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Essen & Trinken: Die Würstchenfrage

Ja, die Gastronomie. Ab 8 Uhr morgens sollen es perfekte Cappuccinos, knusprige Croissants und belegte Brote zum Mitnehmen für die Runde sein. Ab 11 Uhr kommen dann die ersten Mittagesser, die einen Teller Nudeln oder ein paar Bratwürste verlangen, natürlich zum Spottpreis. Ab 15 Uhr, während viele Rundenrückkehrer noch ein schlichtes Mittagessen wünschen, kommt die anspruchsvollere Abendgastronomie, wo es bitte so zugehen soll wie in einem ganz normalen Restaurant. Bis 20 Uhr kommen aber immer noch Leute von der Runde zurück, die verschwitzt was Schnelles wollen – oder auch nur ein Bier. Die Küche muss also von vormittags bis spätabends komplett besetzt sein und vielen verschiedenen Ansprüchen genügen. Dazu kommt die Wetterunsicherheit, die den Einkauf und die Lagerung frischer Waren zum Problem machen. Ein harter Winter kann tief in den roten Zahlen enden. Und scheint wider Erwarten im Januar mal zwei Tage die Sonne und ist der Platz sogar bespielbar, ärgern sich die Mitglieder, dass das Restaurant nur Heißgetränke und Schnittchen anbietet.
Clubgastronom ist wahrscheinlich einer der undankbarsten Jobs der Golfwelt. »Drei Jahre in einem Club sind wie zehn Jahre in einem normalen Restaurant«, sagt einer. Wer Würstchen mit Kartoffelsalat anbietet, verscherzt es sich mit der einen Hälfte der Mitglieder, wer karamellisiertes Foie Gras auf der Karte hat, mit der anderen Hälfte. »Ich verlange ja nicht viel«, sagt ein Mitglied, »aber es muss doch möglich sein, ein einziges einfaches, schnelles, billiges Gericht anzubieten.« Genau da ist dann wieder das Problem. Was dem einen sein Teller Nudeln ist, ist dem anderen eine Pizza und dem dritten ein Strammer Max. Auch die Rundenverpflegung wird nur selten goutiert: »Zwei Würstchen für das Startgeld?«

Zoff im Clubhaus (3)

Essen & Trinken: Die Würstchenfrage

Was könnte die Lösung sein? In den USA und in vielen anderen Ländern ist ein monatliches oder jährliches Verzehrminimum obligatorisch – jedes Mitglied muss beispielsweise mindestens 50 Dollar pro Monat im Clubrestaurant verkonsumieren. Der Betrag wird automatisch eingezogen; wer ihn nicht wahrnimmt, lässt den Betrag zu Gunsten des Restaurants verfallen. Natürlich sind Jugendliche oder Studenten von dieser Regelung ausgenommen.

In Deutschland ist dieses Modell eher selten. Die Idee ist aber zumindest überlegenswert, weil sie der Gastronomie eine gewisse Planungssicherheit gibt. Ein (rares) Beispiel aus Süddeutschland: In dem dortigen Club muss jedes Mitglied 150 Euro im Jahr zahlen. Und, mal ehrlich – die sind doch wirklich schnell verkonsumiert. Man könnte sogar, je nach Betreibermodell, diesen Gutschein auch bei Einkäufen im Pro-Shop einlösen, getreu dem anständigen Motto »Support your local pro«. Und es kommt auf eine clevere Verkaufe des Modells an. Wenn ein Club 1.500 Euro Spielgebühr im Jahr verlangt, aber gleichzeitig sagt: 200 Euro bekommen Sie davon als Verzehrgutschein für das Clubrestaurant zurück, dann klingt das doch schon ganz anders! Klar, dass diese Regelung nicht überall funktionieren kann. Ein alteingesessener Club ist damit sicher besser dran als ein stadtnaher 9-Löcher-Platz.


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