Der 27-jährige Südafrikaner zeigte auch am Championship Sunday keinerlei Nerven und siegte nach einer abgeklärten 71 Runde mit sieben Schlägen Vorsprung auf Westwood – Kaymer nach enttäuschender 74 geteilter Siebter
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Oosthuizen holt Claret Jug
Von Katrin Baumann aus St. Andrews
Er zog sich die Mütze vom Kopf und umarmte seinen Caddie, dann lief er zu seiner Ehefrau und dem sieben Monate alten Töchterchen auf ihrem Arm und küsste beide: Louis Oosthuizen hat seinen Verfolgern auf der letzten Runde der British Open nicht die geringste Chance gelassen und das dritte Major der Saison in absolut souveräner Manier gewonnen. Der Südafrikaner triumphierte mit einem Gesamtscore von 272 Schlägen und sieben Zählern Vorsprung auf den zweitplatzierten Briten Lee Westwood (279 Schläge). Rang drei mit 280 Schlägen ging an das Trio Paul Casey, der an der Seite von Oosthuizen im Spitzenflight gespielt hatte, Rory McIlroy, der Spitzenreiter nach Runde eins, und Henrik Stenson. Auf Platz sechs mit einem weiteren Zähler Rückstand landete Retief Goosen, der einzige Spieler auf dem Leaderboard mit Major-Titel, Rang sieben ging an das Quartett Martin Kaymer, Nick Watney, Sean O’Hair und Robert Rock.
Tiger Woods vermochte auch an Tag vier nicht anzugreifen: Die Even-Par-Runde bedeutete ein Gesamtscore von 285 Schlägen und Rang 23 für den Mann, der mit seinen Siegen in den Jahren 2000 und 2005 die British Open auf dem Old Course zuletzt dominiert und sich auf seinem Lieblingsplatz so viel erhofft hatte. Auch der Weltranglistenzweite Phil Mickelson konnte am Championship Sunday erneut nicht überzeugen: 75 Schläge ließen ihn mit einem Gesamtscore von 289 Schlägen auf Rang 48 zurückfallen. Marcel Siem wurde mit 286 Schlägen 27.
Spiel in einer eigenen Welt
Der Wind konnte ihn nicht stoppen. Im Gegenteil: Er mag ihn. Je heftiger es weht, desto besser. Auch der Regen konnte ihm nichts anhaben: In Südafrika regnet es auch, ausreichend. Und der Druck, die British Open anzuführen, das älteste und für viele wichtigste Golfturnier überhaupt, schien ihn vollkommen kalt zu lassen: Es war, als spiele er in seiner eigenen Welt, dieser Louis Oosthuizen.
Die Vorentscheidung fiel an Loch neun, als der 27-Jährige, der bei seinen drei bisherigen Open-Teilnahmen immer den Cut verpasst hatte, mit einem grandiosen Monster-Putt zum Eagle einlochte und die Faust ballte. Und eigentlich schon endgültig stand sein Sieg fest, als der zu diesem Zeitpunkt noch zweitplatzierte Casey an der Zwölf den Ball ins dicke Gestrüpp beförderte, einen Strafschlag kassierte und die Bahn schließlich mit einem fatalen Triple-Bogey beendete. Oosthuizen sah sich das Unglück des Briten an – und puttete selbst seelenruhig und eiskalt zum Birdie ein. Acht Schläge lag er nun in Führung vor Casey und dem zu seinem Landsmann aufgeschlossenen Lee Westwood.
Der Mann mit der Zahnlücke und dem wackelnden Kopf
»Ich habe auf den ersten neun Löchern wirklich solide gespielt«, erzählte der Mann, der immerzu mit dem Kopf zu wackeln scheint, wenn er etwas erzählt, und den die Kollegen wegen seiner großen Zahnlücke »Shrek« nennen, bei seiner abendlichen Pressekonferenz lächelnd: »Ich war ja bei eins über nach acht Löchern, wo ich meinem Gefühl nach bei eins oder zwei unter hätte sein sollen. Da hatte ich nur noch eines im Kopf: Ich brauchte einen Putt, um wirklich meinen Rhythmus zu finden. Und dieser Eagle an der Neun, der hat mich so richtig in Schwung gebracht.«
Es sei »einfach fantastisch gewesen«, meinte Oosthuizen weiter, wackelte wieder mit dem Kopf und blickte zufrieden auf die neben ihm glänzende Claret Jug. Auf seine Coolness und Ruhe angesprochen, entgegnete er: »Das ist nur eine Frage der Reife. Ich denke, dass jeder junge Spieler sich über dumme Fehler ärgert. Wenn man sich hingegen die erfahreneren Spieler ansieht auf der Tour, stellt man fest, dass sie nach einem Bogey oder einem Doppelbogey einfach zum nächsten Loch gehen und weiterspielen. Und ich dachte mir, dass ich umso schneller Turniere gewinnen würde, je schneller ich das ebenfalls lernte.«
Zusätzliche Informationen und Links
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