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The Open Championship:

Kaymer will unter die ersten Zehn

Nach den Rängen 80 und 34 in den vergangenen beiden Jahren will der 25-Jährige bei seiner dritten British Open richtig vorne mitmischen

Von Katrin Baumann aus St. Andrews

 

Dunkler Himmel, Regen, Wind und Temperaturen um die zwölf Grad – nicht gerade das angenehmste Wetter, um den Golfschläger zu schwingen: St. Andrews zeigt sich am Vorabend des dritten Majors der Saison von seiner rauen Seite.

 

Während sich die schlotternden Fans in den Merchandising Shops am letzten Tag vor Turnierbeginn noch mit dicken Windjacken und überdimensionalen Regenschirmen ausrüsteten, war Martin Kaymer trotz des Wetters bester Dinge: Er gehe davon aus, dass den Spielern die »schwierigste Turnierwoche« des Jahres bevorstehe, aber er freue sich auf die Herausforderung, sagte der Weltranglisten-13. einen Tag vor seinem ersten offiziellen Open-Abschlag auf dem berühmten Old Course. Nach dem knapp verpassten Cut am Freitag bei den Scottish Open in Loch Lomond habe er sich am Wochenende reichlich ausgeruht und sei dann am Montag in das Universitätsstädtchen mit der großen Golftradition gefahren.

 

Der fünfmalige Sieger auf der European Tour kennt den ältesten Golfplatz der Welt vor allem aus Amateurzeiten gut, als er immer mal wieder hier spielte. Als Profi musste er sich 2008 bei der ebenfalls in St. Andrews ausgetragenen Alfred Dunhill Links Championship einzig Robert Karlsson geschlagen geben.

 

Arbeit am kurzen Spiel

»Die kurzen Schläge sind hier sehr entscheidend«, meinte Kaymer weiter. Entsprechend habe er viel am kurzen Spiel gearbeitet: »Ich habe viel gechippt und geputtet.« Wichtig sei, den Ball »clever ins Spiel zu bringen«, dann komme es aufs kurze Spiel an. »Die großen Grüns und auch die tiefen Bunker können einem hier viele Schläge kosten. Wer gut mit dem Putter zurecht kommt, hat gute Chancen auf niedrige Ergebnisse.« Ziel sei für ihn ein Platz unter den ersten Zehn.
Kaymer, der während der Open wie auch Tiger Woods im Old Course Hotel unmittelbar am Platz wohnt, hat anstrengende Wochen hinter sich: Nach dem brillanten Abschneiden bei den US Open in Pebble Beach, wo er Achter geworden war, folgten mit den BMW International Open, den Open de France und den Scottish Open drei weitere Turnierwochen direkt hintereinander. Bei den British Open geht es für ihn in diesem Jahr auch um wertvolle Punkte für die Qualifikation zum Ryder Cup im walisischen Celtic Manor im Herbst.

 

Der Modellathlet aus Mettmann wird am Donnerstag um 14.42 Uhr Ortszeit (15.42 Uhr deutscher Zeit) zusammen mit dem früheren Masters-Champion Zach Johnson aus den USA und dem südkoreanischen Amateur Eric Chun auf die erste Runde gehen. Der zweite Deutsche im 156 Spieler starken Feld, Marcel Siem, muss hingegen gleich im zweiten Vormittagsflight ran: An der Seite des Amerikaners Loren Roberts und des Australiers Matthew Goggin wird er um 6.41 Uhr an Tee eins erwartet. Siem hatte sich zuletzt in guter Form präsentiert und bei seinen letzten sieben Starts auf der European Tour durchgängig den Cut geschafft. Das Ticket für St. Andrews, wo er just an seinem 30. Geburtstag sein erstes Major überhaupt bestreitet, holte sich der Ratinger bei einem Qualifikationsturnier in Sunningdale. Er möge den Old Course, meinte Siem im Vorfeld: »Auf Links Courses bin ich im Vorteil, weil ich mit meiner Länge viele Bunker überpowern kann.« Ziel sei ein Platz unter den ersten 15.

 

Info:

- Links Golf – was ist das eigentlich?

 »Es gibt Golf und es gibt Links Golf. Ähnlichkeit haben die beiden nicht miteinander«, hat der berühmte Bobby Jones es einmal ausgedrückt – und damit das Wesentliche prägnant gesagt.

- Aha. Und was macht Links Golf so besonders?

Auf Links Courses sind die unzähligen Bunker so tief, dass der Spieler von außerhalb oft gar nicht mehr zu sehen ist. Bezeichnend sind auch extrem wellige Fairways und Grüns, die sich hinter zahlreichen Erdwällen verstecken. Hinzu kommt auf den Küstenplätzen meist ein unberechenbarer Wind, der Links Golf für viele endgültig zum Spiel mit sieben Siegeln macht.

- Welche Taktik ist also gefragt?

Course Management ist hier besonders wichtig, also die Fähigkeit, seine Strategie dem eigenen Können und den gegebenen Umständen anzupassen. Generell geht es auf Links Courses ums Gefühl, um Kreativität und Schlagfertigkeit; standardisierte Lösungen gibt es hier nicht.

- Und was kann ich daraus für mein Spiel lernen?

Dass ein guter Schlag nicht immer unmittelbar belohnt wird, dass es also gilt, sich in Geduld zu üben, sozusagen in Demut das zu akzeptieren, was das Schicksal für einen bereit hält.

- Okay, und was heißt das konkret?

Trauere unglücklich verpassten Möglichkeiten nicht lange hinterher – und lasse Dich durch Glück nicht zu Übermut verleiten.

 


Zusätzliche Informationen und Links

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