Das Spiel des Weltranglistenersten ist ein Spiegel seines Seelenzustandes: Er kämpft – aber die ganz große Leidenschaft will nicht wiederkehren
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Woods: Nicht mehr der Alte
Von Katrin Baumann aus St. Andrews
»Ich habe gut gespielt heute«, sagte Tiger Woods nach seiner 73er Runde vom Samstag: Nur konnte ich nichts aus der Runde herausholen. Ich konnte kein Momentum aufbauen, habe keine Putts gelocht.« Und als er endlich das Gefühl gehabt habe, etwas in Schwung gekommen zu sein, seien ihm die Drei-Putts an der 13 und der 14 dazwischengekommen.
So ist das in diesen Tagen mit dem Weltranglistenersten: Während er früher fast immer, wenn es darauf ankam, in einen Zustand geriet, den sie »in the zone« nennen, will der Funke nun einfach nicht mehr überspringen. Die schottischen Fans behandeln ihn herzlich und voller Respekt, fast genauso wie in früheren Zeiten. Abfällige Zwischenrufe, wie er sie in den letzten drei Monaten in den USA immer wieder hatte ertragen müssen, blieben bislang aus. Stattdessen werden seine guten Schläge bejubelt, als habe es nie einen Skandal gegeben, und immer wieder sind aufmunternde »Go Tiger«-Rufe zu hören. Doch Woods scheint seltsam abwesend, passiv. Es ist, als würde ihn nichts von dem, was auf dem Golfplatz passiert, wirklich berühren. Die pumpende Faust, für die er berühmt ist, das In-die-Knie-Gehen vor Glück über einen tollen Schlag, das Brüllen – das alles scheinen Relikte zu sein aus einer weit zurückliegenden Vergangenheit.
Dunkle Augenringe, leerer Blick
Am Freitagabend gelang ihm an der 18 ein Zauberabschlag, beinahe wäre der Ball an der Par-4-Bahn direkt ins Loch gekullert. Früher hätte Woods das Momentum genutzt, den Eagle-Putt gelocht und den Konkurrenten gezeigt: Ich bin da, ich will gewinnen. Der Woods von 2010 hingegen blieb seltsam ruhig und emotionslos – und schob den Putt vorbei.
Macht man es sich zu einfach, wenn man behauptet, dass sein Spiel der Spiegel seines Seelenzustandes ist – wäre das zu trivial?
Denn wer ihn eine Weile beobachtet, der sieht es ihm an: Woods ist schlichtweg todunglücklich. Das Lachen, als würde die Sonne aufgehen, die blitzenden Augen, die offensichtliche Freude, die ihm sein Sport bereitete – all das ist verschwunden. Am Dienstag in seiner Pressekonferenz saß er auf dem Podium mit dunklen Augenringen, leerem Blick und einer Traurigkeit, die offensichtlicher nicht hätte sein können.
Kein Wunder: Sein Leben, das immer so kontrolliert schien, ist ein Chaos. Die Gerüchte, dass Ehefrau Elin sich längst entschieden hat, sich scheiden zu lassen, der endgültige Bruch bereits beschlossene Sache ist, verdichten sich zusehends. Die beiden gemeinsamen Kinder würden dann mit ihr in Schweden leben – weit weg von Woods und seinem Leben in den USA.
Hinzu kommt der Frust über die Medien, die Demütigungen auch, die Woods in seinem neuen Leben bei Pressekonferenzen immer wieder erleben muss. In St. Andrews wollten die britischen Reporter von ihm wissen, ob er an sich arbeiten werde, ob er ein »besserer Mensch« werden würde.
Ein besserer Mensch werden
Woods begegnete den Fragen so gut es ging: Nein, er sei nicht schlecht gelaunt gewesen auf seiner Trainingsrunde, »es ging mir gut, ich weiß nicht, wovon Sie sprechen«. Ob er seine Wutanfälle unter Kontrolle halten und das »Home of Golf« respektieren werde in dieser Woche, immerhin habe man ihn »über die Jahre hinweg immer wieder das F-Wort benutzen hören«, ihn »auf den Platz spucken und Schläger herumschleudern sehen«? »Ich versuche, ein besserer Spieler zu werden und ein besserer Mensch, ja.« Dass er unkonzentriert schien und distanziert, dass seine Antworteten hohl wirkten, stereotyp und heruntergespult – es kann einen nicht verwundern.
Der Old Course ist sein absoluter Lieblingsplatz, das hat Woods immer und immer wieder gesagt. Im Jahr 2000 hat er die Konkurrenz hier mit neun Schlägen Vorsprung in Grund und Boden gespielt, 2005 dominierte er das Feld mit fünf Schlägen Vorsprung. Der Hügel-Kurs mit den unzähligen Spielmöglichkeiten, wo Golf zum komplizierten Puzzle wird, liegt ihm wie kein anderer auf der Welt. Wenn er hier nicht wieder zurückfindet zu alter Stärke – wo dann?
Zusätzliche Informationen und Links
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