mal eine Zeit, mit der wir hierzulande recht zufrieden sein könnten.
»Ich bekomme 200 Puls bei Leuten mit unzähligen Probeschwüngen, Watschelgang übers Fairway wie beim Einkaufen und als Schlimmstes: das Versteinern in der Ansprechposition und das 20-sekündige Anstarren des Balls, um dann einen Zehn-Meter-Voll-Topp oder einen gespitzelten Streifschuss hinzulegen, auf dass im Anschluss die gleiche Prozedur noch mal startet«, erzählt ein Marschall. »Unfassbar ist auch, wenn ein Flight aus höheren Handicappern im Turnier an einen Abschlag kommt«, ergänzt ein Pro. »Es ist wirklich ein Erlebnis, dort dabei zu sein. Es dauert drei Minuten, bis der erste Ball fliegt. Klar: Erstmal Scores vom vorigen Loch aufschreiben, wie man das in den Platzreife-Theoriestunden gelernt hat, hier aber am besten gleich noch jeden Schlag durchdiskutieren, dann noch mal eine Banane aus dem Bag, dann bei jedem kleinen Geräusch die Pre-Shot-Routine abbrechen und neu abspulen, die aus drei Probeschwüngen in Richtung Wald neben dem Abschlag besteht. Und genau dort fliegt der Ball dann meistens hin.«
Wir alle kennen die üblichen Regeln (Anschluss an den Vorder-Flight halten, Trolley immer Richtung nächster Abschlag platzieren) – hier kommen, inspiriert von vielen Vorschlägen der interviewten Personen, ein paar Anregungen mehr, die für schnelleres Spiel sorgen können.
• Die Aus-Regel darf man in Privatrunden, wenn es um nichts geht, durchaus mal ignorieren und einen Ball an der vermuteten Stelle fallen lassen. Übrigens: Wenn selbst Arnold Palmer die Abschaffung der Aus-Regel fordert, dann dürfen wir gewöhnlichen Sterblichen das auch.
• Sie haben einen Single-Handicapper im Flight, der den Ball 270 Meter weit haut und immer die Ehre hat? Lassen Sie ihn zuletzt abschlagen, dann müssen Sie nicht immer warten, bis der Vorder-Flight aus der Schussbahn ist. Dasselbe gilt auch für zweite Schläge auf Par-5-Bahnen. Wer nur vorlegen will, schlägt schon, auch wenn er streng genommen nicht an der Reihe wäre.
• Natürlich darf man in einer Privatrunde auch dann noch putten, wenn man erst mit dem neunten Schlag das Grün erreicht hat. Aber ob es noch sinnvoll ist, die Linie zu lesen, den Ball zu säubern und auszurichten und die Fahne bedienen zu lassen, ist wirklich fraglich.
• Auch Golfplatzbetreiber könnten ihren Teil zu schnellerem Spiel beitragen: Das Rough ist nicht dazu da, um Bälle zu verlieren, sondern um den nächsten Schlag zu erschweren. (Allerdings stehen manchmal Umweltauflagen dagegen.) Fahnenpositionen und Abschlagplatzierungen sollten an besonders vollen Tagen freundlich gestaltet werden. Erstaunlich viele Betreiber haben den Ehrgeiz, ihren Platz schwer zu gestalten. Ein ökonomischer Irrtum: Greenfee-Spieler kommen nicht wieder, weil sie so klasse viele Bälle verloren haben, sondern weil sie ein, zwei Birdies gespielt und sich sehr darüber gefreut haben.
• Ein kopfschüttelnder Marschall: »Es ist immer wieder verblüffend, welchen Ehrgeiz Menschen mit 150.000 Euro Jahresgehalt entwickeln, einen zerkratzten 1,80-Euro-Ball unbedingt noch aus dem Wasserhindernis zu fischen.« Wir sollten, wie in Liebesbeziehungen, einfach mal loslassen können. Verlorene Bälle gehören gesucht, aber irgendwann ist es dann auch wirklich gut. Hierzu eine kleine Episode aus einem süddeutschen Club, die uns zugetragen wurde: Ein Spieler kommt aufgeregt auf den Marshall zu und reklamiert, er habe gerade sein Handy irgendwo auf dem Fairway verloren. Ob der Marshall ihm wohl helfen könne? Dieser wählt die entsprechende Nummer mit seinem eigenen Handy an, worauf es wenige Schritte weiter klingelt – mitten in einem Biotop, dessen Betreten strengstens untersagt ist, wie auf einem Verbotsschild unübersehbar zu lesen ist....
Bei langsamem Spiel sind also wir alle gefordert. Als allgemeine Regel sollten wir uns aber auch bei längsten Wartezeiten bewusst machen: lieber am Abschlag eines Golflochs stehen als in einer Schlange bei der KFZ-Zulassungsstelle.
Zusätzliche Informationen und Links
Equipment: Fairway-Hölzer & Hybrids 2012 im Test +++ Bubba Watson: Der Drive des Champions +++ British Columbia: Traumhafte Kulisse in den Rocky Mountains +++ Fussball: Das GJ-Spezial zur Europameisterschaft +++ Golf & Medizin: Die Voltaren-Golfer +++ Gewinnspiel: Mit Lufthansa Business Class nach Berlin +++ Szene: Die Spielstärke der deutschen Golfer +++ u.v.m.






