Der 30-Jährige hat den anvisierten Platz unter den ersten 15 zwar mit teilweise vermeidbaren Fehlern vergleichsweise leichtsinnig vergeben, insgesamt fällt die Bilanz nach seinem ersten Major-Auftritt aber positiv aus
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Siem: Leichtsinnsfehler verhindern Top-Platzierung
Von Katrin Baumann aus St. Andrews
Vielleicht platzt ja jetzt der Knoten endgültig: Marcel Siem hat am letzten Tag der 139. British Open nochmal hervorragendes Golf gezeigt und ein insgesamt tolles Turnier gespielt bei der ältesten Golfmeisterschaft der Welt. Mit der abschließenden 70 kommt er auf ein Gesamtscore von zwei Schlägen unter Par und liegt damit derzeit auf dem 28. Zwischenrang bei dem Superevent im schottischen Universitätsstädtchen.
Böses Missgeschick am Road Hole
»Ich habe sehr gut gespielt und bin sehr zufrieden«, sagte Siem nach seiner Runde: »Ich habe besser geputtet, hatte mehr Gefühl heute mit dem Putter und hatte ja auch einige Birdie-Chancen.« Tatsächlich begann der Ratinger mit Birdies an den Bahnen eins, neun, zehn und 13 hervorragend. An der 14 jedoch folgte ein Bogey, und an der 17, dem berühmten Road Hole, das ihm in dieser Woche nicht zum ersten Mal zum Verhängnis wurde, das Doppelbogey – nachdem einem bösen Missgeschick: »Da war beim Abschlag ein kleiner Erdhügel vor meinem Ball. Ich dachte aber, der komme für mich als Profi niemals ins Spiel.« Dann aber habe er den Hügel beim Schwung doch getroffen – und der Ball hüpfte gerade mal hundert Meter weit. »So etwas ist mir in meinem Leben noch nie passiert«, so Siem: »Und danach war ich nochmal im Rough und dann habe ich auch noch den Putt versiebt.« Allerdings sei er zu dem Zeitpunkt ohnehin »nicht mehr richtig bei der Sache« gewesen. An der 18 gelang ihm indes mit einem Birdie noch ein versöhnlicher Abschluss.
Gereifter, ernster
»Ich habe wirklich konstantes Golf gespielt in diesen Tagen«, stellte der 30-Jährige fest. Wenn er weiter so spiele und in Zukunft auch noch den einen oder anderen Leichtsinnsfehler vermeide, werde er »bestimmt regelmäßig vorne mitspielen und dann auch wieder einmal ein Turnier gewinnen«. Tatsächlich wirkte Siem trotz des neuerlichen Missgeschicks in diesen Tagen insgesamt gereift, ernster als früher: Er hinterließ den Eindruck, als wolle er es jetzt wirklich wissen, der Karriere alles andere unterordnen. Wer weiß, vielleicht wird er die hohen Erwartungen, die er mit seinem Riesentalent einst geweckt hat, bald doch noch erfüllen. Mit einem Handicap von plus sechs war er 2000 Profi geworden – in Europa war damals keiner besser.
Dass seine kanadische Freundin, mit der er bereits seit fünf Jahren zusammen ist, nun schwanger ist, sei »ein Grund, ruhiger zu werden und Verantwortung zu übernehmen«, meinte der Ratinger jedenfalls. Vielleicht war die 67 in der ersten Runde am Donnerstag, mit der er lange Zeit vorne auf dem Leaderboard zu finden war, ja ein Vorgeschmack auf kommende Großtaten.
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