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The Open Championship:

Spielwiese der Strategen

Während Woods den Putter wechselt und hofft, auf seinem Lieblingsplatz zu alter Form zurückfinden, trainiert Kaymer mit Montgomerie

Von Katrin Baumann aus St. Andrews

 

»Die Open in St. Andrews – das ist wahrscheinlich das Größte, was wir überhaupt nur spielen«, freut sich Rory McIllroy auf die kommenden Tage, und in der Tat: Wenn der Golftross alle fünf Jahre auf dem ältesten Golfplatz der Welt Station macht, gibt es vor allem einen Star – der Old Course selbst. »Die Open Championship in St. Andrews, das ist das Beste, was es gibt«, sagt selbst Tiger Woods: »Das ist die Heimat des Golfs. Und ich bin nur ein Spieler wie jeder andere im Feld und freue mich einfach, da raus zu gehen und die Open Championship zu spielen.«

 

Der über 500 Jahre alte Kurs, das Heiligtum an der schottischen Ostküste, gilt vor als der Platz der Denker: Auf dem seltsamen, absolut baumlosen »Loop-Course« mit den sieben Doppelgrüns, den hundert Yards breiten Fairways und den weit mehr als hundert Bunkern ist Strategie so wichtig wie wahrscheinlich nirgendwo sonst auf der Welt. Metertiefe Topfbunker, diverse blinde Abschläge und steinharte, vom Wind völlig ausgetrocknete Hügel und Wellen allüberall, die den Ball mitunter wild verspringen lassen, sorgen dafür, dass das Spiel hier einer Art kompliziertem Puzzle gleichkommt, das vor allem der Imagination bedarf und der Phantasie. Jede Bahn bietet unzählige Spielmöglichkeiten, und wer die falsche Wahl trifft, spielt das Grün in einem Winkel an, der unter Umständen das direkte Angreifen der Fahne verunmöglicht. Der Platz verändere sich immerzu, entwickle sich laufend, an keinem Tag spiele er sich wie am nächsten, analysierte Tiger Woods bei seinem Sieg 2005 – und zerlegte den geschichtsträchtigen Course, der direkt ans Universitätsstädtchen grenzt, derart präzise in seine kleinsten Teilchen, als sei er am Seziertisch tätig.

 

Woods mit neuem Putter

Mit fünf Schlägen Vorsprung auf Colin Montgomerie gewann Woods vor fünf Jahren, als die Open das letzte Mal im »Mekka des Golf« ausgetragen wurden. Wie Jack Nicklaus holte er zwei seiner drei British-Open-Triumphe auf dem symbolträchtigen Platz mit den bizarren Bahnen, war es doch auch 2000 der Weltranglistenerste, der vor der Kulisse der historischen Steinhäuser die Claret Jug umarmen durfte. Allerdings spielten dem »Schönwettergolfer« Woods sowohl 2000 als auch 2005 die äußeren Bedingungen in die Hand, für dieses Jahr prognostizieren die Meteorologen jedoch zumindest an den ersten zwei Tage Regen und Wind.

 

Wer wird gewinnen? Wer wird die ungezählten Rätsel des 7.350 Yards langen Mysterien-Kurses entschlüsseln, wer wird die mentale Stärke aufbringen zu verkraften, dass nicht nur schlechte Schläge bestraft werden, sondern zuweilen auch gute, wer wird Technik und Gefühl, Power und Finesse, Angriff und Verteidigung, Wissenschaft und Kunst, Kopf und Gefühl so vereinigen, wie es hier notwendig ist?

 

Trotz seiner zuletzt durchwachsenen Leistungen und der privaten Probleme bleibt Woods der Topfavorit auf den Titel beim Superevent an der Irischen See. Als er im Juni bei den US Open gefragt wurde, auf welchen vier Plätzen er die vier Majors austragen würde, wenn es nach ihm ginge, antwortete der 34-Jährige: »Ich würde wohl viermal St. Andrews nehmen.« Um mit den vergleichsweise sehr langsamen Grüns des von starken Regenfällen durchnässten Old Courses besser zurechtzukommen, wechselt Woods zu den Open seinen Putter: Zum ersten Mal seit 1999 wird er nicht mit seinem Scotty-Cameron-Putter spielen; stattdessen wird ein Nike Method im Bag stecken. »Auf langsameren Grüns habe ich schon immer Schwierigkeiten gehabt«, so Woods: »Mit dem neuen Putter muss ich weniger Anpassungen vornehmen hinsichtlich, mit der ich den Ball spiele.«

 

Westwood angeschlagen

Zu den Favoriten gehört auch Lee Westwood, der bei drei der vergangenen vier Majors unter den drei Ersten landete. Allerdings laboriert der Brite an einem Muskelfaserriss in der Wade, der ihn zur Absage der Open-Generalprobe in Loch Lomond zwang. Wie sehr ihn die Verletzung in St. Andrews behindern wird, ist indes unklar: Der gerissene »Plantaris«-Muskel ist funktionell zwar nahezu bedeutungslos, aber an der Beugung des Knies und der Drehung des gebeugten Unterschenkels nach innen beteiligt. »Der Muskel ist nicht besonders wichtig, aber wenn etwas reißt, gibt es immer auch eine Schwellung«, meinte Westwood bei einer Pressekonferenz vor Ort. Der Knöchel sei angeschwollen und eigentlich liege die empfohlene Rekonvaleszenzzeit bei sechs bis acht Wochen: »Aber mit dem größten Turnier überhaupt im Kalender kann ich mir das nicht leisten.«

 

Zu den ersten Titelanwärtern gehört auch Ernie Els, sprechen doch die Zahlen für den Open-Champion von 2002: Der Südafrikaner führt in diesem Jahr auf der PGA Tour sowohl das Money-Ranking als auch die FedExCup-Points-List an und hat überhaupt 2010 mehr Weltranglistenpunkte gesammelt als jeder andere. Und bei den British Open spielt Els traditionell besonders gut: Ein Dutzend Mal landete er bei seinen 19 Starts beim dritten Major des Jahres unter den Topten – und in St. Andrews wurde er 2000 schon einmal Zweiter.

 

Monty trainiert mit Kaymer

Die beiden Deutschen im 156 Spieler starken Feld, Martin Kaymer und Marcel Siem, trainierten in den letzten Tagen teilweise gemeinsam auf den berühmten 18 Löchern des Old Course. Einen prominenten Begleiter hatten sie am Dienstag, als sie bereits um kurz nach sieben in der Früh zu einer »practise Round« aufgebrochen waren: Am siebten Tee kam überraschend Ryder-Cup-Kapitän Colin Montgomerie per Cart angebraust, packte sein Bag aus und schloss sich den beiden erstaunten Youngstern kurzerhand an. Kaymer liegt auf der „European Points List« für den Ryder Cup derzeit auf Rang sechs und wäre damit nach derzeitigem Stand automatisch qualifiziert für das Duell der Kontinente Anfang Oktober in Wales.

 


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