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Das Spiel & der Platz: Die »Unfähigkeit« der Greenkeeper

Die Clubmanager können mehr als nur ein Lied von ihren Mitgliedern und den Gästen singen. »Für 1.200 Euro Jahresbeitrag – wir reden also über 100 Euro im Monat – wird ein 50 Hektar großer, zu jedem Zeitpunkt perfekt gepflegter Privatgarten mit 14 Stunden Rundum-Service an möglichst 365 Tagen verlangt«, seufzt einer. Und natürlich ist der Pflegezustand des Platzes immer und überall ein Thema. »Repariert denn hier keiner die Pitch-Marken?« ist wohl der häufigste Satz, den man in Deutschland auf der Runde hört. Die Grüns sind auch nie so, wie sie sein sollten. Zitat: »Normalerweise kannst du mir jeden Zwei-Meter-Putt schenken, aber auf diesen Grüns hier?« Auch ausgelippte Bälle sind nicht nur Pech, sondern sie sind deshalb ausgelippt, weil der Lochrand ausgefranst war, die Greenkeeper also unsauber gearbeitet haben. Ein Grund zur Klage sind auch die Fahnenpositionen. »Nach einem Vier-Putt schimpfte letztens ein Mitspieler, dass es ja absolut regelwidrig sei, wie die Fahne hier gesteckt wäre«, erzählt ein Golfer. »Kein Witz, das habe ich bei den Jungsenioren-Meisterschaften erlebt. Er ging nach der Runde tatsächlich zum Clubmanager...« Und immer diese schlecht gerechten Bunker: Der Sand ist zu weich oder zu hart und mit zu vielen Tierspuren versehen. »Kein Wunder, dass man den Ball nicht rauskriegt.«

Zoff im Clubhaus (2)

Das Spiel & der Platz: Die »Unfähigkeit« der Greenkeeper

Viele Beschwerden dienen als Ausrede für die eigenen Unzulänglichkeiten, und wahrscheinlich ist es uns allen schon mal so gegangen, dass wir über die absurdesten Dinge geschimpft haben, um uns nicht selbst beschimpfen zu müssen. Wer ist Schuld an dem Ball, der mit dem Eisen 8 in den 110 Meter entfernten Wassergraben vor dem Grün platscht? Natürlich die fehlerhaften Entfernungstafeln auf dem Platz und nicht etwa die Tatsache, dass die meisten von uns das Eisen 8 nun einmal nicht 135 Meter schlagen können, auch wenn wir das ganz fest glauben.

»Ich denke, dass man bei der Nölerei zwischen zwei Typen im Club unterscheiden muss«, erzählt ein Clubverantwortlicher. »Erstens gibt es das richtige Mitglied, Mitte 50, Seniorenmannschaft, früher mal einstellig, seit der neuen Hüfte ein gepflegtes Handicap 15, keine sportlichen Ambitionen mehr, war 1986 der Kapitän der Clubmannschaft: Diese Typen maulen eher über die Gastronomie, die Parksituation – warum muss mein 7er in der Sonne stehen? –, Toiletten und die Tatsache, dass es im Pro-Shop die Duca-del-Cosma-Jacke nicht in der für seine Frau passenden Größe gibt. Zweitens gibt es den Ambitionierten, übrigens in jeder Handicap-Klasse, der vergeblich am Power-Fade arbeitet, weil den der Kaymer ja auch spielt. Diese Typen ziehen dann alles ran, womit sie ihren miserablen Score rechtfertigen können: Pflegezustand, CSA, doofe Flight-Partner, langsames Spiel, Fahnenpositionen.«

Selbst die Driving-Range bekommt ihr Fett weg: Liebster Grund zur Klage sind schlechte Bälle. Originalzitat: »Das ist kein Slice bei mir! Aber mit den Bällen kannst du nichts anderes erwarten…« Und in einem Münchner Club beschwerte sich neulich ein Mitglied, dass die Spielrichtung der Range falsch angelegt sei – zu viel Seitenwind. Auch unschuldige Ballwaschmaschinen am Tee bekommen ihr Fett weg. Ein Mitglied im Heimatclub des Autors beschwerte sich im Sekretariat darüber, dass das Wasser darin »brackig« sei.

Ein Golfclub ist hierzulande ein ganz spezielles Biotop. In einem Club treffen 500 Entscheider aufeinander, Menschen mit meist überdurchschnittlichem Einkommen und einigem beruflichen Erfolg. (Apropos Biotop: In einem rheinland-pfälzischen Golfclub beklagte sich ein Spieler über das allzu laute Gekreische der Vögel, die in einem Biotop auf dem Platz nisten.) Es sind Menschen, die es nicht gewohnt sind zu warten. Die auf ihrem – vermeintlichen oder tatsächlichen – Recht beharren. Sie diktieren die Regeln und lassen sich ungern etwas sagen. Sie ertragen es nicht, in einer Schlange zu stehen. »Kanonenstart ist die Hölle«, erzählt etwa eine Clubekretärin. »Da wird am Tresen gestöhnt und gemault wie bei kleinen Kindern. Wem es zu lange dauert, der wirft einfach sein Startgeld über den Tresen.« Na, wer erkennt sich da wieder? (Der Autor ist ein bekennender Schlangenhasser, dabei hat er auch im echten Leben nichts zu sagen – er ist mit einer Südeuropäerin verheiratet.)

Bei den Turnieren selbst entzündet sich der Ärger oft an vermeintlichen Kleinigkeiten. Es kam schon zu Eklats bei Siegerehrungen wegen Sonderwertungen wie dem Longest-Drive – wenn etwa in der Ausschreibung nicht explizit stand, dass nur Fairway-Treffer zählen. Über eigenartige Vorfälle wie 57 Nettopunkte oder gar das vorsätzliche Schummeln (demnächst ein eigenes Thema in einer der folgenden GJ-Ausgaben) gibt es dagegen selten offenen Streit, eher Geraune hinter vorgehaltener Hand.


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Equipment: Fairway-Hölzer & Hybrids 2012 im Test +++ Bubba Watson: Der Drive des Champions +++ British Columbia: Traumhafte Kulisse in den Rocky Mountains +++ Fussball: Das GJ-Spezial zur Europameisterschaft +++ Golf & Medizin: Die Voltaren-Golfer +++ Gewinnspiel: Mit Lufthansa Business Class nach Berlin +++ Szene: Die Spielstärke der deutschen Golfer +++ u.v.m.

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